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Sonntag, 14. Dezember, 6.25 Uhr

Eine Frau baut mit acht Hunden im Auto zwei Unfälle  hintereinander, einem Amtsrichter aus Celle droht die Zelle, weil er als Mitglied des Prüfungsamtes die Lösungen für das Staatsexamen verkauft haben soll, und in Venedig entführt ein junges deutsches Pärchen eine Gondel. So viel zu den wichtigsten dpa-Meldungen der Nacht. Dazu die Niederlage von Dallas (Nowitzki 23) und der Sieg von Lazio (mit nur eingewechseltem Klose/0), garniert mit Diversem rund um Wetten dass. Gibt mir alles keinen Anstoß für den Montagsthemen-Anstoß. Ja, wenn die Frau mit zwei Hunden im Auto acht Unfälle hintereinander gebaut hätte … ach nee, zu albern. Da belasse ich es lieber mit der wichtigsten Nachricht innerhalb der Nachrichten: Alle acht Hunde blieben unverletzt.

Immer noch habe ich wg. der Dänemark-Woche einen Zeitungsstapel abzulesen, der höher ist als Dänemarks höchster Berg. Stets mit der Befürchtung im Kopf, etwas verpasst zu haben. Nicht die Hauptschlagzeilen, die verfolgen einen immer und überall. Es geht um die scheinbaren Nebensächlichkeiten, versteckt in Kultur-Teilen, Vermischtem und kleinen Rubriken. Zum Beispiel Nachrufe im “Spiegel” – da sehe ich, dass P. D. James gestorben ist, meine langjährige Mit-Lieblings-Krimiautorin. Im Gegensatz zu Magdalen Nabb (Hirnblutung mit 60) immerhin im gesegneten Alter von 94. Zu beiden Damen habe ich in vielen Jahren viel geschrieben. Immer noch wartet das letzte Buch der Nabb darauf, von mir gelesen zu werden (habe die Scheu noch nicht überwunden). Zur James fällt mir wieder die Ägina-Geschichte ein … ach, die könnte ich doch mal schnell aus dem Archiv raussuchen und hier reinklicken …

Moment …

… bin wieder da, habe nur das gefunden, aus dem Jahr 2008 (habe aber in Erinnerung, das später noch mal, ich glaube, für eine “Nach-Lese”, ausgebaut zu haben. Egal, hier das sechs Jahre alte Fundstück:)

 

 

Stichwort Angeber: Mein Auto, mein Haus . . . Sie kennen die Werbung. Und nun meine Version, eine wahre Geschichte (na ja, mit kleinen Übertreibungen, wie immer), die ich in dieser Kolumne noch nie erwähnt habe.   Ägina, eine Fährstunde vor Athen gelegen. Urlaub auf der kleinen, feinen griechischen Insel. Kleine, feine Pension. Zusammen mit uns wohnen hier ein deutsches, ein holländisches und ein griechisches Paar sowie ein englisches mit Oma.   *   Den Deutschen erzähle ich von vielen Fahrten mit Ägäis-Fähren. Mein Hobby. Da bin ich Kenner. Gönnerhaft frage ich als alter Fähren-Seebär: Und, was macht ihr so im Urlaub? – Ooch, wir warten hier nur auf unsere Yacht. Übermorgen holen wir sie ab, dann schippern wir eine Woche von Insel zu Insel, zu zweit allein auf dem Schiff.   *   Jetzt zu den Griechen. Da ich vor dem Urlaub gerade die erste Volkshochschul-Stunde Griechisch für Anfänger absolviert habe, versuche ich, das junge Paar, das nur wenig englisch spricht, auf griechisch ins Gespräch zu ziehen. Mit Händen und Füßen, basic english und den drei oder vier bisher gelernten griechischen Vokabeln gebe ich den Polyglotten. Dann hilft mir der Grieche mit einem Wort aus. Er ist Theologe. Hat die Bibel gelesen. Komplett. Auf deutsch. Schämt sich nur ein bisschen beim Sprechen. Weil er zwar perfekt und akzentfrei deutsch spricht, nur seiner Meinung nach leider etwas zu langsam.   *   Der nette Holländer interessiert sich für meinen Beruf. Journalist? Oh, wie schön! Ein aufregender, verantwortungsvoller Job! Ich wiegle halbherzig ab. Und was machst du so? – Bürojob. Na ja, da muss ich ja wohl nicht groß nachhaken. Später erfahre ich, dass der Bürojob zuletzt darin bestand, ein 500-Millionen-Euro-Projekt der holländischen Luftwaffe zu leiten.   *   Clive, der Engländer, bittet mich höflich, einen Blick auf meine Digitalkamera werfen zu dürfen. Na klar. Bitte. Ich erkläre ihm die einfachsten Funktionen, weil: Mehr kenne ich nicht. Clive muss erkennen, dass er mit mir nicht fachsimpeln kann. Clive ist Berufsfotograf. Ein sehr erfolgreicher. Spezialität: Opernfotografie. Für Plattencover und so.   *   Mit Rose, seiner Frau, unterhalte ich mich über Musik. Arien. Viel Ahnung habe ich nicht, aber sie wird’s ja wohl kaum merken. Um mich auf einen gewissen Aspekt eines gewissen Liedes hinzuweisen, will sie es anstimmen. Ich denke: O Gott, das kann ja was werden. Rose singt. Herrliche Stimme. Sie ist eine in England bekannte Mezzosopranistin und Gesangslehrerin.   *   Aber mit Marge, ihrer Schwiegermutter, werde ich ja wohl ein Gesprächsthema finden, bei dem ich auftrumpfen kann. Englische Kriminalromane, da bin ich Experte. Oder genauer: Leser. Kennt sie P. D. James, meine Favoritin? »P. D.?, was bedeutet das?« Na ja, die alte Dame, sie ist an die neunzig, kennt sich da wohl nicht aus. Sie ist übrigens Kunstmalerin, immer noch aktiv im Geschäft.   *   Marge denkt weiter über »P. D.« nach. Mir fällt ein, dass das »P« für Phyllis steht. »Phyllis?« Marge strahlt. Natürlich kennt sie Phyllis Dorothy James – die beiden alten Damen sind Nachbarn – und die allerbesten Freundinnen.  

 

Hübsche Geschichte, finde ich immer noch. Für die aktuellen “Montagsthemen” habe ich noch keine hübschen Geschichten gefunden, aber das kenne ich ja, Sie von mir auch. Wird schon werden. Ein paar Themen habe ich zwar, aber nur für andere Kolumnen: Einige Rückblick-Kolumnen mit Fragmenten  aus Anstößen des Jahres (“Das war’s” ist schon Tradition, seit die Jahresendzeitkolumnen mit Matthias Beltz und Matthias Altenburg enden mussten). Vielleicht eine Kolumne mit meinen 2014-Favoriten aus “Ohne weitere Worte”. Eine letzte “Wer bin ich?”-Folge vor der Jahresendwertung, eventuell versteckt in einer “normalen” Kolumne (Achtung!). Daneben die regulären drei Kolumnen der Woche (Stammtisch, Montag, OWW). Und unbedingt will ich etwas schreiben zu der in diesen Tagen vielfältig in Erinnerung gebrachten Geschichte vom Weihnachtsfrieden vor 100 Jahren an der Weltkriegs-Front bei Ypern. Das “kleine Wunder zum Fest” (gelesen in der großformatigen – die Werbungsbilder müssen schließlich reinpassen – FAZ-Beilage) finde ich allerdings weniger rührend als beängstigend, so eine Art Pausentee zwischen zwei Kriegshalbzeiten, fast könnte man glauben, es sei ein früher Monty-Python-Sketch gewesen.  Vielleicht lasse ich es auch ganz, will ja kein Weihnachtsfest-Spielverderber sein.

Jetzt aber Gedanken frei machen für die “Montagsthemen”. Selbst verordnete Auflage: Nichts zu “Wetten dass” (es reicht langsam mit den nostalgischen Reminiszenzen / ist das doppelt gemoppelt?), nichts zum BVB (spieltäglich grüßt das Murmeltier).

Nichts zu “Wetten dass” (es reicht langsam mit den nostalgischen Reminiszenzen / ist das doppelt gemoppelt?), nichts zum BVB (spieltäglich grüßt das Murmeltier) ??? Das könnte wenigstens, so oder so ähnlich, der Einstieg in die “Montagsthemen” werden … jawoll!

 

Baumhausbeichte - Novelle