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Montagsthemen (vom 15. Dezember)

Selbst verordnete Auflage: In diesen »Montagsthemen« nichts zu »Wetten, dass« (Krokodilstränen sind genug geflossen) schreiben und nichts zum BVB (wechselspieltäglich grüßt das Murmeltier, verkleidet als Abstiegsgespenst). Auch bei den Bayern immer das Gleiche: Der tapfere Gegner hält anfangs scheinbar mit, wird dann aber chirurgisch kühl und virtuos zerlegt, unter Applaus auch der Zerlegten.
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Münchens Vorsprung wächst so unaufhörlich wie Riberys Bart. Seltsam, die Wege, die die Mode geht, nur weil sie immer neue Wege gehen muss. Obwohl, diesmal folgt die Mode sogar den Gesetzen der Logik beziehungsweise des Nullsummenspiels: Was sie ihren Gläubigen befohlen hat, unten abzurasieren, befiehlt sie nun, oben nachwachsen zu lassen.
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Ribery ist auf dem Fußballplatz nur die Bartspitze der Bewegung, die in den Mode-Strecken der Wochenend-Glanzbeilagen schon Uniformpflicht der männlichen Models ist: Der Hals als Demarkationslinie zwischen Vollrasur unten und Wildwuchs oben. Früher war alles nicht besser, sondern  nur andersrum.
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Selbst die Klimaerwärmung spielt modisch mit: Beim Suchworteln (das G-Verb boykottiere ich) erfahre ich vom »MedizinInfo«, dass warmes Wetter den Haarwuchs fördert. Zwar fallen uns zwischen 60 und 100 Haare pro Tag aus (wohl dem, der soviel Ausfallmaterial hat), aber die hunderttausend anderen auf dem Kopf wachsen insgesamt täglich um 30 Meter (unglaublich, aber angeblich wahr). Wenn sie ungehindert wachsen dürfen, erreichen sie eine Länge von einem halben Meter. Damit erfüllt das wachsende (Bart-)Haar alle Kriterien, um olympische Sportart zu werden: Fortbewegung als unwesentliche sportlich Bedingung  und In-Sein als entscheidendes Event-Kriterium.
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Im Ernst: Die neue olympische Reform-»Agenda 2020« verlangt expressis verbis, »von einem sportbasierten zu einem eventbasierten Programm« zu wechseln. Das versetzt einige Sportarten in Aufregung, die fürchten müssen, Gewichts- oder Bootsklassen (Boxen, Ringen, Rudern, Kanu etc.) und, wie die Leichtathletik, sogar ganze Disziplinen (Gehen, Kugelstoßen) zu verlieren, eben weil sie zu sehr sport- und zu wenig eventbasiert sind.
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Interessierte Kreise verlangen nun von mir, meine mächtige Stimme gegen den möglichen Olympia-Ausschluss des Kugelstoßens zu erheben. Also gut: Piep!

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Als Sympathisant des Gender-Unwesens … quatsch, was schreib ich da für einen Unfug? … des Gender-Wesens muss ich die Kugelstoßer allerdings darauf aufmerksam machen, dass die »Agenda 2020« auch die Zahl der olympischen Wettkämpfe einfriert, dass also für jede neue Sportart eine alte weichen muss. Und ich weiß wirklich nicht, was ich bei Olympia lieber sähe: das ästhetisch wenig bewegungsattraktive Kugelstoßen dicker Menschen, oder die supergendergerechte Alternative, den Synchronschwimm-Mixedwettbewerb.
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Wirklich, der wird propagiert! Aber wahrscheinlich stecken auch da, wie bei fast allem, finstere Finanzmächte dahinter. Wer hat keine international konkurrenzfähigen Kugelstoßer? Frankreich! Wer ist Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF)? Christine Lagarde, eine Französin! Wer war Dritte der französischen Meisterschaften im Synchronschwimmen? Christine Lagarde! Welches spektakuläre Comeback plant sie? Zweimal dürfen Sie raten: Olympisches Synchonschwimm-Mixed mit Sarkozy …. oder vielleicht doch eher die Präsidentschaftskandidatur gegen ihn?
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In jedem Fall mein Unwort des Jahres: »Eventbasiert«. Hat aber keine Chance. Die hatte bei der Wahl zum Jugendwort des Jahres auch das »Fappieren« nicht, das die pikierte Jury unter den Tisch fallen ließ, obwohl es bei der Online-Vorauswahl auf Platz eins kam. »Fappieren?« Vorher nie gehört. Auch die Synonyme kannte ich noch nicht: »Die einäugige Schlange würgen« und »Fünf gegen Willi«.
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»Fünf gegen Willi?« Doch, da dämmert es. War da nicht mal was mit Sebastian Vettel? Ich suchwortle erneut und werde fündig, sogar in einer eigenen »Ohne weitere Worte«-Kolumne aus dem Jahr 2011, in einem Zitat aus »Sport-Bild«: »Nur ganz selten, in vertrauter Umgebung, lässt er dem Lausbuben in sich freien Lauf. Zum Beispiel, wenn er einem Freund zuruft: ›Wieso warst du denn heute früh um sieben schon im Swimmingpool? Da habe ich noch fünf gegen Willi gespielt.‹«
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Eines müssen wir Älteren zugeben: Willi und die einäugige Schlange – das ist zwar alter Wein in neuen, nun ja, Schläuchen, aber derart  kreativ in der Wortwahl waren wir bei weitem nicht. Dennoch, zum olympischen Event wird’s nicht ganz reichen. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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