Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Rüdiger Schulz: Ronaldo

Nein, nein und nochmals nein – da muss Ihnen nichts Leid tun. Sie haben Cristiano Ronaldo treffend beschrieben. Damals sein Gehabe und Getue, dieses Mal seine sportlichen Eigenschaften und Fähigkeiten.

Für unvergleichlich halte ich den unbestrittenen Ausnahmefußballer allerdings nicht. Es gab und gibt ja andere Ausnahmen in seiner Sportart. Ab den 1950er Jahren fallen mir da zum Beispiel Pelé, Eusebio, Cruyff, Maradona, Zidane, Ronaldinho und Messi ein. Und mit denen kann man ihn sehr wohl vergleichen. Dieser Vergleich fällt natürlich bei denen aus früheren Jahrzehnten so schwer wie in anderen Sportarten.

Und da kann auch die (gerade wieder im Fußball diskutierte) Technik als Mittel nicht helfen. Wie zum Beispiel der Computer NRC 315 bewiesen hat, als er 1970 im Schwergewichtstitelkampf zwischen Joe Frazier und Bob Foster den Letztgenannten als K.o.-Sieger in der 6. Runde vorhersagte, aber Frazier das Duell bereits in der 2. Runde für sich entschied. Im Jahr zuvor hatte jener NRC 315 bereits den Verlauf und den Ausgang eines Kampfes zwischen dem seinerzeit wegen seiner Kriegsdienstverweigerung gesperrten Muhammad Ali und dem 14 Jahre zuvor zurückgetretenen Rocky Marciano „berechnet“. Oder vielleicht auch nicht.

„Dieser Computer ist kein Idiot“, sagte Ali, der trotz seiner Mitwirkung bei der Verfilmung des Kampfes schon vorher ahnte, wie das Spektakel ausgehen würde. Hier der kriegsdienstverweigernde Black Muslim, der seinen Sklavennamen Cassius Clay abgelegt hatte, und dort eine „echte weiße Hoffnung“: „Jeder gute amerikanische Computer weiß, wie man das zusammenrechnen muss.“ Marciano siegte tatsächlich: http://www.spiegel.de/einestages/der-superfight-marciano-vs-ali-1970-a-947818.html

(Rüdiger Schulz)

Baumhausbeichte - Novelle