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Dienstag, 2. Dezember, 11.30 Uhr

Zeit für einen gemütlichen Blog-Eintrag. KKK-Liebste macht das, was ich nur in männlich-hessischer Form bevorzuge. Shoppen.

Vier weitere Punkte honoris causa gehen an Dr. Sylvia Börgens, Detlef Hartig, Andreas Hofmann und Rüdiger Schlick. Respekt!

Auflöung der »Wo bin  ich?«-Variante  von »Wer bin ich?«: Blavand an der dänischen Nordsee, etwa 20 Kilometer nördlich von Esbjerg. Die Betonpferde auf dem  Bild  sind Teil des Atlantikwalls (aparterweise während der Besatzung von geschäftstüchtigen dänischen Bauunternehmern ausgeführt), Bunker also, die – deutsche Wertarbeit – zu standfest und daher nach dem Krieg nicht zu entfernen waren. Ein Künstler verfremdete sie zu Maulpferden, und so schauen sie auch heute noch wachsam gen Westen. Sehr erfolgreich, denn seit 70 Jahren haben sie keine Invasion zugelassen. Keine aus Westen. Von Süden her aber kommen die Germanen, vorzugsweise norddeutsche Lehrer und sonstige Sozialarbeiter, seit Jahrzehnten in Scharen. Sie werden aber in Schach gehalten von dänischem Militär, das hier, mitten im »deutschen« Urlaubsgebiet, seinen größten Truppenübungsplatz unterhält. Der gehört außerhalb der Schießzeiten zum Urlaubsgebiet. Im Touristen-Magazin stehen sogar die Schießzeiten, fein säuberlich unterteilt in MG-Schießen, Panzerschießen, Bombenabwürfe etc. Dann wummt und kracht und zischt es an Wochentagen, dass jeder Militarist seine helle Freude hat. Hübsch auch die vielen Häuschen im Kriegsspiel-Gebiet: Die Besitzer sind längst enteignet und umgesiedelt, ihre Häuser dienen als Kulisse für nachgestellte Häuserkämpfe. Alles wirklich wahr! Und auch wahr, dass es hier herrlich ist. Vor allem für uns, in unserer winterlichen Dänemark-Zeit, wenn die vielen, vielen Ferienhäuschen fast unbesetzt sind und die Hunde am kilometerlangen breiten Sandstrand sich austoben können. Als zivilistischster (nicht: zivilisiertester) aller Zivilisten kommen mir die Militär-Spielereien besonders seltsam vor, aber irgendwie dänisch gelassen, nicht angsteinflößend. Die Tirpitz-Stellung, ein Ausflugsziel für Kriegs-Nostalgiker, habe ich aber noch nie besucht – das ginge selbst mir zu weit. Ach ja, irgendwann habe ich auch im »Anstoß« mal was dazu geschrieben. Mal nachschauen.

Gefunden! Es folgt der gar nicht mal so alte Auszug (vom April 2013):

 

Dänemark. Blavand. Fast immer erlebe ich dort Merkwürdiges. Mitten im Ferienhausgebiet liegt ein Truppenübungsgelände. Unvergesslich: Ein umgestürzter Panzer. Davor liegt ein Soldat, blutüberströmt. Schreckensbleich hingegangen. Da richtet sich der Tote auf, unwirsch: »Übung, Übung, weg, weg.« Nach dem Ketchup-Soldaten verzichtete ich ein paar Kilometer weiter darauf, Überlebende aus einem mit Einschusslöchern gesprenkelten ausgebrannten Reisebus zu bergen. Nach vielen Urlauben in Blavand erfuhr ich, dass der schönste Strand gesperrt wird, weil er voller Weltkriegs-Minen sei. Warum erst jetzt, obwohl die Gefahr von Anfang an bekannt war? Das Militär ließ die Minen liegen, weil die Gegend früher dänenmenschenleer war. Und wenn doch jemand gekommen wäre? Ein Ex-Rekrut bekannte: »Der Lagerkommandeur sagte, es könne sich höchstens um deutsche Touristen handeln.«  Gut erinnere ich mich auch, dass Christoph Daum zweimal eine Blavand-Rolle gespielt hat. Beim ersten Mal hörte ich auf der Heimfahrt, dass Daums Haarprobe positiv ausgefallen ist. Das zweite Mal: Draußen auf dem Horns Rev vor Blavand blinkten die Rotoren des größten Offshore-Windparks der Welt. Beeb, beeb, eine SMS machte sich bemerkbar. Poch, poch, das Herz schlug schneller, als der schnellste Rotor drehen kann. Die Nummer kennen nur engste Angehörige, und die simsen erst gar nicht, weil sie wissen, dass dieses Handy nur für Notfälle mitgeführt wird. Was ist bloß geschehen? »Hi Papa, Daum ist neuer Eintracht-Trainer. Reg dich nicht auf!« Der Bub hatte gut simsen! Jetzt in Blavand von dieser Nachricht erwischt: Uli Hoeneß zeigt sich selbst an. Geheimes Konto in der Schweiz. Lassen wir mal die Schadenfreude der Hoeneß- und Bayern-Gegner außen vor, auch die aufgeplusterte Empörung aus der Politik (deutsche Sozis, schaut lieber auf eure Kumpel in Frankreich!). Was mich, trotz Hoeneß’ Chuzpe, verblüfft: Dass er, obwohl er sich schon im Januar selbst angezeigt hat, weiterhin öffentlich den Rechtschaffenen gab und auf alles und alle schimpfte, die nicht ehrlich und anständig ihren Beitrag für Recht und Ordnung, Anstand und Moral und für unser Vaterland leisten. Auch dass er jahrelang vergnügt auf das prall gefüllte Festgeldkonto verwies, wird ihm weitere Häme einbringen: »Ach wie gut, dass niemand weiß, meins in der Schweiz, das ist ganz heiß!«

 

Schluss für heute. Schoppen-King erwartet Shopping-Queen.

Baumhausbeichte - Novelle