Archiv für Dezember 2014

Ohne weitere Worte 2014 (“Anstoß” vom 30. Dezember)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Inter-essantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft des Jahres 2014.

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»Das sieht immer so aus, als wolle man ein Pferd in einen Kleiderschrank einparken.« (der englische Komiker Eddie Izzard über das Dressurreiten, zitiert in der Zeit)

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Die deutsche Olympiamannschaft hat (…) das schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung erzielt. Kritiker fordern bereits, die Mauer neu aufzubauen. Aber sollte man wirklich wieder den Schießbefehl einführen, nur um die Leistungen unserer Biathleten zu verbessern? (»Zippert zappt« in der Welt)

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»Allet Jute, Uli. Lass Dir nicht unterkriegen von die Penner.« (Der Knast-erfahrene Ex-Boxer Graciano Rocchigiani in Bild)

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Da erreicht uns soeben die Eilmeldung, dass Liliana M. (…) in New York wegen des Verdachts auf Kreditkartenbetrug vorübergehend festgenommen worden war. (…) Ihr Ex, also Lothar Matthäus persönlich, zeigte sich davon nicht sonderlich überrascht. (…) »Ich habe mich schon immer gefragt, von was sie lebt.« (FAS)

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»Amerika ist das einzige Land, in dem ein großer Teil der Bevölkerung glaubt, Wrestling sei echt, aber die Mondlandung gefälscht.« (Late-Night-Moderator David Letterman, zitiert im SZ-Magazin)

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Dieses Scheitern (…) ist hausgemacht. Pep Guardiola hat die fußballerisch und menschlich absolut intakte Triple-Gruppe zerfleddert. (Kicker im Mai)

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Die Probleme der Nationalelf (…): anfälliges Defensivverhalten, Schwächen auf der linken Außenverteidigerposition, kein Stürmer von Weltklasseformat sowie mangelnde Effizienz vor dem Tor und beim Coaching. (FAS im Mai)

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Sie heißt Cathy Fischer und redet so, als trage sie eine kleine Erdnuss hinter der Stirn (FAS über die Freundin von Mats Hummels, die in Brasilien als »Reporterin« tätig war)

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Deutschland – Ghana 2:2. Ein Horror der Intensität. Spieler schmolzen, verdampften, bluteten und weinten. Und auf der Bank saß Ron-Robert Zieler und schluchzte: »So was darf ich eigentlich noch gar nicht gucken!« (aus dem »11 Freunde«-Blog)

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Mindestens zehntausend Steuerbeamte haben Hoeneß’ Steuerakte gelesen. (…) Damit zählt das Werk zu den meistgelesenen Sachbüchern der Saison. (…) Noch ist die Fortsetzung (…) nicht veröffentlicht, aber vermutlich baut Hoeneß Modellautos für das reizende Ehepaar Haderthauer. (»Zippert zappt« in der Welt)

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Ja, Finale – aber haben wir das Spiel unseres Lebens nicht schon gesehen? Vergangenen Dienstag? Wo warst du, als das erste Tor fiel, das zweite, dritte, vierte, fünfte …? So werden dereinst die Fragen lauten. Von diesem 8. Juli 2014 werden unsere Kinder noch ihren Enkeln erzählen. (Schriftsteller David Wagner in »Literarische Welt«)

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Sieben Tore gegen Brasilien – jeder normale Mensch, der kein Rad ab hat, hätte das für ungefähr so unmöglich gehalten wie den Versuch, eine Dose Bier zu überreden, sich selbst zu öffnen. (Welt)

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Scolari muss sich vorgekommen sein (…) wie sein schottischer Trainerkollege Bert Paton, der nach einem 0:7 seiner Mannschaft aus Dunfermline in der Pressekonferenz einst sagte: »Irgendwelche Fragen, bevor ich gehe und mich aufhänge?« (Welt)

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Hamburg gewinnt in Dortmund, ein überraschenderes Resultat als ein positiver Vaterschaftstest von Ricky Martin. Nicht traurig sein, liebe BVBler. Bald ist wieder Europacup. Und einen Champions-League-Sieger in der Zweiten Liga muss es ja auch irgendwann geben. (aus dem Livestream des Magazins 11Freunde)

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In jedem Nacken muss ein Sammer sitzen. (Axel Hacke in seiner SZ-Kolumne)

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Eine bleierne Schwere liegt über dem Klub; viele spüren, dass es in die falsche Richtung läuft. Sportlich hakt es gewaltig, da ist kein System erkennbar, keine Struktur, fußballerisch ist das Team limitiert. (…) Man kann den Abgrund förmlich sehen, auf den die Eintracht zurast. War die Stimmung vor dem letzten Abstieg nicht ähnlich? (Frankfurter Rundschau noch im November)

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»Wenn mir das einer zu Beginn der Saison gesagt hätte, den hätte ich in eine Nervenheilanstalt einliefern lassen.« (Franz Beckenbauer als Sky-Experte über  Borussia Dortmund)

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Schießt man den Ball zum Tore hin / Und denkt: »Ich glaub, ich spinne! / Was steht denn da für’n Monster drin?« / Dann steht DAS NEUER drinne. // Die Bälle frisst es einfach auf. / So wurd’ es Welttorhüter. / Sind andre Hüter auch gut drauf. / DAS Neuer hütet güter! (aus einem Gedicht auf der Humor-Seite des Stern) (gw)

* (www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 29. Dezember 2014 .
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Sonntag, 28. Dezember, 11.45 Uhr

“Montagsthemen” sind geschrieben und stehen online (vielleicht wie ein von mir gefalteter Papierflieger etwas zu schwanzlastig), draußen scheint die Sonne (draußen? Wo sonst?), die ersten zehn richtigen WBI-Lösungen sind eingetroffen, wieder mit einigen sehr liebenswürdigen Worten – ein schöner Wintertag, in dem ich jetzt nach fünf Stunden auftauche. Morgen folgen “Ohne weitere 2014 Worte”, für Mittwoch und Freitag schreiben die Jungs aus der Redaktion, für Samstag ich den “Sport-Stammtisch”, in der Woche darauf same procedure as every year. Wobei mir auffällt: Habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Warum eigentlich nicht? Zu sehr durchgenudelt? Oder kommt der Sketch gar nicht mehr? Oder schaue ich zu wenig Fernsehen? Na ja, ist sowieso Handkäs. Hessisches Synonym für “egal”. Muss mal nachschauen, woher “egal ist’n Handkäs” kommt. Aber nicht jetzt. Jetzt ist Schluss. Sonntag, Sonne, Schneelandschaft.

Veröffentlicht von gw am 28. Dezember 2014 .
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Montagsthemen (vom 29. Dezember)

Damit niemand behaupten kann, in dieser Kolumne komme der Wintersport zu kurz, fangen wir gleich damit an. Curling. Im alten Jahr wurden der Sportart die Fördermittel gestrichen, im neuen wird sie ein Comeback feiern. Denn nach den Helikopter-Müttern kommen die Curling-Eltern: Sie wischen vor ihren Kindern her, bis diese rasch und rücksichtslos zum Erfolg gleiten.
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Hübsches Bild. Hätte ich gerne selbst gezeichnet. Hab’s aber nur gelesen. In der »FAS«. Dann nachgesuchwortelt. Und siehe da: Die »Curling-Eltern« gibt es auch begrifflich schon seit Jahren. Dann wischt mal schön.
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Wir bleiben auf dem Eis. Auf sehr dünnem. Weil der russische Europameister Fadejew bei der Eiskunstlauf-WM 1989 unter seiner engen Hose nur ein Suspensorium trug, zog ihm die britische Preisrichterin 0,2 Punkte ab. Shocking, meinte die Lady, so etwas sei nur beim Ballett üblich.
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Woher wusste sie das? Ich kenne nur die  Balletttänzer-Methode der strategisch geschickt platzierten Hasenpfote. Und damit zum aktuellen Anlass: Cristiano Ronaldo hat in seiner Heimatstadt Funchal auf Madeira pfauenstolz eine, nämlich seine, Bronzestatue eingeweiht. Deren Realitätsnähe wird nun verspottet, weil sie im sensiblen Fadejew-Bereich … also, sagen wir mal so: Die Statue ist 3,40 Meter hoch und 800 Kilo schwer, und Ronaldos sekundäres Organ (primäres: ganz unten; nachrangiges: ganz oben) versinnbildlicht plastisch-drastisch und buchstäblich hervorragend das Wort »Gemächt«, das in der Phantasie des Künstlers und/oder Ronaldos einen Gutteil der 3,40 Meter und 800 Kilo für sich beansprucht.
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Bleibt nur die Frage: Fadejew-Methode? Nee, bringt nicht viel. Hasenpfote? Auch nicht. Selbst der Riesenrammler schaut in Funchal verschüchtert weg. Oder ließ sich Ronaldo wie Mick Jagger (behauptet jedenfalls Keith Richard) dort von Bienen stechen, um unter der Hose gewaltiger zu wirken? Aua! Tut ja schon beim Schreiben weh!
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Riesenrammler? Tut mir leid, so heißt der Stolz deutscher Kaninchenzüchter nun mal. Auch dazu recherchiere ich im Internet und finde diese mit Beweisfoto bestückte Kleinanzeige: »Verkaufe meinen  Riesenrammler. Er ist kräftig gebaut und sehr gut für die weitere Zucht. Bei Interesse melden. Auch Whats app ist möglich.« – Was es alles gibt!
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Schluss mit lustig. Denn so etwas gibt es ja wirklich, im Internet, siehe auch »Tatort«. Nicht der alte, in dem sich Berti Vogts seinen Ruf als schlechtester deutscher Amateurschauspieler redlich verdiente (erinnern Sie sich? »Ist das euer Kaninchen?«), sondern der von gestern Abend mit dem Thema, das noch vielen Jugendlichen das spätere Leben schwer machen wird, weil das Netz nichts vergisst.
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Nicht nur gestern, sondern schon seit geraumer Zeit muss der »Tatort« die Probleme der ganzen – zumindest deutschen – Welt thematisieren und möglichst auch lösen, mit gesellschaftlich und cineastisch höchstem Anspruch, überwacht von kritischen Medienschaffenden, die schärfer aburteilen als einst Marcel Reich-Ranicki. Am besten schneiden Krimis ab, wenn sie auf Tarantino getrimmt sind, mit schnellen, harten Schnitten, Wackel-Kamera und lärmenden  Hintergrundgeräuschen, so dass die Dialoge kaum zu verstehen sind.
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Über Weihnachten lief der alte Hugh-Grant-Film »Notting Hill« im Fernsehen, zwar  Kitsch as Kitsch can, aber immer wieder schön. Einmal sagt Julia Roberts: »Ich bin doch nur ein Mädchen.« Und der »Tatort« ist doch nur ein Filmchen.
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Fußball. Der BVB verpflichtet in seiner Not einen Kicker von Red Bull Salzburg, also aus der No-go-area für Fußball-Traditionalisten, die einen Shitstorm aufheulen lassen (für Sprach-Traditionalisten: Kotorkan wg. Nicht-Hingeh-Bereich).
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Uli Hoeneß hat seinen Weihnachtsurlaub beendet, zwischendurch seinen bayerischen Verdienstorden aus Protest zurückgegeben (sagen die einen) oder zurückgeben müssen (hämen die anderen). Nicht begraben durfte er zuvor seinen 14 Jahre alten Hund. Das ist zwar ein biblisches Alter für einen Labrador, doch ihn nicht begleiten zu dürfen, war die vielleicht härteste aller Strafen für Hoeneß. Hunde-Menschen wissen das und litten mit ihm.
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Alexander Meier auf die Frage, wer Torschützenkönig wird: »Einer von den Bayern.« Glaube ich nicht. Die machen sich selbst zu viel Konkurrenz. Ich wette: Meier macht’s. Apropos Eintracht. Mir fiel jetzt eine Überschrift auf: »Zchadadse für Georgien.« Was? Dachte ich. »Unser« Zchadadse spielt im März in Tiflis gegen Deutschland? Beim Lesen des Textes stellte ich aber fest, dass nicht nur nichts älter ist als die Zeitung von gestern, sondern dass auch kaum jemand älter ist als der »Montagsthemen«-Zeitungsschreiber von heute, denn Zchadadse, von 1993 bis 1996 bei der Eintracht, ist schon längst kein Spieler mehr, sondern Trainer.
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Nicht nur der Fußball, auch die Zeit ist ein Rasen-Spiel (aua! das tut ebenfalls kalauerig weh!). Wie sang einst Gilbert Becaud? »Und die Zeit und die Zeit … sie löst sie auf« … und zwar alle Probleme. Gründlicher als der »Tatort«. (gw)
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(www.anstoss-gw.de   Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 28. Dezember 2014 .
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Sonntag, 28. Dezember, 8.15 Uhr

Mittlerweile hell. Auf der Landstraße hinten fährt ein Auto. Fast im Schritttempo. Der starke Wind widerlegt meinen nächtlichen Teich-Eindruck: Er hat ihn fast freigelegt. Der Wind den Teich. Ein Symbol? Für was? Doch neuer Roman? Och nee. Die Gemeinheit dabei: Der Wind hat sich unseren Straßenanteil ausgesucht, um allen Schnee dorthin zu transportieren. Riesige Haufen. Die Nachbarn müssen kaum Schnee schippen, da er zu mir geweht ist. Ich habe übrigens gerade schon geschippt. Und Sie?

Meldung der Nacht, die es noch nicht in die Online-Meldungen (auch nicht von uns) geschafft hat: In Indonesien wird ein Flugzeug vermisst, etwa 160 Menschen an Bord. Bei solchen Horror-Nachrichten denke ich an die Szene in der ersten Folge von “Lost”, das quälend lange Abstürzen. Von meiner Flugangst könnte ich einiges erzählen. Zum Glück musste ich 2014 nicht und muss nach Stand der Dinge auch 2015 nicht in solch ein Gerät einsteigen, das nur fliegt, weil alle glauben, es könnte fliegen. Ach, schon wieder witzisch, der Herr. Da wird es nun wirklich Zeit für die “Montagsthemen”.

Veröffentlicht von gw am 28. Dezember 2014 .
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Sonntag, 28. Dezember, 6.45 Uhr

Eingeschneit. Wie es wohl unten im Tal aussieht? Auf der Straße ins Hinterland fährt kein Auto. Na ja, um diese Zeit. Der tapfere FAS-Bote aber war schon da. Mit dem Auto? Ein Held. So viel Schnee. Das kennen manche Spätgeborene gar nicht. Also Kinder, die jünger als zwei Jahre alt sind. Witzisch, witzisch, der Herr.

Aber wirklich, so viel Schnee ist hier lange nicht mehr gefallen. Der Teich ist nicht mehr zu sehen, versunken in Schneewehen. Der Teich? Der Teich? Ah, ja, der Teich, der Koffer, das Flugzeug, so beginnt der “Seemannsköpper”, mein erstes und einziges Buch, vor sechs Jahren veröffentlicht, lange vergriffen und nur in ein paar gebrauchten Exemplaren bei Ebay oder Amazon erhältlich. Hatte ihn schon fast vergessen, wollte ihn auch vergessen, denn ich hatte ein ganz anderes Buch geplant, ein viel “wichtigeres”, einen richtig großen Entwicklungsroman, zur Hälfte schon geschrieben, von einem Frankfurter Verlag mit gutem Ruf schon angenommen, aber nach monatelanger Wartezeit erfuhr ich, dass der Verlag pleite geht, pleite ging, pleite war. Aus dem Fragment habe ich den “Seemannsköpper” rausgekürzt und eine Regio-Krimihandlung drumrumgeschrieben, mit heißer Nadel. Dennoch Etikettenschwindel. War nicht glücklich damit, zumal ich das eigentliche Vorhaben, an dem ich sowieso zu scheitern fürchtete, so feige verraten habe. Warum ich jetzt darauf komme? Gestern holte mich der “Seemannsköpper” wieder ein. Ein Bekannter behauptete, den Roman bei Amazon bestellt zu haben. Neu. Ich glaubte ihm nicht, schaute nach, und siehe da, er ist wieder neu erhältlich. Warum? Wieso? Keine Ahnung. Vom Verlag seit Jahren nichts mehr gehört. Übrigens, wer glaubt, als neuer, unbekannter Autor mit einem Roman bei einem kleinen Verlag und ordentlichen Verkaufszahlen reich zu werden, täuscht sich gewaltig. Oder ich war zu naiv. Ich schätze, der FAS-Bote verdient in einem Monat mehr als ich mit dem ganzen Buch. Aber darum ging es mir ja auch nicht. Leider habe ich das, worum es mir ging, vor mir selbst verraten. Einen neuen Versuch wagen? Was mich abschreckt, ist nicht das drohende Scheitern, sondern das Drumherum, das Suchen nach einem Verlag, das Anbiedern, das Sichselbstvermarkten, die peinliche PR, die öffentlichen Auftritte mit Lesungen etc., was ich schon beim “Seemannsköpper” nicht gemacht habe, obwohl das, so sagte man mir, unumgänglich sei, um auf die nötigen Verkaufszahlen zu kommen.

Da schreibe ich doch viel lieber meine “Montagsthemen”. Eingeschneit, im warmen Arbeitszimmer. Der Teich – im Schnee verweht.

Aber was schreib ich bloß? Same question as every sunday.

 

Veröffentlicht von gw am 28. Dezember 2014 .
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Baumhausbeichte - Novelle