Archiv für Dezember 2014

Sonntag, 28. Dezember, 11.45 Uhr

„Montagsthemen“ sind geschrieben und stehen online (vielleicht wie ein von mir gefalteter Papierflieger etwas zu schwanzlastig), draußen scheint die Sonne (draußen? Wo sonst?), die ersten zehn richtigen WBI-Lösungen sind eingetroffen, wieder mit einigen sehr liebenswürdigen Worten – ein schöner Wintertag, in dem ich jetzt nach fünf Stunden auftauche. Morgen folgen „Ohne weitere 2014 Worte“, für Mittwoch und Freitag schreiben die Jungs aus der Redaktion, für Samstag ich den „Sport-Stammtisch“, in der Woche darauf same procedure as every year. Wobei mir auffällt: Habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Warum eigentlich nicht? Zu sehr durchgenudelt? Oder kommt der Sketch gar nicht mehr? Oder schaue ich zu wenig Fernsehen? Na ja, ist sowieso Handkäs. Hessisches Synonym für „egal“. Muss mal nachschauen, woher „egal ist’n Handkäs“ kommt. Aber nicht jetzt. Jetzt ist Schluss. Sonntag, Sonne, Schneelandschaft.

Veröffentlicht von gw am 28. Dezember 2014 .
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Sonntag, 28. Dezember, 8.15 Uhr

Mittlerweile hell. Auf der Landstraße hinten fährt ein Auto. Fast im Schritttempo. Der starke Wind widerlegt meinen nächtlichen Teich-Eindruck: Er hat ihn fast freigelegt. Der Wind den Teich. Ein Symbol? Für was? Doch neuer Roman? Och nee. Die Gemeinheit dabei: Der Wind hat sich unseren Straßenanteil ausgesucht, um allen Schnee dorthin zu transportieren. Riesige Haufen. Die Nachbarn müssen kaum Schnee schippen, da er zu mir geweht ist. Ich habe übrigens gerade schon geschippt. Und Sie?

Meldung der Nacht, die es noch nicht in die Online-Meldungen (auch nicht von uns) geschafft hat: In Indonesien wird ein Flugzeug vermisst, etwa 160 Menschen an Bord. Bei solchen Horror-Nachrichten denke ich an die Szene in der ersten Folge von „Lost“, das quälend lange Abstürzen. Von meiner Flugangst könnte ich einiges erzählen. Zum Glück musste ich 2014 nicht und muss nach Stand der Dinge auch 2015 nicht in solch ein Gerät einsteigen, das nur fliegt, weil alle glauben, es könnte fliegen. Ach, schon wieder witzisch, der Herr. Da wird es nun wirklich Zeit für die „Montagsthemen“.

Veröffentlicht von gw am 28. Dezember 2014 .
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Sonntag, 28. Dezember, 6.45 Uhr

Eingeschneit. Wie es wohl unten im Tal aussieht? Auf der Straße ins Hinterland fährt kein Auto. Na ja, um diese Zeit. Der tapfere FAS-Bote aber war schon da. Mit dem Auto? Ein Held. So viel Schnee. Das kennen manche Spätgeborene gar nicht. Also Kinder, die jünger als zwei Jahre alt sind. Witzisch, witzisch, der Herr.

Aber wirklich, so viel Schnee ist hier lange nicht mehr gefallen. Der Teich ist nicht mehr zu sehen, versunken in Schneewehen. Der Teich? Der Teich? Ah, ja, der Teich, der Koffer, das Flugzeug, so beginnt der „Seemannsköpper“, mein erstes und einziges Buch, vor sechs Jahren veröffentlicht, lange vergriffen und nur in ein paar gebrauchten Exemplaren bei Ebay oder Amazon erhältlich. Hatte ihn schon fast vergessen, wollte ihn auch vergessen, denn ich hatte ein ganz anderes Buch geplant, ein viel „wichtigeres“, einen richtig großen Entwicklungsroman, zur Hälfte schon geschrieben, von einem Frankfurter Verlag mit gutem Ruf schon angenommen, aber nach monatelanger Wartezeit erfuhr ich, dass der Verlag pleite geht, pleite ging, pleite war. Aus dem Fragment habe ich den „Seemannsköpper“ rausgekürzt und eine Regio-Krimihandlung drumrumgeschrieben, mit heißer Nadel. Dennoch Etikettenschwindel. War nicht glücklich damit, zumal ich das eigentliche Vorhaben, an dem ich sowieso zu scheitern fürchtete, so feige verraten habe. Warum ich jetzt darauf komme? Gestern holte mich der „Seemannsköpper“ wieder ein. Ein Bekannter behauptete, den Roman bei Amazon bestellt zu haben. Neu. Ich glaubte ihm nicht, schaute nach, und siehe da, er ist wieder neu erhältlich. Warum? Wieso? Keine Ahnung. Vom Verlag seit Jahren nichts mehr gehört. Übrigens, wer glaubt, als neuer, unbekannter Autor mit einem Roman bei einem kleinen Verlag und ordentlichen Verkaufszahlen reich zu werden, täuscht sich gewaltig. Oder ich war zu naiv. Ich schätze, der FAS-Bote verdient in einem Monat mehr als ich mit dem ganzen Buch. Aber darum ging es mir ja auch nicht. Leider habe ich das, worum es mir ging, vor mir selbst verraten. Einen neuen Versuch wagen? Was mich abschreckt, ist nicht das drohende Scheitern, sondern das Drumherum, das Suchen nach einem Verlag, das Anbiedern, das Sichselbstvermarkten, die peinliche PR, die öffentlichen Auftritte mit Lesungen etc., was ich schon beim „Seemannsköpper“ nicht gemacht habe, obwohl das, so sagte man mir, unumgänglich sei, um auf die nötigen Verkaufszahlen zu kommen.

Da schreibe ich doch viel lieber meine „Montagsthemen“. Eingeschneit, im warmen Arbeitszimmer. Der Teich – im Schnee verweht.

Aber was schreib ich bloß? Same question as every sunday.

 

Veröffentlicht von gw am 28. Dezember 2014 .
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Sonntag, 21. Dezember, 6.45 Uhr

Brrrr. Beim Gang zum Briefkasten in die dunkle, kalte Nacht gefroren. Für die Jahreszeit mag es zu warm sein, für mich ist es frühstmorgens noch definitiv zu kalt.

Definitiv. Auch so ein Modewort. Nur damit ich es als Modewort brandmarken kann, habe ich es hier hingeschrieben. In die Kolumne kommt mir so was nicht.

Brandmarken. Schönes bildhaftes deutsches Wort. Obwohl es wahrscheinlich aus der Cowboysprache kommt. Aber ein Sprachbild, das jedem sofort klar ist. In meinen ganz frühen Western wurde ja oft gebrandmarkt. So schön das Wort, so fies die Tat. Zwar gab es damals die Tierschutz-Diskussion noch nicht, aber ich musste mir schon die Ohren zuhalten, wenn das arme Pferd gebrandmarkt wurde: Zzzzschschschiiischschsch.

Zzzzschschschiiischschsch, das ist onomatopoetisch. Das Wort habe ich mir gemerkt, weil es so schön auszusprechen und fast selbst schon onomatopoetisch ist. Mal durchzählen: 16 Buchstaben in sieben Silben, ist das Wortweltrekord? Falls nicht, kann es nur am Schluss der Tisch vermasselt haben mit seinen elend vielen fünf Buchstaben.

In den Meldungen der Nacht taucht das Dallas-Spiel noch nicht auf, ich suche im Internet … aha … knapp gegen San Antonio gewonnen. Ellis 38 Punkte, Nowitzki 13. In unseren deutschen Meldungen von Nowitzki-Spielen wird seine Leistung immer an den Punkten gemessen. Dabei ist er vielleicht noch wichtiger, wenn er weniger punktet: Wichtigstes Ziel des Gegners  ist meistens, ihn aus dem Spiel zu nehmen, sie konzentrieren sich auf ihn, was anderen Freiräume gibt. Dann macht eben Ellis 38 Punkte, und Nowitzkis 13 Pünktchen spielen am Schluss auch noch eine wichtige ergänzende Rolle.

Zu den dpa-Meldungen der Nacht gehört eine aus den USA, die nach „Mann beißt Hund“ klingt: Ein Schwarzer erschießt zwei Polizisten. Einfach so.

Echte Meldung der Nacht: Neue Geschäftsidee in Berlin, ein Studio wurde eröffnet, in dem man in der Mittagspause ein Nickerchen machen kann. 20 Minuten Powernapping kosten acht Euro. Und ich habe mal gedacht, als ich vor einiger Zeit eine Folge meiner Lieblingskrimiserie sah und „Sputnik“ als Running gag und Sidekick wieder einmal eine neue Geschäftsidee hatte und eben ein solches Nickerchen-Geschäft eröffnete, das sei nun doch ein bisschen arg überzogen. Die Realität ist nun mal von der Phantasie nicht zu übertreffen.

In acht Minuten ein Nickerchen machen … daraus einen Gag zu machen, traue ich mich nicht.

Ich traue mich nicht? Da denke ich sofort an eine der schlimmsten Szenen der Kindheit: Ich hatte einen Luftballon, war unbändig stolz, denn – ja, liebe Kinder, gebt fein acht! – das war ein seltenes, ein für mich  unglaublich tolles, ein luxuriöses Spielzeug. Zwei ältere Jungen pieksten nicht ihn, sondern mich an: Du traust dich nicht, dich draufzusetzen, wetten!! Ha! Ich und nicht trauen! Ich wusste genau, was die Kerle wollten, aber ich wollte auch nicht als Feigling gelten. Setz mich drauf. Knall!

„Knall“ ist nicht onomatopoetisch. Gibt es überhaupt ein lautmalerisches Wort für einen Knall? Ist „bumm“ lautmalerisch?

Wer ist die ewige Onomatopoesie-Königin? Klar, Dr. Erika Fuchs. Weiß jeder, der sie kennt. Wer sie nicht kennt, hat Pech gehabt. Echtes Lebenspech.

Ich trau mich nicht? Wegen des Nickerchens? Ist das ein Homonym? Nee. Homonyme, das sind gleichartig geschriebene  Wörter für unterschiedliche Begriffe. Wie „Bauer“ (Landmann und Vogelkäfig). Wie heißt das Fachwort beim Nickerchen? Gleichlautend, aber unterschiedlich geschrieben? Und das auch nur, wenn man Hesse ist? Allophon? Nee. Hab’s vergessen. Obwohl in meinem Hinterkopf rumort, dass ich mir diese Frage schon mal gestellt und in einer Kolumne auch beantwortet habe.

Apropos. Die „Montagsthemen“ warten. Schluss mit albern. Bis dann.

 

7.30 Uhr:

Ha! Homophon!

Hat mir keine Ruhe gelassen. Fündig geworden in einem „Anstoß“ von mir vor fünf Jahren:

…  ein Spezialgebiet der Fußball-Wissenschaft: das von Heinz Erhardt genannte »Rasenspiel«. Wie schaffen es die Platzwarte bloß, diese akkuraten Streifen in den Stadionrasen zu mähen? Sieht ja fast so aus, als würde in den abwechselnd dunklen und hellen Streifen verschiedenfarbiges Gras wachsen. Stimmt natürlich nicht. Aber wie mäht man das, damit’s so aussieht?   *   Mäht man überhaupt? Tun das nicht Schafe? Leicht verunsichert, schlage ich im Duden nach. Ja, klar, beide mähen. »Mähen« gehört zu den Homonymen: Gleichnamigkeit bei unterschiedlicher Bedeutung (wie bei »Bauer« = Landmann/Vogelkäfig).   *   Aber was ist der Unterschied zwischen Homonym (gleicher Name) und Homophon (gleicher Ton)? Wenn ich in der Diskussion über Manager-Gehälter jetzt immer öfter vom sportlichen Vorbild des  »Sellerie-Cups« höre und mich darüber wundere, bis ich’s geschrieben (»Salary-Cap« = Gehaltsobergrenze) sehe – ist das nun homonym, homophon – oder nur dumm?   *   Ah, hab’s kapiert: Als Heinz Mägerlein einst bei einer Ski-Übertragung die legendäre Behauptung wagte, die »Zuschauer standen an den Hängen und Pisten«, war dies ein Homophon und kein Homonym, denn die mutwillige Verwechslung ist nur durch gleichen Ton, nicht durch gleiche Schreibweise möglich.

 

Veröffentlicht von gw am 21. Dezember 2014 .
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Samstag, 20. Dezember, 11.15 Uhr

„Ich sage nur ein Wort: Danke!“ Danke, lieber „sk“, mich vor einem peinlichen Lapsus bewahrt zu haben. Denn mit dem bekannten Hrubesch-Zitat hatte  ich die Samstags-Kolumne beendet, in meiner Schludrigkeit das „vielen“ vor Dank verschlampend, was den ganzen Gag vermasselte, aber „sk“, mein persönlicher Korrekturleser, im Nebenberuf WZ-Chef, hat’s gemerkt und sogar auf youtube den echten Hrubesch gefunden. So konnte ich sogar erstmals das korrekte Zitat anbringen, denn Hrubesch hatte im Original nicht „vielen“, sondern herzlichen Dank“ gesagt.

Wenn ich schon mal am Blog-Schreiben bin, kann ich ja auch ein bisschen im Stein(es)bruch vorarbeiten. Zitat für „Ohne weitere Worte“: „Auf Asche, wie ich damals, würde er 10,5 laufen. Auf den ersten 20 Metern käme er mit seiner Statur gar nicht weg.“ (Armin Hary, erster 10,0-Läufer, in „Sport-Bild“).

Hieße die Dienstags-Kolumne „Mit weiteren Worten“, müsste ich ergänzen: Typisch selbsterhöhendes Nostalgiegeschwätz. Hary hatte den Vorteil der Handstoppung, die den Nachteil der Aschenbahn mindestens ausglich. Bolt würde auch auf Asche in Bestform deutlich schneller als Hary laufen. Aber den Reiz, auch für mich, von „Ohne weitere Worte“ macht ja gerade die Ergänzungslosigkeit aus, der Leser soll selbst entscheiden, was er, im Sinne der ständigen Eingangsworte, für klug, richtig, dümmlich, seltsam oder informativ hält. Zum Beispiel kürzlich, als ich SZ-online zitierte, wo kritisiert wurde, dass Klopp nicht die Kämpfertypen Großkreutz und Kagawa eingewechselt hat. Mit weiteren Worten hätte ich ergänzt: Großkreutz konnte nicht eingewechselt werden, weil er gar nicht im Kader war, und Kagawa als Kämpfertyp, der die Ärmel aufkrempelt, das ist eine sehr exklusive SZ-online-Meinung.

Noch mal zu Hary: Im „Sport-Bild“-Bericht („Deutschlands Schnellster sammelt Geld für arme Talente“) über ihn stand nur Positives, die seltsamen Kapriolen in Harys späterem Leben wurden nicht erwähnt, obwohl bekannt und sehr interessant (WBI-Teilnehmer erinnern sich). Aber nicht das hat mich irritiert, sondern diese Passage: „Nun hat er ein Fotobuch über seine Karriere herausgebracht. Mindestens 25 Euro je Exemplar fließen an die Kinder.“ Die Irritation resultiert aus dem diekt daneben stehenden Info-Kästchen: „Literatur: ‚Läufer des Jahrhunderts‘ von Knut Teske (Die Werkstatt, Preis: 24,90 Euro).“ Schludrigkeit, wie (siehe oben) von mir? Oder sind es zwei verschiedene Bücher?

(Stich-)Wortsammlung:

Gemischtes Doppel / Tiefschnee, Schnieftee, Powershoppen, Showerpoppen / Shopping-Queen, Schoppen-King / Akkusativ: Standstreifen, Strandsteifen / Standstreifenertüchtigung, Lichtraumprofilverengung / Jubelstaude – das alles, albern natürlich, in ernsteren Zusammenhang bringen: Muttersprache, Fremdsprache, Footbridge-Dilemma; evtll. zu Schlager-Texten übergehend.

Das alles in einen Zusammenhang bringen und in wenigen Sätzen zwischen zwei Sternchen in der Kolumne unterbringen, das ist meine ständige Herausforderung. Diesmal kaum zu schaffen, nehme ich an. Zumal es mit Sport nichts zu tun hat. Aber während ich dies schreibe, kommt mir die Idee: Das wäre doch ein schönes Thema für die nächste „Nach-Lese“, wenn ich mein altes Kind mal wieder babysitten darf.

Veröffentlicht von gw am 20. Dezember 2014 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Samstag, 20. Dezember, 11.15 Uhr