Archiv für November 2014

Samstag, 15. November, 9.25 Uhr

Nee, ich korrigiere den „hochrangigen Journalisten“ nicht. Wollte es gerade tun, da sehe ich im soeben geschriebenen Textchen, dass ich beim zweiten Mal Authentizitität oder so geschrieben habe, was wie ein gewollter Gag klingt, aber keiner war. Also lasse ich alle Flops und Klopse unangetastet. Ich will ja ein authentizitäterischer Journarist bleiben.

Veröffentlicht von gw am 15. November 2014 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Samstag, 15. November, 9.25 Uhr

Samstag, 15. November, 9.00 Uhr

Huch! „Hochrangiger Journalist“? Was’n das? Muss ich gleich ausnahmsweise korrigieren, obwohl ich den Blog generell korrekturfrei halten will, der Authentizität wegen (wegen der ich Authentizitität auch schnell und unüberlegt schreibe, ohne noch mal drüber zu lesen).  Also, gestern im Blog, der „hochrangige Journalist“, den gibt es nicht, sondern nur einen „hochrangigen Juristen“, einen ehemaligen Kammervorsitzenden am höchsten hessischen Gericht (Danke, großer Bruder), der mich einmal über die Feinheiten der Gesetzgebung aufgeklärt hat. Der „hochrangige Journalist“ dagegen ist wohl ein Freudscher Verschreiber, obwohl ich ja kürzlich, wenn ich mich richtig erinnere, in Kolumne oder Blog geschrieben habe, dass es auch keine Freudsche Fehlleistung gibt, die sei eher eine der Fehlleistungen von Freud. Oder habe ich das nur in einem Interview gelesen, und es liegt noch im Zettelkasten?

Wenn es keine Freudsche Fehlleistung gibt, gibt es wohl auch keine mysteriösen Fehlleistungs- und Ungeschicklichkeits-Serien anderer Art? O doch! Erst geht der PC unwiederbringlich kaputt, dann muckt der Laptop auf, wird für teuer Geld zum Reparateur gebracht, muckt dennoch wieder auf  und auf, verliert teuer gekaufte Dinge wie Virenschutz und Textverarbeitungsprogramm, ebenfalls unwiederbringlich, dann gibt das i-Pad der allerliebsten Zielgruppe den Geist auf, auch unwiederbringlich, das war gestern früh, und seit gestern abend vermisse ich mein Smartphone, nach stundenlangem Suchen: wohl auch unwiederbringlich. Wenn ich nicht als ehemaliger Teilzeit-Zocker die ebenfalls teuer erkaufte Kasino-Erkenntnis gewonnen hätte, dass es kein Gesetz der Serie gibt, sondern nur das Gesetz „Bank gewinnt“, würde ich jetzt steif und fest behaupten, dass es doch ein Gesetz der Serie gibt. Irgendein Fußballer hat es mal so ausgedrückt; Haste Scheiße an de Finger, hast de Scheisse an de Finger.

Vielleicht rächt sich mein Smartphone auch nur – es spielt die Fieslings-Hauptrolle in meiner „Nach-Lese“-Kolumne für nächsten Samstag, deren Rohfassung ich gestern geschrieben habe. Überschrift: Mein Feind, das Smartphone.

Veröffentlicht von gw am 15. November 2014 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Samstag, 15. November, 9.00 Uhr

Freitag, 14. November, 11.55 Uhr

Bin ich zu alt für dieses Hobby, das mein Beruf war? Zu uninteressiert an aktuellen Aufgeregtheiten, die ich so oder so ähnlich schon zu oft miterlebt und mitkommentiert habe? Früher konnte ich nie verstehen, wenn Kollegen nicht von früh bis spät auf dem Sprung waren, sich nicht für alles interessierten, was mich interessierte, und die kreativ nur wurden in den Begründungen, warum man etwas NICHT machen sollte,  statt es mit Elan und Freude an der Sache einfach zu tun.

Nehmen wir nur mal den gerade geschriebenen „Sport-Stammtisch“: Nichts zur FIFA-Schote, nichts zum Anti-Doping-Gesetz, nichts Aktuelles zum Affenfelsenspiel. Früher hätte ich wenigstens den Anfang und/oder Schluss der Kolumne noch mit dem Wissenswertesten nach dem Länderspiel aktualisiert, gerade auch, weil Gibraltar ein Indiz für die recht absurde Verwässerung der EM-Gruppenphase ist. Diesmal sage ich mir: Was soll’s. Oder die FIFA: Heute sage ich mir: Soll ich wirklich zum x-ten Mal den Spruch variieren, dass Bestechung, zumindest bestechungsähnliche Beeinflussung, bei der Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein dürfte? Nö. Keine Lust. Und beim Thema Doping habe ich mir die bequeme Ausrede einfallen lassen (immerhin eine kreative!), mir ein Tattoo stechen lassen zu müssen, falls ich mich jemals wieder dazu hinreißen lasse, mich darüber auszulassen.

Halt. Stimmt nicht ganz, merke ich soeben. War keine echte Ausrede, sondern eigene Hilfestellung, um mich von dem von mir fast pathologisch manisch umkreisten Thema zu lösen.  Das aber ist gelungen, es umtreibt mich nicht mehr, es ödet mich an, ich bin „clean“ von der Sucht, jeden Doping-Pups zu kommentieren – aber gerade deswegen müsste ich bei wirklich wichtigen Anlässen meine grundsätzliche Meinung schreiben, zum Beispiel über den Populismus, ein Anti-Doping-Gesetz zu erlassen, weil die Volksmeinung, die gar nicht weiß, wie Doping definiert wird, ein Anti-Doping-Gesetz haben will, das aber, siehe Dopingdefinition, logisch und juristisch unhaltbar ist. Wie ich aber von einem hochrangigen Journalisten gelernt habe, können alle Gesetze erlassen werden, ob unlogisch, unjuristisch oder auch unmenschlich, wenn die Gesetzesvorlage den formalkorrekt-demokratischen Weg geht. Aber Schluss damit.

Ein bisschen habe ich mich dennoch wieder echauffiert. Vielleicht bin ich doch noch nicht zu alt.

Veröffentlicht von gw am 14. November 2014 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Freitag, 14. November, 11.55 Uhr

Sonntag, 9. Nov., 12.15 Uhr (Nachtrag)

Aus meiner Antwort zur Mail von Leser Matthias Treimer (siehe „Mailbox“):   Ich respektiere Ihre Meinung, gebe auch gerne zu, manchmal arg polemisch zu argumentieren. Ich möchte aber
betonen, dass ich die Zustände in der alten Bundesrepublik, vor
allem auch im Leistungssport, ebenfalls immer scharf kritisiert
habe, dass ich in Sachen Doping keinen moralischen und faktischen
Unterschied zwischen beiden deutschen Staaten mache und dass ich
mir, auch durch den Nach-Wende-Kontakt mit hochklassigen
DDR-Sportlern, doch, glaube ich,  ein Urteil erlauben kann,
jedenfalls im Sport. Was mich am meisten ärgerte, als selbst davon
betroffener Sportler, war ja gerade der irrwitzige kapitalistische
Versuch, dem realsozialistischen Sporterfolg systemgetreu
nachzueifern, quasi mit totalitärem Anspruch.

Recht haben Sie aber sicherlich, dass ich das Alltagsleben in der
DDR nicht beurteilen kann, ich habe da nur „Grenzerfahrungen“, aber
gruselige. Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit sollen ja, im
Nicht-SED-hörigen und nicht Macht ausübenden Teil der Bevölkerung,
häufiger und tiefer verbreitet gewesen zu sein als bei „uns“.

Veröffentlicht von gw am 9. November 2014 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Sonntag, 9. Nov., 12.15 Uhr (Nachtrag)

Sonntag, 9. November, 11.10 Uhr

Elf Uhr zehn. Beginnt in einer Minute der Karneval? Keine Ahnung. Geht aber bestimmt schon im November los. Wetten, dass?! Und wetten, dass es weder Gottschalk noch Kackikacki-Humor in die „Montagsthemen“ geschafft haben (ohne – da nur rhetorische Wette, weil in „gw-Beiträge Anstoß“ schon online überprüfbar –  Frage- und Ausrufezeichen, nur mit Punkt:). Der „Garaus“ hat mich über die Brüder Grimm weitschweifig abschweifen lassen (früher hätte ich „abgeschwiffen“ geschrieben, aber dieses ebenfalls sehr kleine Gagchen habe ich mir ja nach Dauergebrauch untersagt), und dann kam noch die erhellende Mail von Leser Streiber (siehe „Mailbox“) zum aufgewärmten und abgewandelten Ziegen-Problem vom „Sport-Stammtisch“ dazwischen, schon war die Kolumne randvoll.

Ob auch das Boot randvoll ist? Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, die australische Variante des Flüchtlingsproblems zu thematisieren: die rigorose Ankündigung, über youtube in vielen Sprachen auch an Fluchtwillige in deren Heimatländern gerichtet, alle aufgegriffenen Flüchtlinge gnadenlos aus Australien fernzuhalten, koste es, was es wolle, auch Menschen. Ich wollte ungefähr so argumentieren: Wenn es stimmt, wie australische Regierungsstellen behaupten, dass seit dieser Ankündigung niemand mehr auf See gestorben sei und dass der Staat 2,5 Milliarden eingespart habe, dann wäre das doch die verantwortungsethisch beste Lösung, mit der auch Gesinnungsethiker einverstanden sein müssten, wenn die eingesparten 2,5 Milliarden (Milliarden!) in vernünftige, wirksame humanitäre Projekte investiert würden, um die Lebensbedingungen der heute noch Fluchtwilligen in ihren Heimatländern zu verbessern, statt diese Länder durch den Verlust meist junger und tatkräftiger und vergleichweise nicht armer Menschen  (wer wagt sonst solch eine gefährliche Flucht bzw. kann sie sich leisten?) in Agonie ausbluten zu lassen. Ich habe es aber gelassen, nicht nur wegen des fehlenden Platzes, sondern weil ich für mich die Unterscheidung in Gesinnungs- und Verantwortungsethiker überdenken will, ebenso den Gutmensch-Schmäh. Es ist schließlich alles viel komplizierter, als ich es gerne plakativ runtergeplättet ausdrücke. Man sollte vielleicht nur unterscheiden zwischen Menschen, die ihre ihnen guttuende ethische Gesinnung vereinbaren können mit der, falls umgesetzt, auch sie schmerzenden Verantwortlichkeit für  Folgerungen und Kosten  in der Lebenswirklichkeit, und den beiden anderen gleichartig egozentrischen Gruppen, von denen eine ohne Rücksicht auf die Folgen auf ihre Gutgesinntheit pocht, während die andere inhuman gesinnungslos auf der reinen, kalten Vernuft beharrt. Aber selbst in einem solchen parataktischen Satzungetüm kann ich es nicht auf den Punkt bringen, da lasse ich es lieber. Ich würde sowieso, wider besseres Wissen, behauptet jedenfalls die Liebste aus der liebsten Zielgruppe, jedem Gebeutelten, der mich flehend anschaut, sofort Asyl gewähren und ihm mein letztes Hemd schenken.

Das aber stimmt nicht. Höchstens das drittletzte. Oder viertletzte.

Veröffentlicht von gw am 9. November 2014 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Sonntag, 9. November, 11.10 Uhr