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Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Ränge, Rangeleien und Rangnick

Ich zögere, Ihnen zu schreiben. Wichtigtuerei, Belehrung, immer wieder dasselbe. Zu oft. Aber: Sie provozieren, im guten Sinne, also: Sie regen an. Heute geht es um Rangeleien über Ränge – und wem fiele da nicht Herr Rangnick ein. Aber der Reihe nach. Und so kurz wie möglich. Ihr Auszahlungsoffizier ist eine gute Gelegenheit zur Anknüpfung an die Wertigkeit von Titeln und Rängen. Warum, um Himmels willen soll ein Journalist nicht ranging, gar hochrangig sein. Einverstanden, er ist kein Zahlungsoffizier, es fehlt ihm also am formellen Charakter des Titels. Aber, mit Verlaub, ein Chefredakteur einer überregionalen Zeitung, der Stellverstretende Chefredakteur einer mittelhessischen Provinzzeitung stehen im Rang – wenn sie ihre Sache so gut machen wie der Genannte und der Ungenannte – weit über jenem schrecklichen Juristen, der – wieder mit Verlaub – nur Unsinn erzählt hat, jedenfalls so wie Sie es berichtet haben. Sie haben sich schlicht mit diesen Rangeleien um Ränge verheddert. Unsinn? Was Sie da schildern passt besser auf die Regierungsbildung 1933 und das Zustandekommen des Ermächtigungsgesetzes als auf das Gesetzgebungsverfahren 2014. So wie Sie es schildern kann vielleicht ein Gesetzesvorhaben im Bundestag mit einer formal demokratisch zustande gekommenen Mehrheit abgestimmt werden; erlassen wird es nie. Denn: ein unmenschliches Gesetz ist verfassungswidrig, würde also sofort kassiert; ein »unjuristisches« Gesetz – weiß nicht, was das sein soll – würde vom Bundespräsidenten, selbst wenn er Gauck heißt, nicht unterschrieben und ein unlogisches Gesetz ist Alltag, also nichts Besonderes, weil Gesetze einer Minderheit häufig falsch oder inkonsequent vorkommen. Wenn Ihr Richter dergleichen also gesagt haben soll, rückt er im Rang ganz nach unten. Immer nach meiner bescheidenen Kenntnis der Rechtsgeschichte in Deutschland und der Verfahrensvorschriften beim Ausfertigen von Gesetzen. Natürlich kenne ich den Unterschied zwischen legal und legitim. Aber in der Bundesrepublik würde ein zwar legales, aber nicht legitimes Gesetz, anders als 1933, nicht zustande kommen können.

Ich kann leider nicht widerstehen und Ihre Rangeleien mit einem Hinweis auf den Herrn Rangnick zu versehen, an den Haaren herbeiziehend, weil das, was jetzt kommt, einmal niedergeschrieben werden wollte. Rangnick ist RB Leipzig. Und da fällt mir eben ein bei einem Blick auf die Tabellen der Ersten und Zweiten Ligen, dass im kommenden Jahr in der ersten Bundesliga Eintracht Frankfurt, der 1. FC Köln und Werder Bremen durch RB Leipzig, Heidenheim und Ingolstadt ersetzt werden könnten. Schaut man sich dann die Zusammensetzung an, finden wir eine zweite Liga der Traditionsmannschaften, neben den genannten dann noch Kaiserslautern, Düsseldorf, Bochum, 1860 München, Nürnberg, Fürth und als Aufsteiger vielleicht Duisburg, Dresden und Münster. Also: die erste Liga ist dann ein Club der Event- und Partyclubs, der Traum des FB, weil damit viel mehr Geld zu machen ist, die zweite Liga der Traum jener Menschen, für die Fußball eben mehr ist als Kindergeburtstag und Party mit Lachs Häppchen. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

Baumhausbeichte - Novelle