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Sport-Stammtisch (vom 15. November)

In dieser Woche kam ein Gesetzesentwurf zur Vorlage … nee, nee, nee, weder will ich die Leser vergraulen, noch mein Gelübde brechen. Sie wissen doch: Wenn ich zum zehntausendundersten Mal das leidig-langweilige Thema durchkauen würde, müsste ich mir ein Tattoo stechen lassen. Kein Wort also zum sogenannten Anti-Doping-Gesetz.
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Auch das Affenfelsenspiel bleibt außen beziehungsweise (siehe) oben vor, es wurde erst nach dem Abpfiff für diese Kolumne angepfiffen. Einer der Akteure bleibt für immer und ewig der einzige deutsche Weltmeister, der in der so genannten DDR geboren wurde. Wer? Klar, Toni Kroos. Geburtsdatum: 4. Januar 1990.
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Kroos reiste aus Spanien mit dem nach einer grandiosen Leistung frisch erworbenen Ruhm des »Panzers« an, ein Attribut, das nur ein Indiz für die noch größere Hilf- und Einfallslosigkeit der spanischen als der deutschen Sportpresse ist und in mehrfacher Form daneben liegt. Zunächst einmal ist es grammatisch gar kein Attribut, sondern ein Substantiv, dem man zur näheren Bestimmung ein Attribut zuordnen kann (lat. attribuo = ich teile zu). In der Kunst ist das Attribut eine charakteristische Zugabe zum eigentlichen Sujet, aber auch das trifft es bei Kroos nicht, denn als Fußballer ist er ungefähr der unpanzerischste Panzer, den man sich vorstellen kann. Mit »unpanzerisch« dürfte das Attribut dem Substantiv nun grammatisch, fußballerisch und künstlerisch korrekt zugeteilt sein.
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Noch ne Frage: Warum heißt der Panzer auch »Tank«? Weil die Alliierten im Ersten Weltkrieg den Panzer unter dem Tarnnamen »tank« (wie Benzin-Tank) entwickelten und dies später beibehielten. Wir benutzen es auch im Fußball noch, wenn sich einer »durchtankt«.
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Zurück zur »so genannten DDR«. Später Spaß von mir, war früher aber heiliger bundesdeutscher Ernst, genau wie die »Ostzone« oder »SBZ«. Zum »Nach-Druck«von letzter Woche (»Unrechtsstaat«) schreibt unser Leser Matthias Treimer aus der Wetterau: »Gern lese ich Ihren Anstoß, kenne Ihre Autobiografie und teile Ihre Meinung zu ca. 90%. Aber DDR?« – Es folgen weitere 21 Fragezeichen. – »Sie, mit Verlaub gesagt, können nicht real über das DDR-System urteilen. Man sollte denen das überlassen, die dort auch gelebt haben.« Stimmt. Einverstanden. Ich hatte buchstäblich nur Grenzerfahrungen. Die aber waren gruselig.
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Die vollständige Mail von Matthias Treimer und Anmerkungen von mir sind in der »Mailbox« und im Blog von »Sport, Gott & die Welt«« nachzulesen. Dort ist auch der Brief von Dr. Matthias Leinweber (Wettenberg) »zum berühmt-berüchtigten Ziegen-Problem in der Ausgabe Ihres immer wieder anregenden Sport-Stammtischs vom 8. November« zu finden. Es geht, so unser Leser, um die »so genannte bedingte Wahrscheinlichkeit«. Für Dr. Leinwebers mathematischen Beweis verweise ich auf die »Mailbox«. Zweifelnde Nicht-Mathematiker sollten sich aber mit diesem Beispiel überzeugen lassen: »Stellen Sie sich vor, dass Sie das Spiel nicht nur mit drei, sondern mit hundert Türen spielen. Nur hinter einer von ihnen steckt der Preis, hinter den anderen 99 die Ziegen. Sie wählen nun eine der Türen aus, zum Beispiel Tür Nr. 47. Anschließend öffnet der Quizmaster alle übrigen Türen bis auf z. B. die Tür Nr. 82. Nun bietet er Ihnen an, zu dieser Tür zu wechseln. Was glauben Sie, ist wahrscheinlicher: Dass sich hinter der von Ihnen rein zufällig ausgewählten Tür Nr. 47 der Preis verbirgt, oder hinter Tür Nr. 82?« – Vielleicht aber sollte man nicht mich, sondern Holger Geschwindner fragen. Der ist von Haus aus Mathematiker und hat einmal gesagt: »Mathe ist einfach ein saugutes Werkzeug«.
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Ist das nicht auch ein sauguter Übergang zum Basketball und zum einzigartigen Dirk Nowitzki, der in dieser Woche wieder einen NBA-Rekord gebrochen hat? Der frühere Gießener Geschwindner ist Nowitzkis Mentor, das weiß mittlerweile die ganze Welt. Wer aber war Geschwindners Mentor? Nowitzki verriet es vor ein paar Monaten in einem SZ-Interview: »Einmal hat er sogar seinen Mentor, den früheren Basketballer und Jazzmusiker Ernie Butler, ins Training eingeladen, der Saxofon gespielt hat, während ich Körbe geworfen hatte. Holger findet, Basketball hat was mit Jazz zu tun, der Rhythmus und so.« – Ernie Butler also, eine, vielleicht DIE Gießener Basketball-Legende. An ihn kann sich aber nur noch erinnern, wer das Glück hat, ihn noch als Basketballer erlebt zu haben … und das Glück hat, sich erinnern zu können.
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Wer immer noch an der besseren Option zweifelt, dem bleibt nur die Probe auf das Exempel: Tausend Mal das Ziegen-Problem mit und ohne Wechsel nachstellen. Das schließt den Zufall aus und muss jeden überzeugen. So oder so. Ich fang dann schon mal an. Mir fehlt nur noch ein alter Jatzer, der mir den Rhythmus bläst. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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