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Ohne weitere Worte (vom 12. November)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Inter-essantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Das ist eine Kolumne über den Niedergang von Oliver Pocher. (Beginn der Kolumne von Harald Martenstein im Zeit-Magazin)
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Die Lage bleibt irrwitzig genug: Die Dortmunder sind jetzt, ohne selbst ein Tor zu schießen, der mit Abstand beste Tabellen-Fünfzehnte der Welt. (Süddeutsche Zeitung nach dem 1:0-Eigentorsieg)
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Toni Kroos ist der erste und einzige deutsche Weltmeister, der in der DDR geboren wurde. Und außer ihm wird es auch keinen anderen mehr geben. (…) Als seine Mutter merkt, dass sie schwanger ist, steht die Mauer noch, als Toni geboren wird, ist sie schon Geschichte. Und als Toni laufen lernt, ist auch die DDR weg. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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Schießt man den Ball zum Tore hin / Und denkt: »Ich glaub, ich spinne! / Was steht denn da für’n Monster drin?« / Dann steht DAS NEUER drinne. // Die Bälle frisst es einfach auf. / So wurd’ es Welttorhüter. / Sind andre Hüter auch gut drauf. / DAS Neuer hütet güter! (aus einem Gedicht auf der Humor-Seite des Stern)
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»Die Premier League hat sich schon lange für potenzielle Käufer geöffnet, aber sie haben drei Dinge von vornherein für unantastbar erklärt: den Namen, die Farben und das Wappen des Vereins. (…) Ich finde, das könnte auch ein Modell für Deutschland sein.« (Ralf Rangnick, Doppel-Sportdirektor bei Red Bull, im SZ-Interview)
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… einem silbernen Geschoss mit leistungsgesteigertem V8-Biturbomotor. (…) Als Nationalspieler bekommt Shkodran Mustafi bei Mercedes einen Rabatt (…). Nächsten Monat erhält er das neue Modell – in Orange, nicht lackiert, sondern foliert, man nennt das Car Wrap. (Spiegel)
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Einmal im Jahr (…) besucht der Migrantensohn (…) für eine Woche die Verwandten in Gostivar. Es helfe, auf dem Boden zu bleiben, meint der Weltmeister. »Es gibt dort Menschen, die leben von 200 bis 300 Euro im Monat, man selbst tankt manchmal für 200 Euro sein Auto.« (Spiegel)
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Wie schwer war es für sie, jeden Tag mit diesen schwierigen Vätern, die sich nicht riechen konnten, umzugehen? – »Kilsch hatte früher mal in einem Interview mit dem Spiegel gesagt, dass Graf beim Kartenspielen bescheißt. Der war danach total sauer und sagte, die Steffi spielt nie wieder mit der Claudia« (Ex-Fed-Cup-Trainer Klaus Hofsäß im taz-Interview)
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Wenn man über jemanden schreibt, hat man Macht, und es ist immer eine große Versuchung da, diese Macht zu missbrauchen. Man sollte sich, wenn schon, dann mit den Starken anlegen, mit denen, die sich wehren können und den Ton angeben, man sollte im Grunde jede Woche, mit jedem Text, mit vollen Segeln in den Shitstorm hineinsteuern. (Martenstein/Zeit)
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Man muss sich ernsthaft fragen, ob es auch verhältnismäßig erscheint, einen Zweitligisten wie Darmstadt 98 mit 4000 Euro zu belegen, nur, weil einige Fans (…) ein paar zweilagige Toilettenrollen aufs Feld warfen (…) aus Protest gegen den ungeliebten Ligakonkurrenten RB Leipzig und dessen Geldgeber Red Bull. Die Schwere des Delikts hält sich in Grenzen, zumal das absolut saubere Klopapier ja durchaus noch im Kabinenbereich nutzbar gewesen wäre. (Frankfurter Rundschau)
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»Wir holen aus Überzeugung Spieler, die bei uns ihren ersten oder zweiten Profivertrag unterschreiben und nicht ihren letzten.« (Rangnick in der SZ über RB Leipzig)
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Der Saarbrücker Spieler Stefan Reisinger war auf dem stillen Örtchen, als es sich in der Kabine neben ihm auch einer gemütlich machte. Reisinger zückte sein Handy und knipste unter der Trennwand hindurch ein Foto vom freisitzenden Nebenmann. Was man halt so macht, wenn es mal wieder langweilig auf der Kloschüssel wird (…) Blöderweise war nun sein Trainer auf dem Foto (…), es kam jedenfalls zur Kündigung. (Welt)
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»Unter Fußballspielern und Bauarbeitern  macht man das schon mal so.« (aus der Urteilsbegründung der Richterin, die Reisingers Kündigung für unwirksam erklärte)
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Aber es ist natürlich deutlich bequemer, eine Kolumne über den Niedergang von Oliver Pocher zu schreiben als, sagen wir, über die Genderforschung. Und deswegen, aus Mattigkeit, habe ich das heute einfach mal gemacht. (Martenstein/Zeit) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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