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Ohne weitere Worte (vom 4. November)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.

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Am vergangenen Sonntag demonstrierte eine Masse aus Tätowierten, Kahlköpfigen, Aufgepumpten, Bomberjacken und Unscheinbaren in Köln. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

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»Die Mandanten, die ich vertrete – darunter sind auch einige Hooligans -, haben mit Politik nichts zu tun. Die führen ein völlig normales, bürgerliches Leben, gehen morgens zur Arbeit und abends zu ihrer Frau und den Kindern. Die prügeln sich eben am Wochenende, weil sie den Kick brauchen. So wie andere Bungee springen oder Motorrennen fahren.« (Rene Lau, Rechtsanwalt und Fanvertreter, im Welt-Interview)

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Eine bleierne Schwere liegt über dem Klub; viele spüren, dass es in die falsche Richtung läuft. Sportlich hakt es gewaltig, da ist kein System erkennbar, keine Struktur, fußballerisch ist das Team limitiert. (…) Man kann den Abgrund förmlich sehen, auf den die Eintracht zurast. War die Stimmung vor dem letzten Abstieg nicht ähnlich? (Frankfurter Rundschau)

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Die alte Überzeugung von der Großartigkeit des Dortmunder Vollgasfußballs wird (…) nicht wieder im alten Glanz erstrahlen. Dazu ist viel zu viel passiert (…), während der BVB-Fußball von möglicherweise zu vielen Gegnern entschlüsselt wurde. (taz)

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Der Trainer Klopp (…) ist im Laufe der Krise immerhin kleinlauter geworden. Das schadet ihm nicht. Die Demut, die er zuletzt (…) zu erkennen gab, erweitert das Bild des selbstgewissen Mannes, das im Laufe der sechs Jahre in Dortmund auch selbstgefällige Züge angenommen hatte. (Süddeutsche Zeitung)

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Die Internetseite Bundesliga.de über den Fußballer Xabi Alonso: »Zudem kommen überragende 90 Prozent seiner Pässe beim Gegner an – Ligahöchstwert.« (aus dem Spiegel-»Hohlspiegel«)

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Und was die Motive des FC Bayern betrifft: Der Klub beschäftigt sich mit einem Nationalspieler von internationaler Klasse, der zum Preis eines Benatia, eines halben Özil, eines Viertel Bale auf den Markt kommt. Es wäre fahrlässig, sich nicht damit zu beschäftigen. (SZ)

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»Was ich mit Sicherheit sehr vermissen werde, wenn ich einmal nach Japan zurückkehre, ist, dass es hier in Deutschland sehr viel ruhiger zugeht. Viele Deutsche können sich gar nicht vorstellen, wie schnell die Uhr in Japan tickt.«  – Sie empfinden Deutschland als ruhiges, langsames Land? – “Ja, absolut. In Japan wäre es undenkbar, dass man tagsüber in einem Park ein Bierchen trinkt oder dass ältere Menschen in aller Ruhe spazieren gehen. Allein das zu sehen, entspannt mich.« (Shinji Okazaki vom FSV Mainz 05 im FAS-Interview)

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Im ganzen Land flackerten Kerzen in ausgehöhlten Kürbissen – es war Halloween. (…) Ursprünglich geht er auf Martin Luther zurück, der, als Zombie verkleidet, Jesus an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg genagelt haben soll. Anderen Überlieferungen zufolge waren es 95 Kürbisse. (…) Der ausgehöhlte Kürbis soll uns daran erinnern, dass wir nicht hirnlos irgendwelche Bräuche, wie den Reformationstag, aus den USA übernehmen. (»Zippert zappt« in der Welt)

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Eltern sind Heilige. Sie tun Gutes, ohne dass sie dafür etwas zurückbekommen. Nein, stimmt nicht. Der Heilige, der Gutes tut, ist davon überzeugt, dass er zur Belohnung in den Himmel kommt und zur Rechten des Herrn sitzt. Eltern kommen zur Belohnung ins Altenheim und sitzen zur Rechten von Uschi Schmitz, 96, die ihnen jeden Tag, tausend Mal, erzählt, was sie bei den Sexpartys des Pariser Mai 1968 erlebt hat. (Harald Martenstein in seiner Kolumne im Zeit-Magazin)

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Ohne Fans wären Promis auch nur Leute. (»Stromberg«-Autor Ralf Husmann in seiner KulturSpiegel-Kolumne) (gw)

* (www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle