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E.-L- R.: “cetero” nur ein “Klöpschen”

Ihr Klops, wie Sie es selbst formulieren, ist eigentlich nur ein “Klöpschen”; denn “cetero” findet sich selbst in der klassischen lateinischen Literatur gelegentlich als verkürztes “de cetero” in derselben Bedeutung wie “ceterum”. Cato hätte es nur nicht so sagen können, weil dann mit dem langen “o” in “cetero” der erste Versfuß nicht der Metrik des Hexameters entsprochen hätte.

Nach Plutarch (gebürtiger Grieche, Philosoph und Historiker von 46 – 120 n. Chr.), der griechisch schrieb und demgemäß Catos Worte “nur” auf Griechisch überliefert hat, hat Cato maior sie als regelmäßigen stereotypen Zusatzantrag im Senat  seinem jeweiligen Beschlussantrag zu einer aktuellen Sache hinzugefügt. Man kann durchaus unterstellen, dass das Verb censere im Sinne Catos hier als beantragen zu verstehen ist. Die lateinische Version  des Catonischen Antrags ist in der Antike nicht belegt. Den einzigen wirklichen Beleg, dass Cato diesen Appell wiederholt an den Senat gerichtet hat, findet man bei Cicero, >Cato maior de senectute< Kap. 6, 18, aber diese Textstelle sagt nichts aus über das “Wie”. Meine Übersetzung … “Aber ich mache dem Senat immer wieder klar, welche Kriege es zu führen gilt und auf welche Weise, indem ich gegen Karthago, das schon lange auf unser Verderben aus ist, längst den Krieg fordere. Ich werde nicht aufhören, es zu fürchten, bis ich weiß, dass es vernichtet ist.”

Es erscheint mir höchst unwahrscheinlich, dass Cato diese Forderung  nicht in seiner Muttersprache vorgetragen hat; denn er war die Lichtgestalt des alten Römertums, der immer wieder für die nationale Sache in der Literatur und im Leben eintrat. Im Gegensatz zu vielen griechisch schreibenden Schriftstellern seiner Zeit verfasste er (Marcus Porcius Cato von 234 – 149 v. Chr.) alle seine Werke in lateinischer Sprache.

Letztendlich ist sein Appell erfüllt worden, denn in seinem Todesjahr  kam es zum 3. Punischen Krieg, der im Jahr 146 v. Chr. mit der vollständigen und endgültigen Vernichtung Karthagos endete. In diesem Kontext sollte man Bert Brecht erwähnen, der Karthagos Schicksal auf den Punkt gebracht hat und dessen Worte  zu unserer aus den Fugen geratenen Welt passen: “Das große Karthago führte drei Kriege: Nach dem ersten war es noch mächtig, nach dem zweiten war es noch bewohnbar, nach dem dritten war es nicht mehr auffindbar.”

Der Wahnsinn des Krieges wird für die Menschheit nie enden, weil das “Kampfgen” stärker ist  als jeder Firnis der Kultur und Zivilisation. Ein leichtes Kratzen an der Schutzschicht genügt auch heute noch, und der Barbar wird freigelegt. Ich bin 78 Jahre alt, und diese Überzeugung werde ich mit ins Grab nehmen. (E.-L  R./Gießen-Wieseck)

p.s. Falls Sie in meinem Brief etwas Zitierenswertes finden sollten, können Sie es gerne verwenden, aber bitte nicht unter meinem vollen Namen. Ich möchte mir in meinem Alter nicht mehr den Ruf eines Grammatik- oder Bildungsfreaks oder gar eines Publicity-Süchtigen einhandeln.

 

 

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