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Ohne weitere Worte (vom 21. Oktober)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Inter-essantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Bisweilen hat man das Gefühl, die Menschheit sei am Ende ihrer Möglichkeiten. Der Globus ausgelaugt, die besten Fußballer von Syndesmosebandzerrungen und Schambeinreizungen zermürbt, fast alle Marinehubschrauber flugunfähig am Boden. Die Wirtschaft wächst nicht mehr. Italien ist nicht zu retten, Frankreich kannst du vergessen. Ebola und IS ante portas. Die Lokomotivführer unverschämt. Das Russlandproblem. Dieses Ukraineding. Und fast alle Brücken stehen vor dem Einsturz. Hörsäle platzen aus den Nähten, Flüchtlingsunterkünfte auch. Nur der FC Bayern steht wieder an der Bundesliga-Spitze. (»Das Beste aus aller Welt« von Axel Hacke im SZ-Magazin)
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Früher eröffneten die Bundesliga-Profis nach ihrer Fußballer-Laufbahn Lottoannahmestellen, verkauften Versicherungen oder wurden Sportartikelrepräsentanten. Mit den Jahren sind die Berufswege deutlich verzweigter geworden. Hier eine kleine Auslese: Norbert Eder (Bayern München) Blumenverkäufer; Thomas Berthold (VfB Stuttgart) Werbebotschafter für Kokosprodukte; Norbert Siegmann (Werder Bremen) bekennender Buddhist, Meditations-Seminarleiter und Mitglied einer Zen-Gruppe in Bremen; (…) Fabian Ernst (Schalke 04) eigener Gebrauchtwarenhandel in Hannover; (…) Johan Micoud (Werder Bremen) Winzer; Knut Reinhardt (Borussia Dortmund) Grundschullehrer für Mathe und Sport, Roland Wohlfarth (Bayern München) Bauleiter einer Firma, die Estrichböden verlegt. (Begleit-Info in der taz zu einem Artikel über Holger Stanislawski, der einen Hamburger Supermarkt leitet)
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»Ich hatte ja ein Malergeschäft und die Hoffnung, dass Dirk da mal mit einsteigt. Einmal, da war er 16, wurde die Firma erweitert, und vor dem Start wollte ich ihm die neuen Räume zeigen. Da schlich er durch die Zimmer und meinte nur. ›Mhmm, hier riecht’s ja nach Arbeit. Da gehe ich lieber in die NBA‹« (Jörg-Werner Nowitzki in der Süddeutschen Zeitung)
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Mario Götze wohnte in seinem Kinderzimmer, bis Bayern München ihn rauskaufte. (SZ)
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Die große Versöhnungstour der deutschen Elf geht weiter. La Mannschaft kennt in den nächsten Monaten nur ein Ziel: Völkerverständigung. Man ist sich bewusst, dass man viele Nationen mit dem Gewinn des Weltmeistertitels vor den Kopf gestoßen hat. (…) Folgerichtig erlaubte man Argentinien im September, mit 4:2 gegen Deutschland zu gewinnen. (…) Doch die Mannschaft will nicht nur sportliche, sondern auch politische und wirtschaftliche Verantwortung übernehmen. Das zeigt das 0:2 gegen Polen in großer Eindringlichkeit. Es war nicht einfach, ständig die Latte oder den Pfosten zu treffen oder knapp am Tor vorbeizuschießen. (»Zippert zappt« in der Welt)
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»Man könnte sagen, dass die Nationalelf  mit sechs Angriffsspielern und deutlicher Überlegenheit so verliert, als hätte sich die Dortmunder Spielidee auch dort durchgesetzt.« (aus der taz-Serie »Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?«)
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»Die Beinarbeit könnte sich verbessern. Aber er hat wirklich Ballgefühl, er hat früher ja mal Fußball gespielt. Er trifft die Bälle gut und es macht ihm riesig Spaß. Er ist ein Beißer, ein Fighter. Also durchaus talentiert.« (Tennis-Bundestrainerin Barbara Rittner im SZ-Interview über die Tenniskünste eines Freundes namens Sigmar Gabriel)
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In der größten Frauenklinik der DDR (…) wurden Neugeborene, die weniger als 1000 Gramm Gewicht hatten, grundsätzlich zum Sterben beiseitegelegt oder in einem Eimer mit kaltem Wasser ersäuft. Eine Hebamme berichtete, dass sie an einem strampelnden und schreienden Kind ein Pappschild mit der Aufschrift »Totgeburt« befestigen musste, ihrer Ansicht nach habe das Kind durchaus eine Chance gehabt. Auf diese Weise, durch systematischen Mord, frisierte die DDR ihre Statistik. Bei der Säuglingssterblichkeit stand sie gut da, weil Totgeburten in diese Statistik nicht eingehen. (Harald Martenstein in seiner Tagesspiegel-Kolumne zur Forderung der Linken, die DDR nicht »Unrechtsstaat« zu nennen)
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»Auch der antideutsche Deutsche ist ein Blödmann« (Hans Magnus Enzensberger im Spiegel-Interview)
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In jedem Nacken muss ein Sammer sitzen. (Hacke/SZ-Magazin) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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