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Montagsthemen (vom 20. Oktober)

Der Antwort kein bisschen näher gekommen. Im Gegenteil. Die Frage, am Samstag im »Sport-Stammtisch« gestellt: Warum wählt Dortmund in der Bundesliga immer wieder die gleiche Taktik wie Foreman in Kinshasa gegen den damals scheinbar hoffnungslos unterlegenen Ali? Arbeitet sich an einer Doppeldeckung müde und mürbe, um schließlich in einen unvermeidlichen Konter zu laufen und am Ende nicht einmal unverdient zu verlieren?
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Man könnte jetzt expertenhuberisch die These aufstellen, dass es nie und nimmer funktionieren kann, gleich drei langzeitverletzte Rekonvaleszenten in die Startelf zu stecken, aber solche Hinterherbesserwisserei ist nicht mein Ding. Ich belasse es bei der Frage, warum die fußballmathematisch unsinnige Gleichung immer wieder aufgeht, die da diesmal lautete: Köln = Kinshasa.
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Ganz oben geht die Gleichung immer wieder und in jeder Beziehung auf: Bayern München = Bayern München. Majestätisch zieht der FCB seine einsamen Kreise, spielt in einer anderen Liga als die Rest-Bundesliga, obwohl auch bei den Bayern längst noch nicht alles klappt, längst nicht alle fit sind und längst noch nicht alle Rädchen harmonisch in einander greifen. Wie von welchem anderen Stern spielen sie erst, wenn individuell und als Team in Bestform? Die Antwort ahnt man, nur eine Frage bleibt offen: Was hat eigentlich Sammer damit zu tun? Manche raunen: alles. Ich vermute: nichts.
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Irritierendste Meldung des Wochenendes: »Vogts liebäugelt mit der Bundesliga.« Mit großem Respekt vor seinem fachlichen Können und als einstiger naher Beobachter des damaligen Bundestrainers (ich durfte ihn für eine Vogts-Serie im Vorfeld einer katastrophal endenden WM begleiten) würde ich ihm raten, im nicht deutschsprachigen Ausland zu bleiben oder in Rente zu gehen. Ich fühlte damals in der Nähe zu Vogts fast körperlich dessen galoppierende Unglückswurmigkeit und ließ die Serie schnell sausen, da ich das fatale Ende ahnte. Das käme auch in der Bundesliga.
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Fatales Ende auch für die Galopprennbahn in Niederrad. Der DFB hat gewonnen, die Stadt Frankfurt verkauft ihm das riesige Areal fast mitten im hochpreisigen Zentrum für schlappe 50 Euro pro Quadratmeter, was an eine weitere Gleichung denken lässt: Verhält sich die Stadt Frankfurt zum DFB wie die Stadt Madrid zu Real? Vor gut einem Jahr wurde bekannt (und in dieser Kolumne dargelegt), dass der Madrider Stadtbebauungsplan beinhalte, das Bernabeu-Stadion umzubauen, inklusive diverser Grundstücks-Deals mit dem Klub, der in bester Stadtlage ein Luxushotel und ein Einkaufszentrum bauen dürfe. Mit dem geldwerten Vorteil für Real wären mehrere Bales zu finanzieren, der Nachteil bliebe bei der Stadt. Für mich würde die Gleichung nur aufgehen, wenn der geldwerte Vorteil in Frankfurt nicht dem DFB, sondern der Eintracht zugute käme und sie mehrere Bales finanzieren könnte, den echten Bale gleich mit.
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Anderes Thema. Robert Harting bekam Besuch von den Fahndern nach unerlaubten Substanzen (das D.-Wort bleibt für mich tabu). An seinem Geburtstag. Was an sich in Ordnung ist. Auch dass sie frühmorgens um kurz nach sechs kamen, ist aus gegebenen fachlichen Gründen berechtigt. Aber dass sich Harting einen Kreuzbandriss zugezogen hat und auf seine OP wartet, also selbst als gerissenster, infamster Betrüger momentan sauber wäre und die IAAF-Spürhunde das wussten, das lässt, in Zusammenhang mit Hartings Forderung, wegen der Mitnominierung eines überführten, mittlerweile aber wieder startberechtigten Sprinters auf die Wahl zum »Leichtathleten des Jahres« zu verzichten, nur die Vermutung zu, dass die IAAF den Aufmüpfigen schikanieren und abstrafen will.
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Wer seine Leser mit derartigen Bandwurmsätzen schikaniert, gehört ebenfalls abgestraft, das aber zu Recht. Weil gerade kein Leser zur Hand ist, übernehme ich das mal selbst, als Masochist gönnt man sich ja sonst nichts. Leserin B., die ungenannt bleiben möchte, bescheinigt mir netterweise, mich » nachlesbar für eine gute Sprache im gedruckten Journalismus« einzusetzen, deshalb gefallen ihr meine Kolumnen, »auch wenn Fußball nicht zu meinen Interessen gehört«. Damit gehört sie wiederum zu meinen liebsten Lesern, denn das Wunschziel  dieser Sportkolumne ist es ja eben, auch von Sportuninteressierten gelesen werden zu wollen. Aber das nur am Rande. Leserin L. bittet nun, mich dafür einzusetzen, dass in dieser Zeitung keine Worte mehr verwendet werden, »die selbst Lesern  mit guter Allgemeinbildung  unbekannt sind«.
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Ceterum censeo: Leider sollte ich mich dafür zunächst einmal bei mir selbst einsetzen, nach dem Klops in der Samstag-Kolumne, ein bildungsbeflissenes Wort nicht nur zu schreiben, sondern sogar falsch (»cetero censeo«) zu schreiben. Aua, das tut doch weh!

Baumhausbeichte - Novelle