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Walther Roeber: Zikade und Leguan

Die Viecher können in größerer Anzahl und bei Nacht durchaus lästig sein, insofern verstehe ich den alten Griechen. Aber andere Länder, andere Sitten und Gebräuche: Vor Jahrzehnten in Südamerika beim Spaziergang durch ein nobles Viertel – eingezäunte Villen, gepflegte Gärten mit Hauspersonal, aber auch Stacheldraht und serienweise Schlösser. Beim Bewundern dieser Ansichten fiel mir auf der Treppe eines Hauses ein ca. 1m langer kräftiger Leguan auf, der sich dort sonnte. Ich blieb kurz stehen, um das smaragdgrüne Tier zu betrachten; ein Fehler, wie sich Sekunden später herausstellte, denn offenbar hatte das schon jemand im Haus bemerkt, denn die Tür ging auf und ein junges Hausmädchen mit weißer Schürze, aber mit einem Arbeitshandschuh bewaffnet, trat heraus, griff den Leguan am Schwanz und knallte ihn mit dem Kopf gegen die nächstgelegene Hauswand… Fröhlich winkend, verschwand sie dann wieder: Die nächste Mahlzeit war wohl gesichert. (Walther Roeber/Bad Nauheim)

Baumhausbeichte - Novelle