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Rück-Blog (vom 9. Oktober)

Im Internet begleitet und ergänzt der Blog »Sport, Gott & die Welt« die »Anstoß«-Kolumnen von »gw«. In etwa vierteljährlichen Abständen veröffentlichen wir im »Rück-Blog« kurze Auszüge, der spontan geschriebenen und hier nur unwesentlich überarbeiteten Texte. Wer mehr davon mag – bitte reinklicken.

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17. August: Die Anfänge meines Blogs liegen so weit zurück, dass ich mich kaum noch daran erinnern kann. Sie liegen aber jedenfalls vor der Zeit, als Blogger begannen, Blogs zu schreiben. Eine Zeit, in der Zeitungsleser, die sich als Urlauber, beruflich oder als Auswanderer zeitweise oder ständig außerhalb unseres Verbreitungsgebietes aufhielten, von ihrer Heimatzeitung und daher auch von meinen »Anstoß«-Kolumnen abgeschnitten waren. Für sie stellte ich daher alle Kolumnen, die ich schrieb, gleichzeitig ins Internet. Für eine sehr überschaubare Zahl von Lesern also. Diese waren aber sehr dankbar für den Service, und auch für mich war es sehr beeindruckend, wenn ich erfuhr, dass ehemalige Zeitungsleser, die jetzt z. B. in Südamerika oder Asien lebten, durch den »Anstoß« heimatlich verbunden blieben und sich dafür herzlich bedankten. Daraus entwickelten sich ein »Anstoß«-Archiv, eine Leserbrief-Ecke (»Mailbox«), eine Extra-Rubrik für meinen Freund Henni Nachtsheim (bzw. für seine Fans, die naturgemäß weit verstreut und nicht nur im Hessenland leben und in der Mehrzahl nicht zu unseren Abo-Lesern gehör/t/en) und schließlich meine Begleitartikel, die ich noch nicht »Blog« nannte, weil ich gar nicht wusste, dass es so etwas gibt (gab es ja auch noch nicht, so weit ich weiß).

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7. September: Jetzt würde ich gerne vom Rotwelsch auf das Manische kommen, mit dem ich aufgewachsen bin, außerdem auf Odo Marquard, den Philosophen, den ich in seiner Anfangszeit in Gießen im Seminar erlebt und viel später als schon älteren Herrn im Rahmen einer Porträtserie (»Die andere Seite von …«) vorgestellt habe, einen wunderbaren, liebenswürdigen Mann, der mir damals das schöne Bonmot geliefert hat, »wer Kohl unterschätzt, wird überschätzt«, doch ich merke, dass ich selbst für Blogverhältnisse zu sehr abschweife.

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14. September: Tot ist nicht nur Blacky Fuchsberger, sondern auch Ruth Kappelsberger. Der Name sagt nur noch Älteren etwas. Eine der ersten Ansagerinnen im Fernsehen, als es das »Erste« noch gar nicht gab, weil es auch kein »Zweites« gab, sondern nur »das Fernsehen«. Ruth Kappelsberger war verheiratet mit dem ebenfalls in diesem Jahr gestorbenen Fred Bertelmann. Den habe ich in kindlicher Erinnerung als »lachender Vagabund«. Sehr beeindruckt von dem langgezogenen Lachen. Wie man als Kind von fast allem sehr beeindruckt ist.

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28. September: Das Wichtigste aus den dpa-Meldungen der Nacht: Es ist vollbracht: Hollywoodstar George Clooney (53) und die britisch-libanesische Juristin Amal Alamuddin (36) haben am Samstag in Venedig geheiratet. Um einen völlig hilflosen Dackel aus einem Erdloch zu befreien, hat die Feuerwehr in Düsseldorf ein Gartenhaus mit einem Luftkissen angehoben. Peschmerga-Kämpfer trainieren in Bayern für den Kampf gegen die Terrormiliz IS. – Damit ist alles abgedeckt, was die Menschheit bewegt. Daher habe ich auch auf Absätze oder Gedankenstriche zwischen den drei Meldungen verzichtet. Man kann ja auch eine einzige daraus machen: Peschmergas kämpfen in Bayern auf dem Oktoberfest gegen IS-Terroristen um die Bierherrschaft, angetrunken verbrüdern und lieben sie sich (dürfen Brüderchen und Schwesterchen ja jetzt, dann also auch Brüderchen und Brüderchen), heiraten in Venedig in einem Gartenhäuschen mit einem Dackel als Trauzeugen, und wenn sie alle bier- und liebesseelig hilflos sind, kommt unsere gute alte Feuerwehr, hebt das Hochzeitshäuschen mit einem Luftkissen an und lässt es auf Nimmerwiedersehen entschweben.

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5. Oktober (6.30 Uhr): Heute nicht der erste Frühaufsteher. Kurz nach fünf Motor(rad)geräusche, Vorausabteilung des Dünsberg-Mountainbikemarathons, offenbar Streckeninspizierung und -absperrung. Die Strecke führt direkt an Haus und Garten vorbei. Nachher gibt es Konfliktpotenzial, wenn die Radler kommen, kann man nicht mehr aus dem Haus, sie stürzen sich von der Burg herunter, brettern mit einem Affenzahn vorbei, in Griffweite, und wenn man mit den Hunden raus will, gibt es einen Crash. Dieser Gefahr will man keinen … unserer beiden Hunde aussetzen.

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5. Oktober (10 Uhr): Jetzt rauschen sie an meinem Fenster vorbei, während ich tippe. Erst im Höllentempo, mittlerweile eher in meinem. Scheint also bald der Besenwagen zu kommen. Den es aber bei den Mountainbikern nicht gibt. – Noch mal rausgeguckt: Es tröpfelt nur noch Radler, mittlerweile in meinem Alter. Auch Frauen und Kinder. Wir sind ja auch nicht auf der Titanic (»Frauen und Kinder zuerst!«)  (gw) * (www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle