Archiv für Oktober 2014

Sonntag, 27. Oktober, 10.10 Uhr

Erst kurz nach zehn, und schon alles erledigt. Dank Zeitumstellung. Viel Zeit also, um noch Korrekturen fürs Blatt zu machen. Zuletzt hatte schon Walther Roeber auf das „cetero censeo“ aufmerksam gemacht, aber wegen der Mailprobleme konnte ich die Korrektur erst lesen, als das „Klöpschen“ (E.-L. Reuter) schon im Blatt stand.

Dass ich mit der Zeit falsch lag, hätte ich merken müssen. Denn der Körper lässt sich nicht durch Zeitumstellungen manipulieren. Jedenfalls nicht in einer gewissen Beziehung. Mehr nicht dazu, selbst ich pflege manchmal eine gewisse Demenz. Hab ich das jetzt wirklich geschrieben? Ja. Ehrlich. Also: eine gewisse Dezenz.

Der Themenzettel ist doch noch sehr schnell voll geworden, die „Montagsthemen“ sind wieder viel zu umfangreich geraten, einiges musste draußen bleiben. Zum Beispiel: Warum sind manche Spieler fast immer, andere fast nie verletzt? Dazu habe ich einen sehr interessanten Grund buchstäblich auf Lager (habe mich an ein Gespräch mit einem Physio-Guru erinnert). Außerdem ebenfalls auf Lager: Assoziationen zu Jesse Owens, dessen Geschichte Hollywood derzeit verfilmt, auch in Berlin, auch im Olympiastadion, ohne blaue Tartanbahn (wird weggepixelt), aber mit nachgebautem Führerbalkon an der Haupttribüne.  Und: der Unfall unserer Gold-Bahnradlerin im Straßenverkehr, mit Tempo 50. Und: Demnächst regnet es 100-Jährige vom Himmel (nach Red-Bull- und Google-Weltrekorden). Vielleicht in dieser Woche in einem Zwischen-„Stammtisch“. Falls die Redaktion einen will.  Und jetzt gleich ab ins Bergische. Am Abend dann eventuelle Korrekturen. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 26. Oktober 2014 .
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Sonntag, 26. Oktober, 6.25 … 4.25 Uhr!

Es dämmert noch nicht, obwohl es längst dämmern müsste, daher dämmert mir: Ich erfülle gerade eben alle Klischees und faulen Witze über die alljährlichen persönlichen Probleme mit der Zeitumstellung. Auf meiner Uhr ist es jetzt jedenfalls kurz vor halb sieben, ich habe sie gestern abend rechtzeitig umgestellt, doch auf der Leiste unten am Computer steht … mal kurz hinschauen … im Moment genau 4.30 Uhr. Gestern war es also um diese Uhrzeit … halb sechs? Oder täuscht sich der Computer? Nein, ich glaube nicht. Denn was ich weiß: Nach der Zeitumstellung wird es früher dunkel. Und wird früher hell. Ist aber noch stockdunkel. Oder wie oder was. Wenn ich weiter nachdenke, weiß ich gar nichts mehr.

Was weiß denn ich? Ich weiß, dass heute der Tag des Herrn ist. So heißt er auch bei den Griechen: Kiriaki. Nicht Kikeriki. Von Kirios, der Herr. Alles in Lautschrift geschrieben. In echt stecken im Kikeriki, quatsch, im Kiriaki drei der fünf griechischen Schreibweisen für das „i“: Kupiakn, mit der Betonung auf dem „n“. Bei dem „n“ müssen Sie sich den zweiten senkrechten Strich verlängert vorstellen, dann ist es das „ita“, das man aus dem Kreuzworträtsel als „eta“ kennt („siebter Buchstabe des griechischen Alphabets“). Das „u“ ist das griechische Ypsilon, wird aber genauso als „i“ gesprochen wie das auch mitten im griechischen Sonntag geschriebene „i“ (Iota). Dazu gibt es das „i“ noch … Moment, draußen hält ein Auto … hat sich der Zusteller der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ebenfalls bei der Zeitumstellung geirrt? Oder haben wir uns beide nicht geirrt, sondern der Computer? Ich glaub, ich spinne … also, dazu gibt es das „i“ noch als „oi“ und als … Mist, jetzt habe ich das fünfte griechische „i“ vergessen. „Oj“? Oje. Oherr. O Tag des Herrn. O kiriaki. Nein, heißt ja „i Kiriaki“, „o“ ist „der“, „i“ ist „die“, das Geschlecht erkennt man an der Endung, weiblich meist „i(ta)“ (aber auch „a“), männlich „os“ (oder auch „as“), der Sonntag ist also die Sonntag, oder ist Sonntag eine Ausnahme, männlich, aber mit weiblicher Endung? Beim Verwirrspiel fällt mir auch das fünfte griechische „i“ ein: „ei“. Jetzt hammers. Kleine Zusatzverwirrung: Der Kiriaki-Sonntag schreibt sich griechisch, wie oben gesehen, „kupiakn“ (mit dem langen zweiten n-Bein), denn das griechische „r“ (= rho) wird groß und klein wie das deutsche „p“ bzw. „P“ geschrieben (was manche verwirrt, wenn auf  ihrer Flasche Retsina „Petsina“ steht).

So, jetzt habe ich Sie hoffentlich ebenso verwirrt wie mich die Zeitumstellung. Nicht nur Sie, die Sie kein Griechisch können, sondern wahrscheinlich auch die, die es viel besser können als ich, der seit Jahren nur … wie heißt das Wort? … deliriert?… dilettiert. Bei dem Wort müssen wir Dilletanten, Dilettanten, Diletanten, Dillettanten höllisch aufpassen, wo und wie viele „l“ und „t“ wohin kommen.

Ich versuche es jetzt mal ernsthaft, kurz und hoffentlich richtig (ich schreibe mich ja nur warm für die „Montagsthemen“, ohne Netz, doppelten Boden, Duden und nachträgliche Korrektur). Also: Unser „i“ schreibt sich griechisch auf fünf Arten (jeweils Groß- und Kleinschreibung): 1. H/n (=“i-ta“; das „H“ in der Großschreibung kompliziert es noch). 2. I/i (= „iota“). 3. Y/u (=ipsilon, wobei das „u“ aber, wenn es in „eu“ oder „au“ vorkommt, wie „f“ gesprochen wird). 4. ei. 5. oi.

Sinnefiasmeni Kiriaki / piasis me tin karsia mu / pu echi panta sinnefia / Kriste ke Panagia mu.

Ich könnte auch versuchen, das in Griechenland sehr bekannte Lied von Vasilis Tsitsanis, dessen Text ich in meinem Sprachkalender gefunden habe, in griechischen Buchstaben zu schreiben, aber das ist mir jetzt zu kompliziert . Frei übersetzt bedeutet diese erste Strophe:

Trüber Sonntag / du gleichst meinem Herzen / das immer trüb ist / Mein Gott, o heilige Maria.

Die deutsche Version könnte aber auch so gehen: Mein Herz ist schwer, und trüb mein Sinn, ich sitz im goldnen Käfig drin … und wenn es im Herzen auch frisst und nagt … wenn ein Mensch verlassen ist, und er klagt, und er fragt (und jetzt alle mitschunkeln): Hast du dort oben vergessen auch mich, es sehnt doch mein Heheherz auch nach Liebe sich, du hast im Himmel viel Englein bei dir, schick doch eines davon auch zu mir. Erkannt? Hab ich als Kind auswendig gelernt, warum auch immer (seltsamer Knabe), und kann es immer noch „by heart“. Beginnt mit: „Es steht ein Soldat am Wolgastrand…“. Das Wolgalied also. Nicht das Vilja-Lied („Vilja, o Vilja du Waldmägdelein, lass mich, o lass mich dein Trautliebster sein“. Wie gesagt: seltsamer Knabe).

Zwischen Traum und Tag, Vilja und Wolga, Kikeriki und Kiriaki, Deliriums-Delariums-Dilettantismus. Immerhin bin ich jetzt auf Betriebstemperatur (übrigens auch so ein Wort, das sich inflationär ausbreitet). Jetzt gehe ich langsam an die Montagsthemen, ohne bisher auch nur ein Wörtchen auf dem Themenzettel notiert zu haben. Na ja, wird schon werden. Wie immer. Fragt sich nur, wie es wird.

Das noch: Während bei mir immer Brechts Wort von der hochgestapelten Mittelmäßigkeit als Menetekel über meinen Texten schwebt (bzw. mich immer ermahnen soll, nicht schreibend hochzustapeln), habe ich gestern einen Brief von K.-L. R. aus Gießen abgeschrieben (war keine Mail, natürlich nicht) und in die Mailbox gestellt. Es geht um „ceterum censeo“ (Sie erinnern  sich?). Wer diesen Brief liest, der weiß, was wahre, echte, nicht hochgestapelte Bildung ist.

 

Veröffentlicht von gw am 26. Oktober 2014 .
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Sonntag, 19. Oktober, 6.35 Uhr

Toleranz. Ich fahre auf einer autobahnähnlichen Stadtumführung auf der rechten Spur. Ein anderes Auto fährt auf der linken Spur vorbei, fast vorbei, da zieht es plötzlich nach rechts, rumpelt mich an, es knirscht, das Auto überholt, hält rechts auf der Standspur, ich auch, der Fahrer steigt aus, ich auch, beide schreckensbleich. Er entschuldigt sich vielmals. Sekundenschlaf. An meinem Auto nicht viel passiert, meine ich. Ein langer, dicker Kratzer, leicht eingebeult, sonst nichts. Glück gehabt. Hätte schlimmer enden können. Er will mir seine Daten geben, seine Versicherung regele das, es sei ein Firmenwagen. Ich winke ab. Ist mir zu lästig. Papierkram, Telefonate, nur wegen des Kratzers, das ist mir zu mühselig. Das eine oder andere Kratzerchen habe ich sowieso schon, einmal wurde ich von einem einparkenden Auto angedotzt, das hatte ich auch auf sich beruhen lassen. Autos interessieren mich nicht, auch das eigene ist nur Fortbewegungsmittel, was macht da schon hier ein Kratzer und da ein Beulchen?

Schon ein Weilchen her. Jetzt: Abends im Parkhaus. Nach einer Veranstaltung (Badesalz! Henni!) viel Betrieb. Ich parke vorsichtig aus, will mich in die Schlange schieben. Lässt mich einer rein? Ich glaube ja. Ganz langsam schleiche ich weiter rückwärts. Scheint eng zu werden, da halte ich lieber. Seitlich hinter mir hält auch einer. Steigt aus, regt sich offenbar auf. Was ist los? Ich steige auch aus. Er meint, ich habe ihn touchiert. Ich glaube es nicht. Er zeigt mir seine Rückseite, beziehungsweise die seines Autos. Ich sehe nichts. Er sieht etwas. Fühle mit der Hand an der Stelle, die ich touchiert haben soll. Spüre nichts. Meine, dass dann ja alles in Ordnung ist. Er meint nein. Geht zu meinem Auto, fotografiert mit dem Handy das Nummernschild. Ein recht junger Mann, unauffällig, dezent gekleidet. Ich sehe einen kleinen roten Strich an meinem Heck. Muss ihn, sein rotes Auto, wohl wirklich leicht touchiert haben. Aber das ist ja nicht mal ne Bagatelle, sondern rein gar nichts, sein Auto ist in meinen Augen völlig unversehrt. Er macht aber keine Anstalten, ins Auto zu steigen, damit endlich die ungeduldigen Fahrer hinter uns losfahren können. Er will tatsächlich einen Versicherungsschaden daraus machen, es nervt mich, er nervt mich, der Typ ist vielleicht nur halb so alt wie ich, aber schon total verspießert, wahrscheinlich ist sein Auto sein Leben, wahrscheinlich wienert er es höchstpersönlich jeden Samstag, so sind die jungen Menschen offenbar heutzutage, konventionell, angepasst, spießig, furchtbar, ich verliere die Geduld, gebe ihm mein Kärtchen, sage, wenn er unbedingt glaubt, die Nichtschramme und Nichtbeule reparieren zu lassen, soll er tun, was er für richtig hält und sich bei mir melden. Ende. Aus. – Er meldet sich nicht, aber meine Versicherung. Er hat bei ihr den Schaden gemeldet, sein Auto in eine Werkstatt gebracht, Kostenvoranschlag folgt. Ich muss eine dreiseitige Unfallmeldung ausfüllen, mit lästigen Fragen wie der nach meiner Fahrgestellnummer, Typnummer usw., es ist alles eklig lästig, ich verachte diesen Jungspießer, das einzige, was mir positiv vorkommt: Dass ich nicht so bin wie er.

Toleranz. Langsam geht mir auf, dass ich mich zwar sowas von tolerant fühle, es aber gar nicht bin. Toleranz ist nicht, von anderen und anderen Meinungen, Gefühlen und Handlungsweisen toleriert zu werden, sondern selbst zu tolerieren. Mir ist diese Autobetulichkeit, dieses Versicherungsdenken, auch dieses Schnäppchendenken (mit so einer Schramme, vor allem, wenn sie keine ist, kann man auch Reibach machen) unangenehm, ich mag es nicht, es stößt mich ab. Aber vielleicht ist es das erste Auto des jungen Mannes (na ja, jung, so um die 40, schätze ich) , vielleicht ist es sein Hobby, vielleicht war das Touchieren für ihn so wie für mich, wenn einer (den bring ich um!) meinen Hund tritt. Außerdem kann ich ja wohl nicht erwarten, dass andere meine offenbar sehr eigensinnige, eigenwillige Art teilen, mit Schrammen umzugehen, vielleicht ist es anderen nicht so lästig wie mir, Formulare auszufüllen und – für mich kompliziert und unnötig erscheinende – bürokratische Regularien einzuhalten – jedenfalls ging ich davon aus, dass andere meine Einstellung teilen und nicht ich ihre Einstellung akzptieren müsste.

Ich habe mich, weil genervt und geladen, nicht einmal entschuldigt.

So viel für heute zum Thema Toleranz.

Schon viertel nach sieben. Heute kein KKK, da die Knickserin nicht da ist, ich eigenhändig für die beiden ersten K sorgen muss (hoffentlich klappt’s mit dem Kaffeemachen, als ich es trainingsweise versuchte, kam nur Wasser) und vor allem Gassi gehen muss. Wehe, einer guckt eines meiner beiden lieben Hündchen schräg an!

Veröffentlicht von gw am 19. Oktober 2014 .
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Samstag, 18. Oktober, 10.10 Uhr

Alles ganz anders! So lautet nicht nur die von mir vermutete „Bild“-Schlagzeile am Jüngsten Tag, sondern das gilt auch für den letzten Blog-Eintrag. Gleich geht’s ab nach Hause, dann Anruf beim Erlöser (Herr Sz., der gerade hier angerufen hat), der greift per Teamviewer auf meinen Laptop über und installiert den Tunnel neu. Dann also wieder business as usual nach same procedure und ceterum censeo (wie viele Fremdwort-Fehler gemacht? Ich prüf’s nicht nach, im Blog ist’s Handkäs / gibt es das Wort noch: „Egal ist nur en Handkäs'“?). Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 18. Oktober 2014 .
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Samstag, 18. Oktober, 9.30 Uhr

Wieder in der Redaktion. Um, wie immer am Samstag, für mich gesammelten Lesestoff zu sichten und die mich interessierenden Artikel mitzunehmen. Aber diesmal auch, um Mails an die gw-Adresse lesen zu können, denn mein Zugang ist immer noch verschütt‘. Morgen früh werde ich also, falls dazu aufgelegt, den Sonntagmorgenblog zu gewohnter Zeit schreiben, allerdings als Mail in meinem privaten Account, diese dann an die gw-Adresse schicken (auf die ich ohne Zugang keinen … eben:Zugang habe), in die Redaktion fahren und den Text in den Blog laden (zu dem ich zu Hause ebenfalls keinen … eben!) habe. Dann schreibe ich hier die Montagsthemen fertig (als Rohfassung schon zu Hause, per Mail, same procedure) undsoweiter.
Same procedure: Fremdwörter sind Glücksache. Im Sport-Stammtisch steht wahrscheinlich „cetero censeo“ statt „ceterum“, einer von ein paar Schreibfehlern in meinen drei Samstags-Kolumnen. Ich schaue lieber erst gar nicht nach, um mich nicht zusätzlich zu ärgern. Falls im Blatt keine meiner Schreibfehler auftauchen sollten: Kompliment und Danke an Redaktion und/oder Korrektorat.

Veröffentlicht von gw am 18. Oktober 2014 .
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