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Ohne weitere Worte (vom 9. September)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Inter-essantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Welchen Fehler, den andere Sportler nach dem Ende ihrer Karriere gemacht haben, würden Sie nie machen? – »Ins Fernsehen gehen. Ich laufe nicht zur Hochform auf, wenn ich in eine Kamera schaue.« (Dirk Nowitzki im SZ-»Wochenende«-Interview)
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Im Spiel mit der Öffentlichkeit ist er immer noch seltsam unschuldig. (…) Er ist nicht sein eigener Pressesprecher, er spricht über sich wie ein Nachbar, der den berühmten Mann, über den er ausgefragt wird, selber kaum kennt und keineswegs verraten will. (Zeit über Bastian Schweinsteiger)
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Bastian Schweinsteiger (…) ist kein allzeit verbindlich-unverbindlicher Firmensprecher wie sein Bayern-Kollege. Er wirkt genau dadurch authentisch, weil man ihm sofort anmerkt, wenn er unecht spricht. Er hätte wohl auch kaum seinen Vorgänger so (…) abservieren können wie es Lahm dereinst mit Ballack machte. Er wartete anständig, bis er dran war. Und auch deshalb ist es schön, dass er nun dran ist. (taz)
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Er ist in diesen Dingen das Gegenteil des bisherigen Kapitäns. (…) Lahm ist jedem Reporter gewachsen, er kann nach dem stürmischen Spiel sozusagen sofort an Land gehen und Festlandrhetorik verwenden. (…) Und Schweinsteiger? Er spricht immer wie ein etwas unterzuckerter, eben aus den Federn geholter Langschläfer, ein Mann, der sich, damit das Blut zirkuliert, erst mal am Kopf kratzt. Er wirkt rhetorisch seltsam wehrlos, scheu, unverstellt, auf Verrat in keiner Weise gefasst. (Zeit)
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Sie haben den Altbundeskanzler Helmut Schmidt angeschwindelt (…) – »Das war letztes Jahr bei einer Preisverleihung in Frankfurt. Wir haben (…) danach ein bisschen geplaudert. Ich war nervös, weil ich nicht wusste, ob er mich überhaupt kennt. Und auf einmal fragte er: Herr Nowitzki, wahrscheinlich beginnen Sie nach Ihrer Basketballkarriere ein Studium, oder? (…) Ich habe mich in dem Moment einfach nicht getraut, ihm zu sagen, dass ich nicht vorhabe, noch mal an die Uni zu gehen, und wirklich nur mit einem Ball auf einen Korb werfen kann. Also habe ich so getan, als würde ich nebenbei ein bisschen BWL studieren, weil ich ihn nicht enttäuschen wollte.« (Nowitzki/SZ)
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»Pressing ist ja auch Teambuilding: Alle müssen mitmachen, fällt einer aus, funktioniert es nicht. Ich brauche also nicht unbedingt in einen Hochseilgarten zu gehen, ich brauche nur ein gutes Training zu machen.« (Leverkusens Trainer Roger Schmidt im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Barbara Schöneberger (…) gelang das Kunststück, dass ihre Moderationen (…) unverbraucht, spontan und witzig wirkten, etwa wenn sie mit dem auf der Bühne dauerhüpfenden Jan Delay flachste, er müsse »Oberschenkel haben wie Mario Gomez«. Delay: »Ich habe eher Oberschenkel wie Thomas Müller.« Schöneberger: »Dafür habe ich die Oberschenkel von Mario Gomez.« (Süddeutsche Zeitung)
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Unglücklich verdient verloren. (Schlagzeile der Neuen Westfälischen, gelesen im Spiegel-»Hohlspiegel«)
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Noch kann sich jeder bewerben auf die am 11. Dezember frei werdende Stelle als Regierender Wowereit. (…) Aussichtsreichste Kandidaten sind Ronald Barnabas Schill, Mario Barth, Carsten Maschmeyer, Peer Steinbrück und Dirk Niebel. Wer den Job haben will, soll ein aussagekräftiges Video einreichen, in dem er sich einen Kübel Berliner Weiße über den Kopf kippt. (»Zippert zappt« in der Welt)
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»Ich habe mich schon als Jugendlicher für das deutsche Liedgut eingesetzt – als Mitbegründer eines Biene-Maya-Schlagerklubs.« (Raed Saleh, Berliner SPD-Fraktionschef und Nachfolge-Bewerber, im Spiegel-Interview) (gw)
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(www.anstoss-gw.de  / gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle