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Sonntag, 7. September, 6.30 Uhr

Nach dem letzten (?) schönen Sommertag wallen grauweiße Nebelschwaden. Milchsuppig. Daher nicht stockdunkel. “Stock”? Irgendwann habe ich den Ursprung nachgeschaut und im Blog erwähnt. Aber vergessen …

Bin mal kurz raus aus dem Blog, weil ich neugierig auf den “Stock” war. Siehe da: Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich den gleichen Satz geschrieben. Und davor auch schon ein paar Mal. Aber nachgeschaut und erwähnt, woher das Wort kommt, habe ich nie. Jetzt aber: “Im alt- und mittelhochdeutschen war ein “stok” etwas aus groben Holz, wie ein Baumstumpf, ein Klotz oder auch ein Knüppel. Daher kommen die Zusammensetzungen stockfinster, stockdumm, stockbetrunken, stocksteif, etc. Stockdumm bedeutete also so viel wie “dumm wie ein Klotz”. Auch “ver-stockt” (verbohrt auf der eigenen Meinung beharren) kommt daher. “Stockdunkel” würde also “Dunkel wie ein Klotz” bedeuten. Das macht natürlich wenig Sinn, aber im Laufe der Zeit hat sich die Vorsilbe von ihrem Ursprung gelöst und dient als verstärkende Vorsilbe für jeden Zweck.”

Aha. Da habe ich die Leser also verkohlt. Noch so ein Wort, das ich mal nachschlagen müsste. Mit Kohl, Helmut, hat es jedenfalls nichts zu tun, “verkohlt” habe und wurde ich schon, als es ihn als öffentliche Gestalt noch gar nicht gab …

Wieder kurz raus aus dem Blog. Das Wort kommt auch nicht von dem Gemüse, sondern vom “jiddischen Verb kole (hebräisch quol = Stimme) mit der Bedeutung: reden, sprechen, erzählen. Im Rotwelsch wird noch
unterschieden zwischen: kohlen (die Wahrheit sagen) und bekolen (lügen).”

Aha. Jetzt würde ich gerne vom Rotwelsch auf das Manische kommen, mit dem ich aufgewachsen bin, außerdem auf Odo Marquard, den Philosophen, den ich in seiner Anfangszeit in Gießen im Seminar erlebt und viel später als schon älteren Herrn im Rahmen einer Porträtserie (“Die andere Seite von …”) vorgestellt habe, einen wunderbaren, liebenswürdigen Mann, der mir damals das schöne Bonmot geliefert hat, “wer Kohl unterschätzt, wird überschätzt”, doch ich merke, dass ich selbst für Blogverhältnisse zu sehr abschweife.

Meldung der Nacht: “Altmeisterin Hingis” verpasst Open-Titel. “Altmeisterin”? War die Hingis nicht gestern noch ein junges Mädchen? Solche Fragen stellt sich nur ein alter Sack. Begleitmeldung: Navratilova macht ihrer Freundin im Rahmen der Open öffentlich einen Heiratsantrag, geht dabei auf die Knie. Da läuft’s mir …

Bei Navratilova fällt mir ein, dass ich, als alter Leichtathlet, sie in einer Überschrift einmal Kratochvilova genannt habe (die herbe Läuferin), was ich erst tags darauf gemerkt habe, aber kein Leser, jedenfalls hat sich niemand beschwert.

Sulzberg. Den muss ich unbedingt noch erwähnen, da es interessierte Anfragen gibt, wie denn die 5-Flüsse-Tour gewesen sei. Schön war sie. Nur der Sulzberg … ich hatte vor, die komplette Tour, sechs Tage lang zwar mit dem E-Bike, aber ohne Akku-Antrieb zu fahren, also unter erschwertesten Bedingungen, wie mit einem normalen Treckingrad, aber einem zwei- bis dreimal so schweren. Eineinhalb Tage lang habe ich es durchgehalten. Dann gab es, “für die Sportlichen” (Ich! Ich! Ich!) einen optionalen Abstecher auf den Sulzberg (“da muss aber geschoben werden” – Ich nicht! Ich nicht! Ich nicht!). Fünf der 20 Mitradler machten sich auf den Weg. Ich fiel bald zurück. Und es wurde immer steiler. Zwischendurch ein Straßenschild: 20 Prozent. Es wurde noch steiler. Kurz vor dem Kollaps gab ich auf. Selbst mit Akku hatte ich zu keuchen. Damit war meine Sportmoral gebrochen, den Rest der Tour radelte ich bequem mit Akku. Als wirklich gebrochener Mann.

Immerhin, vor ein paar Tagen Belastungs-EKG, am Schluss mit 300 Watt, 175 Prozent des Solls für mein Alter und Gewicht. Hätte noch mehr gekonnt. Das kann mein Reststolz hier nicht verschweigen. So. Knicks, Kaffee, Kuchen, Montagsthemen (wie fast immer zu dieser Zeit noch ohne Themen-Idee). Bis dann.

Baumhausbeichte - Novelle