Archiv für September 2014

Doris Heyer: Udo Jürgens

Mein Sohnemann ist mit
Udo Jürgens großgeworden (behauptet er, denn bei Karaoke ist er
unschlagbar, nicht nur des griechischen Weins wegen). Als Udo Jürgens
mal in der Gießener Kongresshalle auftrat (gefühlt vor 100 Jahren),
wollte ich mir lange nicht die Hand waschen, die er mir gegeben hatte.
Ich wollte nichts mehr von ihm wissen, als er mal sagte, er mag keine
Frauen “mit Orangenhaut”, nee, das hat man doch nicht nötig, der soll
nur mal öfter in den Spiegel sehen, gelle? (Doris Heyer/Staufenberg)

Veröffentlicht von gw am 29. September 2014 .
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Ohne weitere Worte (vom 30. September)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Inter-essantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.

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Was macht Tim Wiese? Beißt vor Frust in seine Eisenhanteln, weil er zu früh auf die Karte Wrestling gesetzt hat. Zur Strafe hat Timo Hildebrand den Job bei Eintracht Frankfurt bekommen. Dass Wiese die bessere Wahl gewesen wäre, steht natürlich außer Frage. Wiese bringt aus Hoffenheim deutlich mehr Ersatzbank-Erfahrung mit als Hildebrand. (11Freunde)

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Keller könnte man sich gut als Nachrichtensprecher in einem sehr kleinen Privatradio vorstellen, in Rheda-Wiedenbrück möglicherweise. Für den Schalker spricht das zurzeit gängige Bonmot, wonach Keller das einzige Lebewesen sei, das über mehr Leben verfügt als eine Katze (neun). (Süddeutsche Zeitung)

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»Ich war selber Trainer. Ich weiß deshalb: Eine vermeintlich nicht so richtige Entscheidung den Spielern in völliger Überzeugung zu vermitteln ist viel mehr wert, als die vermeintlich richtige Entscheidung unsicher zu vermitteln.« (Matthias Sammer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)

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»Wir wollten uns heute nicht wieder durchekeln. Wir wollten einen schönen und souveränen Sieg.« (Thomas Müller im Kicker nach dem schönen und souveränen  Sieg gegen Paderborn)

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2012 begann er ein Studium an der Sporthochschule in Köln, kürzlich legte er seine Praxisprüfung ab. »Schwimmen war der Horror«, sagt Hambüchen, »ich habe einfach zu viel Muskelmasse, das zieht dich gnadenlos unter Wasser«. (Spiegel)

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»1983 habe ich mich in die Menschenkette zwischen Neu-Ulm und Stuttgart eingereiht, aber nur weil ich für die Tochter meines Physiklehrers schwärmte, die so blond war wie Uli Hoeneß und sich für die Grünen und gegen Nachrüstung engagierte.« (Schauspieler Wotan Wilke Möhring im SZ- »Wochenende«)

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Es war natürlich auch die Woche, in der die schrillen Effenbergs wieder zusammenfanden. (…) Das ist lobenswert, denn wohin fehlende Ausdauer auf diesem Gebiet führen kann, hatte gerade erst ein anderer früherer Nationalspieler demonstriert – der Hochzeitsprofi Lothar Matthäus nämlich, der seine fünfte Ehe in Aussicht stellte. Nach Sylvia, Lolita, Marijana und Liliana kommt Anastasia an die Reihe. Dass der 53-Jährige seine Gattinnen nach der Endung ihrer Vornamen aussucht, ist unbewiesen – wäre aber ein guter Grund für Effenberg, sich seiner Liebsten (Martina) gründlich zu vergewissern. (FAS)

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»Ich habe damals als Erstes ein Wort aufgeschnappt, das ständig fiel«, erzählt Saleh. Das Wort: verboten. Er habe es erst für einen Gruß gehalten, habe jedem fröhlich zugerufen: »Verboten! Verboten!« (SZ über den Wowereit-Nachfolgekandidaten, der als Kind aus dem Westjordanland nach Deutschland kam)

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»Keiner ist so klein, als dass es nicht irgendeine Gruppe gäbe, in der er groß wirken könnte.« (Otto Waalkes im FR-Interview)

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»Für mich selbst brauche ich nicht viel, ich shoppe wenig, ich trage schwarz, bis eine dunklere Farbe erfunden wird.« (Schauspieler Dan Aykroyd, heute Wodkabrenner, im Interview auf der SZ-Seite »Geld«)

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Ich fühle mich so wohl und so tot und wie ein aufgestauter Fluss, über den in der Nacht immer wieder einmal der Wind geht. (aus dem jetzt erschienenen, nachgelassenen und unvollendeten Roman »Bilder deiner großen Liebe« von Wolfgang Herrndorf)

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»Urangst: bettlägrig zu sein, bewegungsunfähig. Dieser Tod vor dem Tod. Mein eigentliches Ziel im Leben ist ein eleganter Abgang.« (Schauspieler Ulrich Tukur im Spiegel-Interview)

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Das Glück macht nie so glücklich wie das Unglück unglücklich. (aus »Bilder deiner großen Liebe«/Herrndorf) (gw) * (www.anstoss-gw.de / gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 29. September 2014 .
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Sonntag, 28. September, 11.30 Uhr

Nicht, weil wir das Wetter zu einer Radtour nutzen wollen, sind die “Montagsthemen” schon fertig (und online, siehe Link rechts gw-Beiträge Anstoß), sondern weil es diesmal einfach lief. Wie es lief, kann nur der Leser beurteilen, was bei mir und ganz besonders bedeutet: die Leserin. Den Morgenblog, der ein das Blog ist, außer bei mir, habe ich als Steinesbruch ausgebeutet, allerdings nur Freud mit den Verschreibern. Die “Ah, sie landen!” und der Es-Über-Ich-Ich-Ethik-Abschnitt haben mich auch zur Übernahme gereizt, das wäre aber zu viel geworden. Vielleicht in einem Zwischen-Anstoß in der Wochenmitte, falls von der Sportredaktion gewünscht bzw. benötigt, plus ein paar andere Themchen, die unter den Sonntagstisch gefallen sind.

Mich juckt aber auch die nächste WBI-Folge, denn mir ist ein, wie ich eingebildetermaßen glaube, hübscher Dreier eingefallen, bei dem folgerichtig drei Punkte zu gewinnen sind, ich aber glaube, dass selbst die WBI-Asse nicht die volle Punktzahl erreichen werden. Mal sehen. Wahrscheinlich erst nächste bzw. (haben wir heute schon “nächste Woche”?) übernächste Woche.

Soeben noch ein Fehlerchen korrigiert. Aus “Montagsthemen schon fetzig” “… fertig” gemacht. Doch ein Freudscher Verschreiber, ein angeberischer?

Veröffentlicht von gw am 28. September 2014 .
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Bayern-BVB-IQ-Test, Freud und das Smartphone (Montagsthemen vom 29. September)

Es nimmt wieder seinen Lauf, und daher beginnen wir mit einer der Standardaufgaben in Intelligenztests. Ergänzen Sie bitte diese Zahlenreihe: 25 – 19 – ???
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Wo soll das bloß hinführen, wenn der FC Bayern trotz seiner notorischen Nach-WM-Startprobleme jetzt schon als sozusagen ambulante (lat. »spazieren gehend«) Lösung eine »7« eintragen lässt?
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Sieben Punkte Vorsprung auf den BVB. Womit die Antwort auf die IQ-Frage sinngemäß schon klar zu sein scheint, im unwesentlichen Detail aber erst am letzten Spieltag gegeben wird: Mit soundso vielen Punkten Vorsprung werden die Münchner diesmal Meister.
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Eine andere Frage wird kaum noch gestellt, sondern nur noch apodiktisch beantwortet, also keinen Widerspruch duldend: Die Klubs mit den meisten WM-Spielern leiden am stärksten unter den Nachwirkungen, speziell den Verletzungen, vornehmlich wegen Überlastung. Aber warum marschieren die Bayern fast ungerührt, während die Dortmunder (im Wortsinn blendende Ausnahme: Arsenal) stolpern und stolpern? Und das, obwohl alle noch nicht einsatzfähigen Dortmunder Lang- und Kurzzeitverletzte gar nicht mit von der WM-Partie waren?
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Die einzige und winzige Hoffnung für potenzielle Bayern-Verfolgerchen: Die wahre WM-Be- und -Überlastung wird sich erst in der zweiten Saisonhälfte auswirken. Allerdings eher unwesentlich. In der Bundesliga wegen des vorhersehbaren Vorsprungs, in der Champions League wegen der großen Rivalen, die unter dem gleichen Handicap leiden werden.
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Aber das hat noch Zeit. Schon abgelaufen ist sie für das Internet-Spektakel Eiswürfel-über-den-Kopf-Gießen. Davon bleibt nur (Vorsicht: Kalauer!) unser  Gießen und (Vorsicht, Ernst!) ASL. Nebenbei: Was durch die Spenden reinkam, hätten einige Höchstbetuchte ganz alleine locker aus der Tasche ziehen können, ohne den Eiswürfeltopf über den Kopf zu stülpen.
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ASL? War nur ein kleiner Test. Haben Sie ihn bestanden? Ich hätte, fürchte ich, versagt. ASL ist eine gängige Abkürzung für  »American Sign Language« (eine Gebärdensprache) oder »Above Sea Level« (Höhe über dem Meeresspiegel). Es ging aber um ALS, die »Amyotrophe Lateralsklerose«. Es ging? Es geht um sie.
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Vergleichsweise unbeachtet blieb die Guter-Zweck-Aktion eines Chemieprofessors. Er durchschwamm den Rhein von der Quelle bis zur Mündung, 1230 Kilometer, eine stolze sportliche Leistung. Er wollte auf den Gewässerschutz aufmerksam machen und Spenden für die Anschaffung eines Wasseranalysegeräts sammeln. Hätten die Eiswürfel-Aktivisten den Rhein durchschwimmen müssen, wäre mangels Teilnehmer nicht mal ein halbes Wasseranalgerät zusammengekommen.
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Den Schreibfehler habe ich unkorrigiert gelassen, denn er führt mich über »anal« und »Analyse« zum Anal-ysemeister Sigmund Freud, dessen Todestag sich zum 75. Mal jährt. Mittlerweile gilt Freud nicht nur mit »Es«, »Ich« und »Über-Ich« als veraltet, selbst die Freudsche Fehlleistung sei keine Offenbarung verborgener Gelüste (Wasseranalgerät!) heißt es, sondern ein simpler Versprecher. Oder Verschreiber. Ohne anal-oder sonstig fixierten Hintergrund.
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Seit ich ein Smartphone besitze, glaube ich das, sogar aufs Wort. Bei jedem Buchstaben, den ich auf das Ding tippe, schlägt es mir nicht nur das ganze Wort vor, sondern fügt es manchmal gleich ungefragt in den Text ein, statt des Wortes, das ich gerade geschrieben habe. Was manchmal seltsame Sätze ergibt. Nun habe ich erfahren, dass das Ding lernfähig ist und jene Wörter vorschlägt und sogar ungefragt reinschreibt, die ich in früheren Texten schon einmal benutzt habe. Und schon fragt mein Ich ohne Es und Über: Funktioniert das Gehirn ebenso simpel? Keine Freudsche Fehlleistung, sondern  nur ein beflissen vorauseilendes Worteinsetzen nach dem digitalen Mehrheitsprinzip? Mein Kopf nur   ein Schwein?
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Oh. Falsch eingesetzt. Muss Schein heißen. Ist aber fast noch beunruhigender. (gw)
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(www.anstoss-gw.de  gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 28. September 2014 .
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Sonntag, 28. September, 6.30 Uhr

Das Wichtigste aus der Nacht:

Es ist vollbracht: Hollywoodstar George Clooney (53) und die britisch-libanesische Juristin Amal Alamuddin (36) haben am Samstag in Venedig geheiratet. Um einen völlig hilflosen Dackel aus einem Erdloch zu befreien, hat die Feuerwehr in Düsseldorf ein Gartenhaus mit einem Luftkissen angehoben. Peschmerga-Kämpfer trainieren in Bayern für den Kampf gegen die Terrormiliz IS

Damit ist alles abgedeckt, was die Menschheit bewegt. Daher habe ich auch auf Absätze oder Gedankenstriche zwischen den drei Meldungen verzichtet. Man kann ja auch eine daraus machen: Peschmergas kämpfen in Bayern auf dem Oktoberfest gegen IS-Terroristen um die Bierherrschaft, angetrunken verbrüdern und lieben sie sich (dürfen Brüderchen und Schwesterchen ja jetzt, dann also auch Brüderchen und Brüderchen), heiraten in Venedig in einem Gartenhäuschen mit einem Dackel als Trauzeugen, und wenn sie alle bier- und liebesseelig hilflos sind, kommt unsere gute alte Feuerwehr, hebt das Hochzeitshäuschen mit einem Luftkissen an und lässt es auf Nimmerwiedersehen entschweben.

Zu albern? Nö. Nicht stockdunkelsonntagfrühmorgens. Ich wollte sowieso was ganz anderes schreiben, an Robert Gernhardts Krägenbär denkend, dem jetzt in Göttingen ein Denkmal verehrt werden soll. Festgehalten mitten in der Verrichtung (“Der Kragenbär, der holt sich munter, einen nach dem andern runter”). Das gefällt nicht jedem Göttinger (das Denkmal, die Tätigkeit an sich schon eher, oder?). Dabei ist mir ein wichtiger Unterschied zwischen Cartoon und Denkmal auf- und eingefallen: Der gezeichnete Kragenbär ist dezenter, denn man sieht ihn, mit schamrotem Nacken, nur von hinten. Um das Denkmal aber kann man herum gehen, und dann wird’s porno.

Beim Nachschauen in meinem großen Gernhardt-Bilderbuch kam ich auch an einem mir nicht mehr präsenten Cartoon vorbei. Erstes Bild: Ein Raumschiff ist gelandet, die Aliens kommen, ein Begrüßungskomitee steht bereit: “A, sie landen!” – Zweites Bild: Aus dem Raumschiff steigen verlotterte Gestalten. Das Begrüßungskomitee wendet sich angeekelt ab. “Asylanten!”

Leider muss ich zugeben, dass mir an diesem Bilderwitz mehr noch als der tiefere Sinn das herrliche Wortspiel gefällt: A sie landen / Asylanten. Gernhardt bleibt der Beste. Nur einmal blieb er Zweitbester: In der Neuen Frankfurter Schule gewann Bernstein mit seinem »Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche” gegen Gernhardts »Die größten Kritiker der Molche waren früher ebensolche«.

Elche, Molche, Raucher, Gesinnungsethiker … die Neue Frankfurter Schule vereint alle, auch jene, die sich nicht reimen lassen. Auch Sigmund Freud, dem zum 75. Todestag diverse Artikel gewidmet werden. Mal ins Unreine gedacht: Entspricht das von Max Weber in den Diskurs gebrachte Gegensatzpaar Gesinnungsethik und Verantwortungsethik (»Aufgabe politisch Handelnder” ist es, “eine Balance zwischen Verantwortungsethik und Gesinnungsethik zu finden«) womöglich Freuds Instanzen in jedem Menschen: Es, Über-Ich und Ich? Das “Es” steht für das Unbewusste, die Triebe, das “Über-Ich” ist die regelkonforme hochmoralische Instanz, und das arme “Ich” muss sich  hindurchlavieren. Zum Beispiel, wenn sein Über-Ich unbegrenzte Aufnahme von Flüchtlingen fordert und sein Es Amok laufen will, wenn vor der eigenen Haustür ein Flüchtlingsheim gebaut werden soll. Das arme Ich sitzt zwischen beiden Stühlen, sehr unbequem, was für Freud ein ständiger Quell psychischer Leiden war.

Aber Freud gilt ja als veraltet. Selbst die Freudsche Fehlleistung sei keine Offenbarung verborgener Gelüste, sondern ein simpler Versprecher. Oder Verschreiber. Glaube ich mittlerweile auch, seit ich ein Smartphone besitze und whatsappen kann: Bei jedem dritten Wort, das ich zu schreiben beginne, schlägt mir das Ding nicht nur das ganze Wort vor, sondern fügt es manchmal gleich ungefragt in den Text ein, statt des Wortes, das ich geschrieben hatte. Was manchmal seltsame Sätze ergibt. Nun habe ich erfahren, dass das Ding lernfähig ist und die Wörter vorschlägt (und ungefragt reinschreibt? Oder drücke ich nur den falschen Knopf?), die ich in früheren Texten schon einmal geschrieben habe. Und schon fragt mein Ich ohne Es und Über: Funktioniert das Hirn ebenso simpel? Freudsche Fehlleistung nur ein beflissen vorauseilendes Worteinsetzen? Mein Kopf ein Schwein?

Oh. Falsch eingesetzt. Muss Schein heißen.

Auch die Albernheit dieses Textes könnte nur ein Schein sein. Jeder lese ihn, wie er mag. Ich schreibe jetzt. Montagsthemen. Bayern, BVB und so. Bis dann.

 

 

Veröffentlicht von gw am 28. September 2014 .
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Baumhausbeichte - Novelle