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Montagsthemen (vom 1. September)

Zwar haben alle geahnt, wie schwer es die Bayern in der Nach-WM-Saison haben würden, aber dass es sooo schwer … gar nicht kommen muss, überrascht dann doch. Bestes Indiz: Schalke 04, immerhin  Champions-League-Teilnehmer, feiert ein glückliches Heim-Unentschieden wie einen grandiosen Sieg, und das auch noch zu Recht, denn die Schalker kämpften am Ende wie um ihr Leben, sich mit bravourösem Einsatz einer Mannschaft entgegenstemmend, bei der noch mehr Weltklassespieler verletzt fehlten, als andere auf der Bank saßen.
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Das Spiel ähnelte couragierten Auftritten von unterklassigen Mannschaften in Pokal-Heimspielen gegen übermächtige Gegner, und das schmälert nicht die Schalker Leistung, sondern erhöht nur den Respekt vor dem FC Bayern, respektive die Angst der Konkurrenz. Einen Sieger beim Remis gab es dennoch: Jens Keller. Der (auch von mir, leider) lange Unterschätzte hält sich seit fast zwei Jahren stoisch auf dem Schleudersitz, selbst wenn der Rauswurf-Knopf schon mehrmals vergeblich gedrückt wurde. Eine reife Leistung, vor allem auf Schalke.
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Dank Eintracht Frankfurt. Einst wurde der Vertrag ihres Kapitäns Jens Keller nach dessen Knöchelverletzung nicht verlängert, auch die vertragliche Vereinbarung, nach Karriereende eine Anschlussverwendung zu bekommen, wurde gegen eine Zahlung von 100 000 Euro aufgehoben. Vielleicht zum Glück für beide.
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Sachen gibt’s … die gibt es nur im Fußball. Wie der junge Wolfsburger Malanda es schafft, seine Torverhinderung von München eine Woche später noch irrwitziger zu übertreffen, wird ihm einen vorderen Platz in den Youtube-Ranglisten der seltsamsten Fußball-Trotteligkeiten bescheren. Und wie das mit den Neuen Medien nun mal so läuft: Dieser Doppel-Trottelschlag macht Malanda unsterblich, die Bilder werden ihn ein Fußball-Leben lang, nein, sein Leben lang begleiten. Der arme Kerl. Selbst als Eintracht-Fan hätte man ihm fast gewünscht, ins Tor getroffen zu haben.
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Na ja, das sehen die echten Fans wohl anders. Anders auch das nächste Thema: Kreuzbandriss. Der hat Hochkonjunktur. Kaum ein Profiklub ohne einen akut Verletzten oder Rekonvaleszenten. Warum bloß reißen derart viele Kreuzbänder, von denen Sportler früherer Zeiten nicht einmal wussten, dass es sie gibt? Markus Babbel äußert im »Zeit«-Magazin einen Verdacht: Weil sich die Profis üblicherweise vertraglich verpflichten, das jeweils neueste Modell des Herstellers zu tragen, sei es kein Zufall, »dass es so oft Kreuzbandrisse gibt: Wenn du den Schuh nicht kennst, kommt es vor, dass du im Rasen hängen bleibst, zumal die heutigen Plastikschuhe weniger flexibel sind.« – Interessanter Ansatz. Allerdings: nur eine Vermutung. Weiterhin Stand der Dinge: Nichts Genaues weiß man nicht.
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Ich sehe nur eine Möglichkeit, Kreuzbandrisse zuverlässig zu verhindern: Da Fußballprofis noch länger an der Playstation spielen als im Stadion, könnte man doch gleich aus den Stadien gigantische Playstations machen … ja, ja, ich weiß. Überaus albern. Aber in einer anderen Sportart schon Realität. In einem Volkssport sogar. Allerdings nicht bei uns, sondern am Golf. Volkssport auch nur, weil dort die Scheichs sagen: Wir sind das Volk. Und das liebt Kamelrennreiten. »Geritten werden die flinken Tiere von Robotern, die Jockeys simulieren und elektrisch angetrieben die Peitsche schwingen« (»Spiegel«). Per Fernsteuerung. Demnächst wahrscheinlich sogar in Deutschland. Mit gigantischem Aufwand, denn Scheichs aus sechs Golfstaaten wollen im nächsten Juni ihre Kamele in München rennen lassen. Auf der Wiesn. Die millionenschweren Rennkamele sollen in Spezialjets eingeflogen werden. Ob die auch im pathologischen Sinne völlig verrückte Show tatsächlich über die Bühne gehen darf, entscheidet sich in Kürze im Münchner Rathaus. Da dort Dollarzeichen in vielen Augen blitzen (die Scheichs bringen schließlich ihre Shopping-Queens mit), stehen die Chancen gar nicht schlecht. Pecunia non olet.
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Falls München die Wiesn nicht freigibt, böte sich dem Frankfurter Renn-Klub die einmalige Chance, die Niederräder Galopprennbahn endlich auf gesunde (Kamel-)Füße zu stellen und dazu noch ein paar Milliönchen auf die hohe Kante zu legen. Doch daraus wird nichts, der soeben gewählte neue Vorstand, dem der DFB mit Billigung der Stadt Frankfurt ein Leistungszentrum vor die Füße bauen will, muss nun aus der Position des bittenden Schwächeren über eine gemeinsame Nutzung des Rennbahn-Geländes verhandeln.
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War nur Spaß. Nein, nicht das DFB-Leistungszentrum auf der Galoppbahn – das kommt. Auch kein Spaß: Nachdem sich ein Leser am Samstag über unsere hübsche Schlagzeile »Dach vom Gerätehaus saniert« gefreut hat, muss sich natürlich die »Bild«-Zeitung am selben Tag vordrängen und uns in diesem Ranking von Platz eins verdrängen: »Killer von deutschen Auswanderern verhaftet!« Da sage noch einer, die Welt solle nicht am deutschen Wesen genesen – jetzt müssen sogar schon unsere Auswanderer dort draußen für Recht und Ordnung sorgen! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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