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Sport-Stammtisch (vom 23. August)

Unser aller Eintracht. Zwei letzte Fragen zum Saisonauftakt. Wie sieht die Bilanz des Sportdirektors nach drei Jahren aus? Wie die des Trainers nach drei Monaten? Der »Kicker«, als fast langweilig sachlich bekannt, listet Bruno Hübners Transferleistungen auf: 45 Spieler gekauft, 51 verkauft, dabei zehn Millionen Miese gemacht. Rumms. Alexander Meier, außerhalb des Platzes auch als fast langweilig sachlich bekannt, antwortet auf die Frage, was Thomas Schaaf bisher in Frankfurt verändert habe: »Er ist mit uns nach Norderney gefahren.« Rumms. Das fängt ja schon gut an.
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Nicht zum Kapitän, dafür aber zum Bankspieler gemacht: Meier hat offenbar keine guten Karten bei Schaaf. Und umgekehrt. Kitzlige Sache. Der ruhige Meier muckt mürrisch auf, die Fans, die ihn nach langen Jahren endlich ins Herz geschlossen haben, protestieren empört. Ausgerechnet der Mann mit dem Schuss Genialität und dem genialen Schuss ist der erste Verlierer unter dem neuen Trainer. Was hat Schaaf bloß gegen Alex?, rätseln sie. Ich vermute: nichts. Das einzige, was man Meier vorwerfen könnte, und zwar zu Recht, ist seine neue Frisur. Schaaf hat seine sportlichen Gründe. Die zählen aber nur nach Toren und Punkten.
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Es geht also schon und wieder rund bei der Eintracht. Doch keine Angst: »Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch«, womit wir über Hölderlin zu unserem Leser Heiko Seip aus Gambach kommen, der aus der Historie Mut schöpft: »Die Eintracht wird Tabellenvierter. Ganz klar«, denn nach jedem WM-Titel für Deutschland »war die Eintracht Vierter der nachfolgenden Bundesligasaison. Also können wir uns auf die Champions League einstellen … wetten, dass!?« – Dagegen wettet kein anständiger Hesse. Er ballt die Faust und ruft: »Jaaa!!« – Faust? Hesse? Unser berühmtester Landsmann widerspricht: »Die Botschaft hör ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube.« Aber was versteht schon ein Goethe vom Fußball.
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Bei humorvollen und originellen Mails wie der von Heiko Seip schreibt sich der »Sport-Stammtisch« fast von selbst. Noch eine solche, aber anderes Thema: »Als Mitglied Ihrer liebsten Zielgruppe möchte ich mal eine Frage an Sie richten. Mich hat die Technik beim Speerwurf der Herren bei der EM fasziniert, bei der die Werfer nach dem Abwurf auf den Bauch fallen. Ist diese Technik tatsächlich besser als die herkömmliche?«, fragt Sabine Harbach (Buseck) »mit Gruß und Knicks« (den augenzwinkernden Knicks verstehen allerdings nur regelmäßige Blog-Leser von »Sport, Gott & die Welt«). – Abfangphase mit »Liegestütz«: Das ist keine neue Technik, sondern das praktizierten schon Zelezny 1996 bei seinem Weltrekord (98,48) und sogar bereits 1956 Danielsen bei seinem damaligen Wunderwurf von 85,71. Dagegen fing sich Hohn 1984 bei seinem historischen 104,80-m-Wurf konventionell ab (danach wurde der Speer-Schwerpunkt verändert). Was ist die bessere Technik? Kann man so nicht sagen. Ist auch im engeren Sinn keine »Technik«, denn in beiden Fällen hat der Speer die Hand schon verlassen. Übrigens hat Hohn auch in einer weiteren Wurfdisziplin als einziger Mensch der Welt die 100 Meter (genau: 100,02) übertroffen. Mit einer DDR-»F 1«. Im Handgranatenweitwurf. Aber das ist ein anderes Thema.
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Apropos Handgranate. Unsere dafür zuständige Ministerin hat sich jüngst effektvoll in Szene gesetzt. Haben Sie das Foto gesehen, Arme energisch verschränkt, Blick tatkräftig in die Ferne gerichtet, im Hintergrund eine Transall und dramatische Wolkenkulisse bei Sonnenuntergang? Die effektive – oder affektierte – Pose erinnert an das berühmte Broadway-Foto eines ihrer Vorgänger. Hoffentlich hat die taffe Frau bei ihrem neuen Engagement mehr Erfolg als mit dem von ihr hymnisch angepriesenen Karstadt-»Retter«, der sich nun still vom Acker gemacht hat. Mit einer deutlich besseren persönlichen Bilanz als Bruno Hübner. Was die Karstädter nicht tröstet. Im Gegenteil.
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Noch mal zur taffen Frau. Vor einiger Zeit beschäftigten wir uns  mit dem Phänomen, dass eine Frau ihren Pullover beim Ausziehen mit überkreuzten Händen unten vorne greift, statt wie wir Männer in den Nacken zu langen und den Pullover von hinten über den Kopf zu puhlen. Über die Gründe wird immer noch gerätselt, aber nun lese ich in der »Stimmt’s«-Kolumne der »Zeit«  einen  neuen Erklärungsversuch: »Eine Frau, die sich auf weiblich-elegante Weise des Pullovers entledigt, verbringt erheblich weniger Zeit schutzlos im Dunkeln.«
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Ich wollte die Kolumne mit einem Gag beenden, habe sogar den einen (Angsthäsinnen vs. Taffe) und anderen (schutzlos im Darkroom) gefunden, doch ich verzichte lieber darauf, sonst stehe ich schutzlos im Dunkeln. Daher schreibe ich, kongenial mit Horst Hrubesch, »nur noch ein Wort: Vielen Dank!« (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle