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Sonntag, 17. August, 6.30 Uhr

Die Anfänge meines Blogs liegen so weit zurück, dass ich mich kaum noch daran erinnern kann. Sie liegen aber jedenfalls vor der Zeit, als Blogger begannen, Blogs zu schreiben. Eine Zeit, in der Zeitungsleser, die sich als Urlauber, beruflich oder als Auswanderer zeitweise oder ständig außerhalb unseres Verbreitungsgebietes aufhielten, von ihrer Heimatzeitung und daher auch von meinen “Anstoß”-Kolumnen abgeschnitten waren. Für sie stellte ich daher  alle Kolumnen, die ich schrieb, gleichzeitig ins Internet. Für eine sehr überschaubare Zahl von Lesern also, da nur für solche, die die Zeitung aus geographischen Gründen nicht lesen konnten und gleichzeitig schon Internet-aktiv waren. Diese waren aber sehr dankbar für den Service, und auch für mich war es sehr beeindruckend, wenn ich erfuhr, dass ehemalige Zeitungsleser, die jetzt z.B. in Südamerika oder Asien lebten, durch den “Anstoß” heimatlich verbunden blieben und sich dafür herzlich bedankten.

Daraus entwickelten sich ein “Anstoß”-Archiv, Mail-Kontakte, eine Extra-Rubrik für meinen Freund Henni Nachtsheim (bzw. für seine Fans, die naturgemäß weit verstreut und nicht nur im Hessenland leben und in der Mehrzahl nicht zu unseren Abo-Lesern gehör/t/en) und schließlich meine Begleitartikel, die ich noch nicht “Blog” nannte, weil ich gar nicht wusste, dass es so etwas gibt (gab es ja auch noch nicht, so weit ich weiß).

In den Anfangsjahren (ab jetzt muss ich mich mangels Wissen sehr amateurhaft ausdrücken) liefen die Texte über eine technische Schiene, die ich wie auch die folgenden Schienen-Wechsel, nicht durchschaute. Sie lieferte mir aber jeden Tag die Zahlen der tatsächlichen Leser, die langsam anstieg, von einstelligen über zweistellige bis zu dreistelligen Zahlen, die, wenn Hennis Kolumne eingestellt wurde, von den Badesalz-Fans explosionsartig auf bis vierstellig erhöht wurde. Nach einiger Zeit wurde alles auf eine andere Schiene umgestellt, und von einem tag zum anderen halbierten sich die Klick-Zahlen, was meine Skepsis gegenüber dieser Art Zählerei früh bestärkte, denn für die Leser hatte sich nichts geändert. Später, wieder auf einer neuen Schiene, außerhalb unseres Redaktionssystems, hatte ich keinen Zugriff mehr auf die Klick-Zahlen, und auch heute habe ich keine Ahnung, wie viele oder wie wenige Menschen den/das Blog lesen. Und das ist auch gut so. Das Problem, das für mich kein Problem ist: Als vor mittlerweile auch schon vielen Jahren die Schiene dran kam, auf der der Blog immer noch läuft, hatte unsere Systemtechnik damit gar nichts mehr zu tun, Klickzahlen zu ermitteln wäre zwar möglich, ist aber umständlich und ich verzichte auch gerne darauf. Ein echtes Problem aber: Auch aus diesen Gründen stehe ich technischen Problemen machtlos vis-a-vis, zum Beispiel den unterschiedlichen und manchmal nur unbequem zu lesenden Beiträgen in der “Mailbox”. Die kopiere ich nämlich von meiner Mailadresse gw@anstoss-gw.de direkt in die Mailbox, dort bearbeite ich sie (wenn nötig), und sie erscheinen in dem Format, das der Leser für sich gewählt hat. Ich könnte sie nur, und habe es, wenn ich die Zeit dafür hatte, auch schon getan, von der Mailadresse, die auch extern angelegt ist, in das Redaktionssystem senden, dort in einen Textrahmen stellen, bearbeiten und von da in die “Mailbox” senden – ist mir fast immer zu viel Aufwand (sorry, aber das stimmt halt).

Langer Rede kurzer Sinn: Ein Leser hat sich wegen des letzten Beitrags von Walther Roeber (den er immer gerne liest) gemeldet und Vorschläge gemacht, wie man die Lesbarkeit des Schriftbildes verbessern kann. Ich habe die Mail an W. R. weitergeleitet, die beiden Leser hielten einen Dialog, den sie mich mitlesen ließen, dessen Fachlichkeit mich als IT-Laien aber überfordert. Ich vermute aber, dass die Mails bei mir bzw. nach der Übertragung in die “Mailbox” um so lesbarer auftauchen, je weniger formatiert worden ist (am besten wohl nackischer Fließtext).

Wie wenig Ahnung ich davon habe, sehe ich auch daran, wie viele Zeilen ich jetzt schon vor mich hin geschrieben habe, die ein Kenner sicher in ein, zwei Sätzen zusammengefasst hätte.

Apropos Kenner: Mit der Passage im “Sport-Stammtisch” habe ich offenbar einen Nerv getroffen. Es gab verhältnismäßig viele Zustimmungen, auch mündlich im Bekanntenkreis (aber kaum aus dem Kollegenkreis …). Eine Mail sticht heraus, ich werde sie (nach Blog, vor Kaffee und ”Montagsthemen”) in die “Mailbox” stellen und wahrscheinlich in der Kolumne erwähnen, auch wenn der Schreiber anonym bleiben möchte.

Noch ein kurzer Blick in die Meldungen der Nacht, jenseits der traurigen von Ebola und Krieg: “Bernd das Brot” kehrt ins Kinderprogramm, die seit langem ausgestorbenen Quaggas (eine Art Zebras) als Rückzüchtung auf die Erde zurück, und Volker Lechtenbrink wird 70 und will wieder singen.

Wenn ich von Volker Lechtenbrink höre oder lese oder ihn im Fernsehen erlebe, muss ich immer an einen sehr frühen Fernsehfilm denken, in dem er einen Jungen (jungen Mann) spielte, der immer so aussah, als würde er ständig grinsen. Das brachte ihm enorme Probleme, zum Beispiel als Rekrut, denn dessen sie irritierendes Grinsen brachte Feldwebel-Typen zur Weißglut. Ich weiß nicht mehr viel von dem Film, auch nicht mehr den Titel (“Der Grinser?”), aber unvergesslich bleibt die Grinse-Problematik. Auch weil ich bei mir selbst oft das Gegenteil feststelle, denn meine Normalmimik in Normallaune wirkt, als sei ich ständig grimmig schlechter Laune. Bin ich aber nicht. Jetzt zum Beispiel kommen Kaffee, Kuchen und Knicks, da werde ich sofort zum Volker.

 

Baumhausbeichte - Novelle