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Samstag, 16. August, 10.40 Uhr

Zurück aus der  (bis auf migrantische Putzfrauen und ihren ebenfalls migrantischen Chef und fleißigen Mitputzer – wieder eines meiner Vorurteile widerlegt) menschenleeren Redaktion, wo ich einen hohen Zeitungsstapel abgearbeitet habe , in dem … wenn ich so weiter schreibe, verheddere ich mich in einem hypotaktischen Satzungetüm, also: Zurück aus der Redaktion, wollte ich mich soeben aufs Rad schwingen und eine kurze Tour machen, da kommt mir ein Telefonat dazwischen, und als ich wieder aufschaue, weil es plötzlich dunkel geworden ist, hat sich der schöne Sonnenschein in einen heftigen Regenguss verwandelt. Also kein Rad. Dafür Blog, bis es heller wird.

Das Fahren mit dem E-Bike hat einen unerwarteten Effekt. Ich hatte befürchtet, dass mein Fitness-Zustand darunter leidet, doch als ich jetzt wieder meine alte Trainingsstrecke mit dem Normal-Treckingrad fuhr, spürte ich keinen Unterschied zu Vor-E-Bike-Zeiten. Wahrscheinlich hat es sogar einen recht guten Trainingseffekt, wenn man oft und ausgiebig mit dem Akku-Rad fährt, den Akku aber nur an Steigungen einschaltet und so in einem gleichbleibenden Belastungsrhythmus fährt. Aber das ist nur ein Gefühl, ich bin kein Experte von Theorie und Praxis des Ausdauertrainings.

Dass aber auch Expertenwissen, oder gerade Expertenwissen, das Vermitteln von Fachlichem erschweren kann, habe ich heute morgen gesehen bzw. gelesen, in der eigenen Kolumne. Es kommt nicht so richtig auf den Punkt und könnte sogar verwirren, was ich über Stützabstoß, Umsprung, Stützbein, Stemmbein usw. geschrieben habe. Aber hätte ich auch noch darlegen sollen, dass aus dem Schwungbein nach dem Angleiten das Stütz- und am Schluss auch noch das Stemmbein wird, das zuvor, nach dem Angleiten, noch das andere Bein war? Bevor ich Leser und mich selbst verwirre, lasse ich es ganz, zumal ich die begründete Vermutung habe, dass es kaum ansatzweise interessiert.

Haben Sie Kathrin Klaas gesehen? Ein Energiebündel, hoch explosiv. Gestandene Blog- und Kolumnenleser erinnern sich vielleicht an meine schriftliche Begegnung mit ihr (Stichworte: Radtour, Aartalstrecke, tolles Schulstadion mit perfekten Hammerwurfring und -käfig mitten in der Provinz, meine Vermutung, für wen gebaut, K.K.’ Protest). Ich hätte ihr die Medaille sehr gegönnt.

Zwar kamen noch keine Leser-Reaktionen (in Ferienzeiten bleibt die Mailbox sowieso oft leer) zum Kolumnen-Beitrag über den wg. Hemdausziehens disqualifizierten Läufer, aber ich glaube nicht, dass meine Meinung mehrheitsfähig ist. Doch die allgemeine und auch meine Vermutung, dass der Typ einen Hau hat, darf, meine ich, bei der Bewertung des Qualifikationsgrundes keine Rolle spielen.

Apropos Hau: In der Bewertung des Prozesses um einen Mann, der jahrelang in der Psychiatrie festgehalten wurde, habe ich nirgendwo gelesen, dass das Verhalten vor Gericht und die Taten, die  juristisch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnten, zu der Befürchtung Anlass geben, dass der Freigesprochene nicht zum letzten Mal gerichtsauffällig geworden sein könnte … die Sonne! Ab aufs Rad.

 

Nachtrag 11.25 Uhr: Geschrieben, fertig zur Abfahrt, noch mal in die Mailbox geschaut – da ist doch was drin? Schöne Randbemerkungen von Walther Roeber. Stelle ich sogleich in die Mailbox. Dann aber los!

Baumhausbeichte - Novelle