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Sport-Stammtisch (vom 9. August)

Dass Bayern München im  »All Star-Game« verliert, lässt saisonspezifisch in den USA einen Sack Reis umfallen, trägt aber zur gelungenen PR-Aktion bei. Fast immer verliert das echte Star-Team, denn Niederlagen sind Gift für  Marketing-Strategien, den Fußball bei den  siegversessenen Einheimischen heimisch zu machen.
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Zur Werbeaktion gehört nicht nur der eingeplante US-Sieg, sondern auch die Aufstellung der Siegermannschaft. Zehn der elf US-Spieler verdanken ihren Platz in der Start-Elf einer Publikumsbefragung, der elfte, weil er in einem Qualifikationsspiel die meisten Tore geschossen hat. Allerdings nicht eigenfüßig, sondern online als Figur in einem Computerspiel eines Sponsors. Auf der Gegenseite kamen die Weltmeister direkt von der Luftmatratze auf den Platz, ein paar Minütchen nur, um sofort wieder zurückzufliegen und den Jetlag mit direktem Rückjetflag auszutricksen. Was alle sportlichen Fragen beantworten dürfte.
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Viel wurde über Sinn und Unsinn dieser Aktion diskutiert, mit der auf eine Woche wichtiger seriöser Vorbereitung verzichtet wurde. Klar, dass hier der wahre Sport keine Chance hatte gegen die Ware Sport, aber mein altes Lamento lasse ich heute, denn die Bayern schöpfen derart aus dem Vollen, dass sie ihr freiwilliges sportliches Handicap locker verkraften können.
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Mich wundert nur das unwidersprochene Dogma, dass ein großer Verein, der mit den ganz Großen mithalten will, ständig »neue Märkte erschließen« und wirtschaftlich »wachsen, wachsen, wachsen« muss. Der FC Bayern ist ein ganz großer Verein, in den letzten Jahren der und das Größte überhaupt, und er hätte das alles sportlich überhaupt nicht nötig, zumal mit einem Festgeldkonto im Rücken, das von der Konkurrenz nur in der Höhe ihrer Schulden übertroffen wird.
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Da es nur ums Geld geht: Wenn der Freistaat Bayern schon die Freikauf-Millionen von Ecclestone einsackt, warum überweist er sie dann nicht gleich seinem FC Bayern? Wäre schließlich auch nicht viel absurder als die Sache selbst.
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Pep Guardiola bekommt jedenfalls die Gelegenheit zu beweisen, was er wirklich kann. Sagt jedenfalls  der Theaterregisseur und Fußballkenner Jürgen Flimm im »Zeit«-Interview: »Bislang hat er auch noch von Jupp Heynckes und dessen Arbeit gelebt. Ein Freund von mir, ein berühmter Trainer, hat gesagt: Der soll erst mal den VfL Bochum trainieren, dann werden wir sehen, was er kann.«
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Wer? Das wäre jetzt fast eine Frage für die nächste »Wer bin ich?«-Runde., aber vielleicht doch einen Zacken zu einfach, denn Otto Rehhagel und die Theater-Größe, mit dieser ungewöhnlichen Männerfreundschaft haben beide schon einige PR-Runden über der deutschen Interview-Landschaft gedreht.
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Um neue Themen zu generieren, blicken wir über den: Zaun. Hinter dem neue Sprachblüten: blühen. Niemand geniert sich mehr, zu »generieren«, das Verb hat sein urdeutsches Synonym »erzeugen« fast vollständig: abgelöst. Eine ähnliche Karriere scheint nun der boomende Doppelpunkt hinzulegen. Beispiel aus der Diskussion um einen nichtchristlichen Schützenkönig: »Er hat im Abitur das Fach katholische Religionslehre belegt und eine katholische Frau geheiratet, aber er ist nun einmal: Muslim« (»SZ«). Und der Doppelpunkt als modischer Verstärker ist nun einmal: überflüssig.
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Wenn ich schon mal besserwisserisch zu Gange bin: In der »FAZ« stoße ich auf eine besonders hübsche Subjekt-Objekt-Missverständlichkeit: »Die RAF-Mitglieder hielten die Gerichte für voll schuldfähig.« Da stimmt auch der letzte RAF-Sympathisant zu!
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Erfreulich dagegen: »Durant sagt für Basketball-WM ab« (»dpa«). Meist wird auf dass kleine Wörtchen »für« verzichtet, so dass verletzte Sportler ganze Großwettkämpfe abgesagen.
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»Evident« (einleuchtend, augenscheinlich; siehe »generieren«) ist auch, woher die Kornkreise kommen – nicht aus dem All, sondern aus dem Sommerloch. Genauso augenscheinlich ist übrigens, dass die Korngreise nicht vom All, sondern vom Alk kommen. – Sorry, nur ein kleiner Kalauer.
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Ein großer dummer Witz dagegen, auch wenn ich damit zum Spaßverderber werde, ist die Erzeugung der Kornkreise. Kaum jemand stört sich daran, obwohl doch augenscheinlich ist, dass ihr (und den herumtrampelnden Alien-Gläubigen) oft ganze Getreideernten zum Opfer fallen. Aber das ist ein ganz anderes Thema und hat mit Sport nicht mehr allzu viel zu tun. Auch nicht mit Außerirdischen. So dumm sind die nicht.
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle