Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Montagsthemen (vom 4. August)

Sommerloch? Nicht in dieser Kolumne. Wir brauchen keine Kornkreise von Außerirdischen oder unterirdisch zuschnappende Sumpfschildkröten, wir haben die Bayern, das wahre Gauchogate, einen 100-Millionen-Mann, Wacken, Tetris, Headbanger, Eier, Matsch und  Triathlon – das alles würde jedes Sommerloch überlaufen lassen, füllt aber gerade mal unsere »Montagsthemen« exakt bis zum Zeilenrand.
*
Dass Bayern München neben seinem WM-Massenaufgebot mit einem weiteren freiwilligen Ballast in die Saison starten wird, ist aller Ehren wert, denn es fördert die Inklusion der Benachteiligten im Bundesliga-Wettbewerb. In der vielleicht wichtigsten Trainingswoche des Jahres in Sachen PR auf US-Reise zu gehen, das muss man sich sportlich erst mal leisten können.
*
Können Sie es sich leisten? Schalke-Manager Heldt im »SZ«-Interview auf den Hinweis, sein Kollege Sammer habe Angst vor den ersten Wochen: »Ich fürchte, er wird sich keine großen Sorgen machen müssen.« Ich fürchte nicht, ich hoffe nicht, ich vermute: Stimmt.
*
Ganz sicher wird es dem FC Bayern nicht so ergehen wie dem Pleite-Klub Argentinien, der mit seinem Geld geaast hat, bis er zum Aas für die Geier(-Fonds) wurde. Und wer hat’s gewusst? Unsere Weltmeister! Denn die haben die Gauchos nicht veräppelt, sondern vorgewarnt: Passt gut auf, sonst geht ihr bald SO!
*

Eher ist Bayern München mit Bernie Ecclestone vergleichbar. Der bietet dem Gericht 100 Millionen Dollar an, um nicht verurteilt zu werden, und das bezahlt er locker vom Festgeldkonto. Ecclestone ist sehr klein, sein Vermögen sehr groß, seine Frauen sind vergleichsweise sogar riesig. Fast so riesig wie … Ecclestone: »Jedes Mal, wenn sie denken, die hätten mich an den Eiern, stellen sie fest, dass ihre Hände dafür nicht groß genug sind.«
*
»Wir brauchen Eier!« Aber selbst Olli Kahn würde seine Forderung relativieren, denn man kann’s auch übertreiben: Mit solchen Ecclestones gewinnt man kein einziges Fußballspiel. Warum? Das überlasse ich, liebe LeserInnen, Ihrer bewegungsmotorischen Phantasie.
*
Draußen im Sommerloch boomt sogar eine neue Sportart: »Tough Mudder« – »nur für echte Dreckskerle« (»FAS«). Auch das führt uns wieder zu unseren Fußball-Helden. Habe ich nicht vor der WM geschrieben, aus Bübchen müssten Kerle werden, um in Brasilien zu bestehen? »Tough Mudder«, dieses Sommerloch ist mit Matsch gefüllt, und wer matscht als taffer »Mudder«-Kerl« mit, statt sich im Urlaub auf die faule bronzebraune Haut zu legen? Mario Götze! Sogar seine Model-Freundin matscht mit, zumindest haben sich beide schon richtig matschig gemacht. – Falls Sie diese Zeilen nicht verstanden haben, dürfen Sie sich nicht grämen. Im Gegenteil, es ist keine Bildungslücke, sondern nur eine »Bild«-Lücke, gefüllt werden kann sie auch nur auf hinterletzten bunten Seiten mit Klatsch, Tratsch und Urlaubsfotos von echten Promis und solchen, deren Namen Sie nicht mal wissen (wollen).
*
Auch Wacken-Fans dürften derartige »Bild«-Lücken haben, aber Matsch kennen sie zur Genüge, in Wacken sind Matsch und Metal Synonyme. Wenn ich höre und vor allem sehe, was dort an diesem Wochenende los war, denke ich an den 30. Geburtstag von Tetris. Besaßen Sie auch einen Gameboy, obwohl Sie schon längst keiner mehr waren? Ich war süchtig, wurde aber von der allerliebsten Zielgruppe auf kalten Entzug gesetzt, als Tetris mich auch ohne Metal-Musik wie durch eine Überdosis Wacken zum Zwangs-Headbanger machte.
*
Thomas Middelhoff schüttelt derzeit ebenfalls zwanghaft den Kopf, wenn er gefragt wird, ob er pleite sei: »I wo!«. Der Übergang mag abrupt sein, hat aber mit Sport zu tun. Der ehemalige Manager-Tausendsassa, der mit Fantastillionen virtuoser jonglierte als unsereiner mit zwei Äpfeln, musste leisten, was Bayern München und Bernie Ecclestone nie werden leisten müssen: den Offenbarungseid. Ich weiß, wie peinlich das ist. Aus eigener Erfahrung. Allerdings zum Glück nur als Sohn eines Gerichtsvollziehers. Auch Middelhoff war’s peinlich, er wollte sich nicht fotografieren lassen und entkam der Meute durch einen beherzten Sprung aus dem Fenster in den Hinterhof. Drei Meter in die Tiefe, und dann noch einmal drei Meter an einem Regenrohr runter geklettert und schon an der Cote d’Azur, als die Fotografen  noch vor dem Haupteingang seiner harrten. In die Sportgeschichte könnte diese Leistung als Middelhoff-Triathlon eingehen. Ganz schön »taff«. Oder watet er nur im »mudder«? Aber das ist eine ganz andere Frage, eine  des Gerichts,  und sie hat mit Sport eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle