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Matthias Weidner: “Mit fehlenden Gliedmaßen”?

Lieber Lieblings-Kolumnist, heute morgen natürlich den “Anstoß”
- wie immer – mit großem Vergnügen gelesen und über eine Formulierung gestolpert.
Einige Stunden hin und her geschwankt zwischen der Ausübung unseres gemeinsamen
Hobbys, der präzisen Formulierung oder der gewollt unpräzisen, um Hintersinniges
auszudrücken, einerseits und dem Ernst des besprochenen Themas und den
Tragödien und Traumata, die die Betroffenen erlebt haben, andererseits,
die es eigentlich verbieten, in beschwingter und leichter Weise das erwähnte
Steckenpferd zu reiten.

Da ich weiß, auf welcher zutiefst humanistischen,
vor allem aber humanen Grundlage Sie schreiben, habe ich mich dann für
unser Hobby entschieden im Vertrauen darauf, dass meine Anstossnahme am
heutigen “Anstoß” bei Ihnen richtig ankommt.

Wie habe ich mir es vorzustellen, wenn
“… weit über tausend (US-)Soldaten mit
fehlenden Gliedmaßen aus dem Irak oder Afghanistan

zurückkehren? Kommen sie denn nicht genau ohne diese, weil sie sie
im Krieg eingebüßt haben? Was halten Sie von der Formulierung “…
weit über tausend Soldaten arm- und/oder beinamputiert aus Afghanistan
zurückkehren”, die m.E. nicht nur sprachlich korrekt ist, sondern
auch deutlicher ausdrückt, was passiert ist? (
Matthias Weidner)

*

Matthias Weidner hat natürlich recht, eine blöde Formulierung (zumal man sich
    nicht vorstellen mag, wie man “mit fehlenden Gliedmaßen” heimkehrt;
    etwa im Handgepäck?). Den Satz habe ich aus einer meiner
    früheren Kolumnen übernommen, was die Sache noch dümmer macht:
    Zweimal blöd ist doppelt blöd.

Baumhausbeichte - Novelle