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Sonntag, 27. Juli, 6.00 Uhr

Aufgewacht durch das blöde Gefühl, in der Mailbox den Namen von Dr. Hans-Ulrich Hauschild falsch geschrieben zu haben. Stimmt zum Glück nicht. Bei der hastigen Kontrolle festgestellt, dass die Zeilen des langjährigen Gießener Lesers beinahe ein Jubiläum mit traurigem Inhalt gewesen wären: Die 498. in die Box übernommene Mail. Nach Helmut Cichorius’ Nr. 499 wartet nun die Jubiläums-Mailboxmail. Dr. Hauschild wünsche ich aus ganzem Herzen möglichst gute Besserung – nur noch sehr mühsam lesen und schreiben zu können, ist für Menschen wie ihn (und wäre es für Sie und mich) eine besonders arge Beeinträchtigung.

In diesem seltsamen Zwischenzustand, in dem Traum nicht mehr und Tag noch nicht die Oberhand hat, war ich sicher, bereits um vier Uhr den Sonntagmorgen-Blog begonnen zu haben, mit Markus Rehm als Thema, der der Diskussion fortzuspringen scheint: Weiter, immer weiter, bis niemand mehr ernsthaft daran denken kann, seine – großartige! – Leistung mit der beidbeiniger Weitspringer zu vergleichen. Aber auch der Vier-Uhr-Blog gehört zu den Traum-Gespenstern.

Das Thema muss nun aber doch in die “Montagsthemen”. Was wird Rehm wohl im Sportstudio gesagt haben? Als Im-Sommer-nie-Fernsehgucker muss ich mich anderweitig nachinformieren, sollte aber kein Problem sein. Auch der 100-m-Rekord muss rein, mit Hary-Reminiszenzen und Rückenwind-Betrachtung. Auch der Blecherne-Ananas-Cup sollte rein mit der affigen (oder unwissenden? Das wäre fatal, aber kaum vorstellbar, auch nicht für mich als Nestbeschmutzer; bin aber keiner bzw. das Bild stimmt nicht, denn als Nestbeschmutzer wäre ich ja Nesthocker, war aber ein ganz früher Nestflüchter) Art der Sportjournalisten, die Ergebnisse von Testspielen im Aufbautrainings-Modus ernstzunehmen und aus ihnen Schlüsse auf die Saison zu ziehen.

In den Meldungen der Nacht noch keine Vorabmeldung zu Rehm/Sportstudio. Bei “Wetten dass?” war das immer schon  früh der Fall. Dafür die letzte Meldung (u. 6:22 Uhr):

Costa Concordia vor der Hafeneinfahrt von Genua eingetroffen.

Schon habe ich das Bild des Hafens vor Augen. Vor Jahren dort viele Stunden verbracht mit Warten auf die Fähre nach Palermo. Später noch einmal, diesmal Warten auf die Fähre nach Sardinien. Genua, die Schlange, die ein Kaninchen gefressen hat? Weil die Stadt topographisch und dem Häuserwachstum nach so aussieht? Ist das Reiseführer-Restwissen von damals oder schon/noch  heutige Zwischen-Tag-und-Traum-Hirngespinsterei?

Kein Hirngespinst diese Meldung der Nacht:

Das vor einem Jahr eingeführte Betreuungsgeld hält einen nicht unerheblichen Teil von Migrantenfamilien und bildungsfernen Eltern offensichtlich davon ab, ihre Kleinkinder in eine Kita zu schicken. Dies ist das Ergebnis einer großen Umfrage des Deutschen Jugendinstituts und der Universität Dortmund bei weit über 100 000 Elternpaaren mit Kindern unter drei Jahren. Demnach stellt das Betreuungsgeld besonders für sozial benachteiligte Familien einen Anreiz dar, kein staatliches Angebot frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung zu nutzen, heißt es im Abschlussbericht der Untersuchung, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Auch wenn es Stammtisch-Niveau sein sollte: Die teure Umfrage hätte man sich schenken können, das Ergebnis war mir bereits klar, als die ersten Diskussionen über die Einführung eines Betreuungsgeldes aufkamen. Na ja, nicht nur mir, sondern jedem, dem tagespolitisches Konkurrenzdenken noch nicht das Gehirn gewaschen hat.

So. Das. Muss. Für. Heutemorgengenügen.

 

 

Baumhausbeichte - Novelle