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Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Mühsam schreibe ich meine Botschaft

Mühsam schreibe ich meine Botschaft an Sie. Sie haben bedeutsam
Besseres zu tun als meine Kleinigkeiten zu vermissen. Habe nun
lange nicht mehr geschrieben; Grund: Makula, sehe also nicht
mehr so sehr viel. Ebenso mühsam versuche ich, Ihre Anstoß -
Beiträge zu entziffern. Weiß nicht so ganz genau, was da
diskutiert wird. Was aber auch immer, ich denke, Sie sind mit
Ihrer Leserschaft, der sehr geschätzten Leserschaft, damit
beschäfigt, u.a. die WM – Dingsbums – WM, aufzuarbeiten und sich
mit der verzweiflungsvollen Frage zu beschäftigen, wie man die
Fans der Eintracht davon überzeugen soll, dass diese Eintracht
nicht Deutscher Meister werden wird. Alles das ist gut und
besser als der laufende Kommentar zu dieser WM. Denn, wie ein
junger Redakteur des Kölner Express unter dem Jubel des
verständigen Teils von Fußballfreunden titelte: “Deutschland ist
Weltmeister. Jetzt kann der richtige Fußball wieder beginnen.”
Die weiteren Implikationen überlasse ich den Lesern und Ihnen.

Ich vermisse dieses Stück Gießener Lokalkultur Anstoß sehr wohl.
Kultur bleibt es in jedem Betracht; inhaltlich zuweilen wegen
der Vielfalt der Themen; selbst wenn es Sport ist, und das muss
es ja bei dieser Kolumne, ist es immer eine Metabetrachtung;
sprachlich so wie so; und einfach ein Stück Zeitungstradition,
also auch Kultur. Wie wäre es, wenn Sie für solchermaßen
Geschädigte den Anstoß als monatliches Hörbuch herausbrächten?
Bitte betrachten Sie diesen Vorschlag einfach nur als Teil der
üblichen, ebenfalls ein Stück Kultur bildenden, Frotzeleien, die
auf höherem Niveau von Ihnen und manchem Leser gepflegt werden.

Hatte noch vorgestern einen Vortrag zu halten, den ich als
Gedenkveranstaltung zum Beginn des Ersten Weltkrieges
angekündigt hatte. Denn am 23.7. hat Österreich-Ungarn ein an
sich unannehmbares Ultimatum an Serbien – mit aggressiver
Rückendeckung durch Deutschland (Blankoscheck Wilhelms II)
gestellt. Damit also begann dieser Krieg und die Misere des
20.Jahrhunderts recht eigentlich. Teilnahme: mäßig, es war
niemand da, von dem ich vermuten konnte, dass er oder sie an
derartigen Fragen, es ging um die hier schon öfter diskutierte
Theodizee, Interesse hat. Schade. Kein Gedenken in Gíeßen, auch
sonst nicht. Aber bei Leserbriefen wie der, der heute in der
Allgemeinen abgedruckt war,Tenor: die Deutschen gehen seit Ende
des Zweiten Weltkrieges gebeugt, kein Wunder. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

Baumhausbeichte - Novelle