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Ohne weitere Worte (vom 22. Juli)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Inter-essantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Sechs Millionen Menschen haben sich in der ARD vier Stunden lang die Rückkehr der Helden von Rio angeschaut. (…) Morgen bringt die ARD einen Brennpunkt zum Thema »Gibt es zu viel WM im Fernsehen?«, gefolgt von der Dokumentation »Zuschauer sehen Zuschauer beim Zuschauen zu«. (»Zippert zappt« in der Welt)
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Im chinesischen Netz war das Bild Deutschlands bei dieser WM der im Gesicht blutende Schweinsteiger, wie er nach dem Endspiel Messi tröstet. (…) Manche Blogger bezeichnen den deutschen Spieler als »Bruder des Trostes«, und einer dichtete sogar: »Wenn du einmal traurig bist, dann legt dir jemand die Hand auf die Schulter, und diese Hand gehört Schweinsteiger.« (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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»Messi hatte den Ball am Fuß wie Sisyphos den Stein, er sollte eine ganze Nation erlösen, die vor dem Bankrott steht.« (Albert Ostermaier, Dichter und Torwart der deutschen Autoren-Nationalmannschaft, im Welt-Interview)
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Nach dem dritten Tor schauten sich die brasilianischen Spieler fassungslos an. Es war der Blick, den Mike Tyson hatte, als er zum ersten Mal zu Boden ging. (Spiegel)
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Lockerer werden, ohne die Ernsthaftigkeit zu verlieren, das ist der Auftrag für einen Mann, dessen Name ein bisschen so aussieht, als wäre er aus den Restbuchstaben auf einem Scrabble-Bänkchen zusammengesetzt. (Kicker über H-E-N-R-I-C-H-M-K-H-I-T-A-R-Y-A-N)
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Es gibt ja Menschen, die nichts dabei finden, sich auf Themen einzulassen, von denen sie keine Ahnung haben. Sonst wäre Ursula von der Leyen nicht Verteidigungsministerin, Hermann Gröhe nicht Gesundheitsminister und Gerd Müller nicht Entwicklungsminister, sondern immer noch Mittelstürmer, womöglich in einer Mannschaft mit seinem Sohn Thomas Müller. (aus dem »Spreebogen« von Nico Fried im SZ-»Wochenende«)
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»Es gibt diese Legende (…): Als Becket in Frankreich mal eine Menge Leute auf der Straße stehen sah und er sie fragte, auf was wartet ihr, da haben sie gesagt: Wir warten auf Godot, den letzten abgehängten Fahrer der Tour de France. Und dies hat er dann auf sein größtes Werk übertragen: Warten auf Godot.« (Filmemacher Pepe Danquart – Höllentour« – im FAS-Interview)
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»Wissenschaftlicher Fortschritt verschiebt die Grenzen zwischen Erklärtem und Unerklärtem. Es ist, als bliese man in einen Ballon. Das Volumen des Gewussten nimmt zu, aber die Oberfläche, die Grenze zum Nichtgewussten, dehnt sich ebenfalls aus.« (Hirnforscher Wolf Singer im Spiegel-Interview)
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Ein schrecklich derbes, lautmalerisch primitives Wort für einen Literaten, oder? – »Schland gehört in den Sprachschlund.« (Ostermaier)
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Sie werden diesmal versuchen, dem Tod aus allernächster Nähe ins Gesicht zu spucken. Die fünf Jungs sind inzwischen grauhaarige Gentlemen, alt gewordene Clowns zwischen 71 und 74, inklusive künstlicher Gelenke, dritter Zähne, Scheidungen, Hypotheken und Bauchspeck. Prima Voraussetzungen für ein paar dreckige Witze über die Albernheit des Lebens an sich. (Spiegel zum Comeback von Monty Python)
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Im Leitfaden zur Kampagne steht, wie man auf die Junge Union aufmerksam macht. (…) Auf Partys gilt es, »Partykondome (natürlich in schwarz)« zu verteilen und schwarze Lutscher, Motto »Leck mich!« (…) Es ist alles so durchgeknallt, als hätte ein depressiver Computer es sich beim Durchglühen noch schnell ausgedacht. (…) Che Guevara hat niemals Partykondome verteilt. (FAS) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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