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Arno Baumgärtel: Es gehören immer zwei dazu

Augen weit aufgerissen. Ungläubiges Staunen. Ja.

Ohne die spielerische Leistung (“professionell”, “taktisch
diszipliniert” – sagen Sie es!) der deutschen Elf zerreden zu wollen, es
gehören immer zwei dazu. Einer, dem alles gelingt und einer, wo nichts
klappt. Für Über-, geschweige denn Hochmut besteht kein Anlass. Nach dem
3:0 musste man sich fremdschämen. Hier war deutlich wie selten zu sehen,
dass Fußball vor allem im Kopf stattfindet.

Die Gründe für den kollektiven Blackout der Gastgeber? Das frühe Tor
brachte, nach nicht einmal 10 Minuten Sturm auf die Bastille, das
brasilianische Konzept völlig durcheinander. Haben andere auch schon
erlebt – und siegreich überlebt. Zwei fehlende Spieler? Auch. Aber hat
nicht jeder WM-Kader mehr als 11 Mann aufzubieten? Was tat der Trainer?
War der nach dem 3:0 nicht mehr auf dem Platz? Spätestens da hätte er
alle drei Auswechselspieler auf einen Schlag bringen müssen, als
Zeichen. Denn zu verlieren hatte er in dem Moment schon nichts mehr.
Wenn dann ein schnelles Gegentor gelingt, kippt die Angelegenheit
vielleicht. Zeit genug war.

Nun gut, vorbei. Mögen sie in Frieden ruhen. (Arno Baumgärtel/Gießen)

Baumhausbeichte - Novelle