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Werner Haaser: Religionsspektakel

Mir stößt unangenehm auf, dass der Sport immer mehr von
Religionsspektakeln missbraucht wird, gerade jetzt bei der WM.

Dass sich ein Spieler kurz bekreuzigt oder seine Arme zum Himmel
reckt, wenn oder bevor er den Platz betritt, mag ja noch angehen.
Dass aber fast jede gelungene Szene mit einem Dankesgebet zum
Himmel zelebriert wird, oder dass jede Halbzeit mit einem
Mannschaftsgebet begonnen und beendet wird, halte ich für ein
Unding. Müssen wir demnächst mit einem Mannschaftsgeistlichen
rechnen, der vor dem Elfer den Ball mit Weihwasser besprengt? Muss
das Spiel zu einer Gebetspause unterbrochen werden, wenn die Sonne
untergeht? Die obersten Funktionäre berufen sich doch immer wieder
darauf, dass der Sport “unpolitisch” zu sein habe. Dann sollen sie
sich auch in Sachen Religion genauso neutral verhalten.

Einen dummen Spruch kann ich mir zum Schluss nicht verkneifen: Die
meisten dieser “Beter” wissen gar nicht, dass der Fußballgott
Deutscher ist. (Aber er bestraft auch gelegentlich sein eigenes
Volk.) (Werner Haaser/Gießen)

Baumhausbeichte - Novelle