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WM-Stammtisch (vom 12. Juni)

Endlich. Wird auch Zeit. Wenn alles vor dem Anpfiff und nach dem Abpfiff nur Geschwätz ist, dann steigert es sich vor einer Fußball-WM zur vollen kakophonischen Dröhnung für den Fußballfreund, der von überall her zugeschwallt wird, vorwiegend mit Firlefanz und Schwullibulli.
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Vor allem Kulturheroen stellen den Fußball in den ganz großen Feuilletons in den ganz großen Rahmen, mit eleganter Schreibhand, aber maltesischem Rumpelfuß das All-Eine des Balles erklärend. Auch Wirtschaftswissenschaftler fliegen in den Strafraum, Schwalben gleich. Zuletzt gleich drei deutsche Professoren im Formationsflug. Deren WM-Prognose wird vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung veröffentlicht: Spanien gewinnt das Endspiel gegen Deutschland, Brasilien wird Dritter. Weil: Geld schießt Tore, und das Forschertrio hat daher den Marktwert der WM-Teilnehmer zusammengezählt. Genial einfach! Der Humpelrumpelfuß: Der eh schon daumengepeilte Marktwert der Kader liegt dicht beieinander, daher versehen die Strafraum-Schwalben – gelbe Karte! – ihre Prognose mit der nicht unerheblichen Einschränkung, dass wohl doch eher die Tagesform entscheidet.
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Ich darf präzisieren: die Tagesform der am wenigsten Fußkranken. Dass Marco Reus den illustren Kreis der Stars verstärkt, die so fußkrank sind, dass sie gar nicht erst mitspielen können, ist ein Jammer. Vielleicht tröstet ihn ein wenig die bedauernde Resonanz auch in ausländischen Medien und bei Weltstars wie Ronaldo, denn sie zeigt ihm, dass er schon den Nimbus eines ganz Großen hat.
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Kevin Großkreutz hat einen ganz anderen Nimbus. Gestern zitierten wir in »Ohne weitere Worte« die »Zeit«: »Ultra-Fußballfan und Fußballstar, Hangover-Komiker und authentischer Mensch, Kraftbolzen und Faun, Rüpel und reine Seele. Muss die deutsche Mannschaft auf ihrem Weg zum brasilianischen Luxuslager nicht auch durch Indianergebiet fahren? Man könnte sich vorstellen, dass Großkreutz das Steuer übernehmen würde, sollte der Busfahrer von einem vergifteten Pfeil lahmgelegt werden.« – Klingt gut (Schreibhand), ist Quatsch (Rumpelfuß), denn Großkreutz mag zu vielem taugen, aber nicht zum Anführer. Außerdem verliert er – wie manches andere Lebewesen, das sein Biotop verlässt – im neuen Umfeld die charakteristischen Merkmale. Im Kreis der Nationalspieler wirkt er, mit großen Augen staunend dabei, wie der bravste der braven Löw-Bubis. Wahrscheinlich pinkelt er dort sogar im Sitzen.
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Auch ich will mich bessern. Dazu die nötige Selbstkritik: Im »Sport-Stammtisch« merkte ich an: »Podolskis Adidas-Werbung mit blutigem, echtem Schweineherz in den Händen ist ja so was von daneben!«. Stimmt nicht. Ist ein Rinderherz. Aber egal ob Rind oder Schwein, es bleibt eine Sauerei. Und der nächste Fehler folgt sogleich. In den »Montagsthemen« hängte ich Stephen Hawking ein »s« an, was Walther Roeber (Bad Nauheim) vermuten lässt: »Ich schätze mal, Sie hatten noch Ihren Karl May im Kopf und dachten an Sam Hawkens.« – Sehr freundlich, mir diese Erklärung anzubieten. Aber ich habe nicht an Sam Hawkens gedacht, sondern an … leider überhaupt nichts.
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Für die nächste »Wer bin ich?«-Runde wäre die Frage, wer in den Karl-May-Filmen den Sam Hawkens gespielt hat, viel zu einfach. Außerdem könnte Ralf Wolter auch mit verquersten Winkelzügen kaum mit Sport in Verbindung gebracht werden. Wir starten also ohne ihn in die WM-Ausgabe von WBI. Besonderheit: Die zu beantwortende Frage wird erst nach der WM gestellt. Davor streue ich hier und da kleine Textblöcke ein, wobei statt der gesuchten Namen fortlaufende Zahlen zu lesen sind. Wer die verschwiegenen Namen erkennt, mailt sie bitte nicht als Lösung, sondern notiert sie und wartet ab, bis der Einsende-Startschuss fällt.
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Wir beginnen mit einer Schafkopf-Anekdote, gelesen kürzlich in einem Zeitungsinterview, von mir leicht verfremdet, um es nicht zu googleeinfach zu machen. Handelnde Personen: »Brazzo«, »Jerry« sowie (1) und (2). Letzterer erzählt: »Besonders wichtig war es für uns, (1) an den Tisch zu bekommen, wenn er gewonnen hatte. Er war dann derart euphorisch, dass er wirklich alles gewagt und gespielt hat, stets mit dem Satz: ›Ich wollte nur wissen, ob er geht.‹ Und wir: ›Manager, er ging nicht.‹« – Einer von beiden ist bei der WM aktiv, der andere sicher nicht. Zu leicht? Abwarten. Wir steigern uns. Und jetzt kann’s endlich losgehen.  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle