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Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Rentner und andere Motzer (zum Sonntags-Blog)

Nicht alle Rentner bringen die Zeit auf,  Rosten zu züchten, zu reisen oder zu motzen. Ich möchte Sie doch in allem Ernst und in aller Freundschaft ersuchen, Ihre Worte soweit zusammenzuhalten, dass auch all jene Rentner zu ihrem Recht kommen, die – wegen geringer Rente – noch arbeiten müssen, z.B. Pakete austragen oder Zeitungen mit Ihren Kolumnen. Das macht es zwar leichter – das Austragen – weil wenigsten etwas halbwegs Wertvolles drinnen ist – aber beschwerlich genug ist manch Rentnerdasein schon. Da sind die Enkel, die kranke Frau, der kranke Mann, die Sorgen um die Wohnung. Da sind die vielen Menschen, auch Rentner, die ehrenamtlich sozial tätig sind (von dem selbst Merkel neulich betont hat, dass man dies wegen der Pflichten des Staates in dieser Frage nicht systematisieren sollte, dafür bin ich ihr dankbar, denn in Hessen ist eine solche Ermahnung schon erforderlich). Nicht alle wollen, wie eine Bekannte zu meinem Entsetzen neulich gesagt hat, ihr Alter nur genießen, uralt werden und ansonsten eben reisen, Rosen züchten und motzen. Es gibt auch andere. Zu denen gehören Sie. Dass das schwer ist, auch schwer durchzuhalten, verstehe ich; mir geht es nicht anders. Ich versichere Ihnen aber mit Nachdruck, dass hier Relativiererei nicht weiter hilft. Es ist ein objektiver Unterschied zwischen “den Tag so vergammeln”, wie Sie es beschreiben und ehrenamtlich alten Menschen, noch älteren, bei ihrem beschwerlichen Alltag zu helfen, ja, ich sage es hier, obwohl es mir politisch widerstrebt, bei der Tafel arbeiten oder eben für sehr viele Menschen Kolumnen schreiben. An den Reaktionen der letzten Jahre müssten Sie gemerkt haben, dass sehr viele Menschen auf diese warten. Sie geben ihnen etwas, was sie sonst wohl nicht haben. Ich verstehe aber, dass dies Druck erzeugt. Ich glaube wir alle würden es sehr gut verstehen, akzeptieren, da gibt es natürlich eigentlich nichts zu akzeptieren, wenn Sie eine oder zwei davon weniger schreiben. Und wenn es gar nicht geht…Nun ja, es ist ein Menschenrecht, auch einmal das zu tun, was man noch kann. 
Bitte nehmen Sie mir die eingangs gewählten etwas schärferen Worte und Formulierungen nicht im Übermaß übel. Ich verachte, oder weniger scharf, mag sie nicht, Relativierungen, übermäßigen Pragmatismus, Gleichmacherei dort, wo die wahre Elite, die sozial aufopfernd Tätigen mit Rosenzüchtern gleichgesetzt werden. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

Baumhausbeichte - Novelle