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Mittwoch, 21. Mai, 17.50 Uhr

Schaaf also.  Die Meldung hat mich später erreicht als wahrscheinlich jeden anderen Eintracht-Interessierten, aber noch rechtzeitig, um die OAB-Mail aus der Druckversion der Kolumne zu löschen. Mein  Bub berichtet, dass die ersten Online-Reaktionen in der Eintracht-Szene zwiespältig seien. Tendenz aber positiv. Er ist sogar sehr angetan. Ich vermute auch, dass Schaaf nicht Bruchhagens zweite oder dritte Wahl ist, sondern seine allererste und sein Wunschtrainer. Darum bin ich auch skeptischer als andere: Schaaf wie Bruchhagen verkörpern zwar die angenehme Vernunft, scheinen mir aber beide zu sehr im Fußball-Traditionalismus verhaftet, was manchmal gut ist, manchmal aber auch hinderlich. Aber ich lasse mich gerne widerlegen, sehr gerne sogar, und habe dabei das Bild vor Augen: Flugzeug landet auf Rhein-Main, oben öffnet sich die Pilotenkanzel und ein strahlender Schaaf schwebt mit erhobener Schale ein.

Warum mich die Meldung später erreicht hat: In memoriam Wilfried Heuser. War bei seiner Beerdigung. Als ich zur Gießener Allgemeinen kam, bildeten wir zusammen mit dem damaligen (auch noch sehr jungen) “Chef” Wenzel Siegel ganz alleine die Sportredaktion, unterstützt von Siggi Richter, der “Freier” für Tischtennis und fast täglich in der Redaktion war. Alle drei leben nicht mehr. Wilfried war ein besonders liebenswerter Kollege, ohne Arg und Neid und stets hilfsbereit. Als er die Möglichkeit hatte, in verantwortlicher Position zum Gießener Anzeiger zu wechseln, informierte er mich im Vertrauen und wir erörterten Vor- und Nachteile. Das ist schon Jahrzehnte her, leider verloren wir im Lauf der Zeit den Kontakt, was ich heute bedauere. Dass er, der schon lange nicht mehr rauchte, an Lungenkrebs erkrankt war, erfuhr ich vor ein paar Monaten. Heute wurde Wilfried Heuser in Burgsolms beerdigt, unter großer Anteilnahme. Auch das ein Zeichen, welch feiner Kerl er war.

Baumhausbeichte - Novelle