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Ohne weitere Worte (vom 13. Mai)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Inter-essantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.

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Einem Journalisten, der über sein Privatleben recherchierte, ließ er nach dessen Angaben den Hinweis zukommen, man könne für wenig Geld in Moskau »eine Kniescheibe« bestellen. (Frankfurter Allgemeine Zeitung über Red-Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz)

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Sie (…) sind zu den Auswärtsspielen der Eintracht mit dem Rad gefahren. Wie viele Kilometer haben Sie zurückgelegt? – »Ungefähr 5000.« – Alle auf dem Rad? – »Nicht ganz. Nach Hannover und Wolfsburg bin ich gelaufen. Für die kurzen Entfernungen lohnte es sich nicht, das Rad zu nehmen.« (Freizeit-Triathlet und Braunschweig-Fan Christian Schlums, 50, im Spiegel-Interview)

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Wenn Kapitäne und Kluboffizielle bei vorbestraften Ultra-Führern um Spielerlaubnis bitten müssen, während sportpolitische Prominenz impotent auf der Ehrentribüne hockt, dann kann der Laden getrost geschlossen werden. (Kicker zur Lage der Liga in Italien)

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Ist das von Guardiola perfektionierte System dechiffriert? (…) Das lässt sich trefflich diskutieren, seit voriges Jahr Barca im Champions-League-Halbfinale mit 0:4 und 0:3 unterging und dieses Jahr dann Guardiola mit 0:1 und 0:4. Ergebnisse von so epochaler Deutlichkeit, dass jede Relativierung ins Leere läuft. (Welt)

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War Bayern gegen Real fußballerisch nun überfordert oder hatte sich Guardiola personell nur verzockt? Ist sein Ballbesitz-Beuteschema gegen die Top-Klasse das richtige für diese Mannschaft? Oder kann er gar nur Barcelona (…), aber sonst nirgendwo? (Kicker)

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In Barcelona hatte Guardiola statt Mandzukic einen gewissen Lionel Messi als genialen Solisten und Vollstrecker im perfekten Kollektiv. Er fügte der Berechenbarkeit endloser Ballstafetten das entscheidende, unberechenbare Element hinzu. (…) Lewandowski (…) wird nicht Guardiolas Messi werden. Er wird Bayerns Lewandowski sein. Das wird genügen, um die Kritiker des »Ballbesitzfußballs« zum Schweigen zu bringen. Es wird ein Fest! (»Pro«-Kommentar in der Zeit)

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Es war vor allem die Hilflosigkeit dieser Niederlagen, die den Schluss nahelegen konnte, dass der Spielstil morsch geworden ist, seelenlos, verkommen zu l’art pour l’art, zu Kunst um ihres Selbstzwecks willen. (…) Tiki-Taka ist immer noch geeignet, schwächere Gegner zu dominieren. Aber die großen Spiele gewinnt es nicht mehr. (Welt)

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Gottfried Kellers Künstlerroman »Der grüne Heinrich« erzählt die Geschichte des jungen Heinrich Lee, der gerne Maler werden möchte. Zwanghaft arbeitet er an einem Gemälde, das seine Emotionen und Visionen in idealer Weise zum Ausdruck bringen möge. Weil er diese Perfektion nicht erreichen kann, gerät sein ganzes Leben aus den Fugen. Pep Guardiola ist der grüne Heinrich des Weltfußballs. (»Contra«/Zeit)

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Luis Suarez (…) bekam den Spott von Robert Huth zu spüren, der via Twitter höhnte. »Bleibe dabei, dass Weinen auf dem Platz eine Sperre von drei Spielen nach sich ziehen sollte.« Huth ab, die Twitter-Zote des früheren deutschen Nationalverteidigers kommt sicher gut an in den englischen Pubs, wo echte Kerle vor der Glotze sitzen, Testosteron, Tore und Tritte toll finden, Suarez für einen Psycho-Uru halten und sich darüber ins Fäustchen lachen, sofern sich darin nicht gerade ein Glas warmes Bier befindet. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

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Sie haben als Kind Ihr Gesicht hergeben müssen für die Wurstmarke »Knacker einfach« und mussten in der Schule viel Spott aushalten. – »Wenn im Sportunterricht eine Mannschaft zu gut war, wurde ich ihr als Handicap zugeteilt. Berufshumoristen arbeiten die Demütigungen des Schulhofs ab.« (Oliver Welke im Stern-Interview)

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Dass Männer, die weinen, nicht als Memmen gelten müssen, sondern schnell wieder den starken Mann markieren können, hat (…) keiner so erfolgreich vorgemacht wie Uli Hoeneß. Bei der Mitgliederversammlung (…) im vorigen September brach der Steuersünder in Tränen aus, beim nächsten Münchner Mitgliederkonvent neulich griff er schon wieder die halbe Welt an und gerierte sich als Opfer einer Medienverschwörung. Die Bayern-Mitglieder fanden die Auftritte pfundig, dabei ist das Münchner Rührstück eigentlich zum Heulen. (FAS)

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Weil große Ereignisse großer Worte bedürfen, dauert allein die Begrüßung durch Moderatorin Heidi Klum eine ganze Minute: »Hi! Hallo! Huhu! Yay, Hallo! Hallo ihr ganz da hinten, huhu! Hallo! Juhu, auch ihr da oben, hallo, hallo, hallo, hallo … wow!« (Süddeutsche Zeitung) (gw)

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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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