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Otto A. Böhmer: Eintracht – ein seltsamer Verein

Eintracht ist schon ein seltsamer Verein, begleitet auch von seltsamen Leuten, die, wie jetzt, einen Spieltag vor Saisonende, in gelinde Panik verfallen, wenn zwei Spieler (Schwegler, Rode), deren Fehlen zuletzt gar nicht groß aufgefallen war, den Verein verlassen … Und noch kein Trainer da ist, der seine (vermutlich eh wieder überzogenen) Ansprüche anmeldet.
So wie’s aussieht, werden noch weitere Spieler gehen (Jung – wenn er denn z.B. wieder nicht für irgendein DFB-Aufgebot nominiert wird); die Leihspieler (Joselu, Weis, Barnetta), die aber ohnehin nicht so gut sind, daß man wg. ihnen überproportional großes Geld in die Hand nehmen müßte/sollte. Und dann gibt’s noch den einen oder anderen, von dem man froh wäre, wenn man ihn woanders brauchen könnte (Rosenthal z.B., könnte von mir aus gern nach Frbg. zurück verliehen werden).
Seien wir doch ehrlich: Die Mannschaft, deren Zerfall nun, vorauseilend, beklagt wird, hat zuletzt kaum noch Entzücken hervorgerufen, was, wir wissen es, auch für ihren scheidenden Trainer gilt, dessen seltsame (s.o.) Aufstellungen nebst Ein- u. Auswechslungen ich nicht vermissen werde, noch weniger seine irgendwo zwischen Selbstironie u. Selbstüberschätzung georteten Auskünfte in eigener Sache.
Also: Im Prinzip kann es, muß es aber natürlich nicht, nur besser werden … Hoffen wir, daß zumindest die wenigen echten Leistungsträger (Trapp, Zambrano, Aigner) bleiben und nicht weggelockt werden.
Damit wären wir, halbwegs elegant, wieder beim Trainer angelangt: Auf einmal gilt da ein Mann als Favorit, den, zugegeben, wohl keiner auf dem Zettel hatte; – als großen, eigentlich aber auch: einzigen Erfolg hat er den Gewinn der CL in den Papieren, was seinerzeit aber eher versehentlich geschah, denn sein damaliger Chef bei Chelsea war vorher rausgeschmissen worden, und auf die Schnelle ließ sich kein Neuer verpflichten. Im übrigen haben Sie recht: Schuster sollte man vielleicht doch nicht, zumindest nicht vorab, so schlechtreden; bei ihm wäre, glaub ich, eher das Menschliche ein Problem, weniger sein Fachwissen.
Egal wer kommt: Er wird an seinem Vorgänger gemessen, der es geschafft hat, im dritten Jahr allenfalls noch mäßig erfolgreich zu wirken und trotzdem als große Nummer in Erinnerung zu bleiben. Zusatz: Was Veh auszeichnete, war aber wohl seine zweifelsfreie Autorität in Mannschaftskreisen; so etwas hat nicht jeder und kann auch nicht jeder aufbauen.
Es bleibt somit noch einige Tage spannend … (Otto A. Böhmer/Wöllstadt)

Baumhausbeichte - Novelle