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Montagsthemen (vom 5. Mai)

Schade, dass nicht beide Mannschaften drei Punkte gewannen. Womit klar ist, dass ausnahmsweise mal nicht von FCB oder BVB die Rede ist, auch nicht von der Frankfurter Eintracht, denn die hatte diesmal ganz gewiss keine drei Punkte verdient. Gemeint sind die beiden Klubs, die in dieser Saison ganz vorne stünden, wenn nicht die gesammelten Punkte zählten, sondern der gewonnene Respekt: Eintracht Braunschweig und der FC Augsburg. Dass die einen noch Chancen auf den Klassenerhalt, die anderen auf die Europa-Liga haben, ist größter Ehren wert. Leider sind beider Chancen nur sehr, sehr vage.
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In jedem Fall aber steigt zumindest eine jener beiden Mannschaften ab, die Gegenmodelle von Braunschweig und Augsburg sind. Beim »Club« und beim HSV wurde mit Fleiß daran gearbeitet, das für ihre Fans Unvorstellbare vorstellbar zu machen – eine Bundesliga ohne sie. Schuld sind weniger die Spieler und schon gar nicht die (zu) spät berufenen aktuellen Trainer. Beim HSV ist das Gebälk weiter oben morsch, in Nürnberg fiel der vorletzte Trainer vor allem durch Image-Kampagnen in eigener Sache auf. Verbeek gab fast so viele Interviews wie Trainingsstunden (die er gerne auch mal ausfallen ließ), immer markig, deftig und die eigene Vita (Boxen!) betonend. Gerne verglich er Fußball mit seinem früheren Sport, und wenn man diese Vergleiche fortsetzt, zeigte er am Schluss keine Nehmerqualitäten, als er sich vom – na klar, sehr impulsiven, aber doch kreuzbraven – Freiburger Trainer beleidigt fühlte und über Streichs »Respektlosigkeit« jammerte, mimosenhaft eingeschnappt ein klärendes Gespräch verweigerte und stattdessen weiter jammerte und jammerte.
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Als Verbeek in Nürnberg knockout war, sagte Streich: »Ich versuche, gegen menschliche Gefühle wie Schadenfreude anzuarbeiten, einfach ist es aber nicht.« Die meisten Kommentatoren warfen ihm dafür mieses Nachtreten vor. Warum eigentlich? Weil sie selbst im Land der Schadenfreude leben und sich gar nicht vorstellen können, dass jemand tatsächlich gegen das unschöne Gefühl in sich ankämpfen könnte? Und weil sie daher den Satz als besonders mies-hinterlistig artikulierte Schadenfreude interpretieren?
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Wer von den Hoeneß-Hassern kämpft gegen das Gefühl der Schadenfreude an? Ich bin weder Freund noch Feind und fühle erst gar keine Schadenfreude über den Fall des – wie ich ihn einschätze, ohne ihn zu kennen – überwiegend guten Mannes. Allerdings unterlief dem jetzt schon von Freund und Feind schmerzlich Vermissten ein verbales Eigentor, als er in seiner Rede am Freitag den Journalisten, die über ihn Hässliches geschrieben hatten, vorwarf, sie wollten nur »Kohle verdienen, und das ist frevelhaft«. Kohle verdienen frevelhaft? Das sind in der Tat ganz neue Hoeneß-Töne.
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Apropos Bayern: Hat sich Lewandowski ganz genau angeschaut, wie es Götze geht? Und meint Guardiola es wirklich ernst, wenn er sagt, sein System sei unverhandelbar, er benötige aber die »richtigen« Spieler dafür? Also andere? Das erinnert an Brecht: »Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?«
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Und sonst? Schalke und Leverkusen haben sich prima berappelt. Vor allem Schalke könnte die Zukunft gehören, was auch am Nachwuchstrainer Norbert Elgert liegt, aus dessen Teams es immer wieder blutjunge Spieler in den Profikader schaffen (und manche, wie Özil oder Neuer, schon viel weiter). Elgert selbst scheint aber nicht vom Jugendwahn besessen. Dem »Kicker« sagte er jetzt: »Sollte ich irgendwann mal Bundesliga trainieren, werde ich das tun. Ich weiß nicht, ob das je der Fall ist, aber ich schließe es nicht aus.« Irgendwann? Der Mann ist 57 Jahre jung.
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Bernie Ecclestone hat noch ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel, aber dafür seine Zukunft schon hinter sich. Vor Gericht in München beeindruckt er auch mit schauspielerischen Qualitäten. Scheidungsverarmte Männer beeindruckt aber vor allem, dass ihm seine Ex-Frau jährlich 100 Millionen Dollar zahlt (Quelle: »Welt«). Reicht für den Unterhalt. So ein kleiner Mann isst ja nicht viel.
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Auf der anderen Seite der Welt steht ein Mann vor Gericht, bei dem manche Beobachter ebenfalls beachtliche schauspielerische Qualitäten entdeckt haben wollen: Oscar Pistorius. Er habe sogar extra Schauspielunterricht genommen, um überzeugend in Tränen auszubrechen und bei passender Gelegenheit (blutige Tatort-Bilder) in einen stets bereitstehenden Kübel zu erbrechen.
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Aber wohlgemerkt, das sind nur Gerüchte. Pistorius weist sie empört zurück. Ich will ihm glauben, auch in der Mord-Causa. Denn ich versuche, gegen miese menschliche Gefühle anzuarbeiten. Einfach ist es aber nicht.
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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