Archiv für April 2014

Karfreitag, 18. April, 7.10 Uhr

Draußen nass und kalt, nachdem es gestern so sonnigwarm war, dass es mir die Tränen in die Augen und das Wasser in die Nase getrieben hat – die Heuschnupfensaison hat begonnen!

Aber die Sonne scheint sich wieder durchzusetzen, und der Heuschnupfen ließ sich nicht vom nächtlichen Regen vertreiben. Der bleibt mir jetzt treu bis Anfang Juli.

Die Kälte kommt von einer kleinen  Kühlzelle über Deutschland. Ein Kaltlufttropfen? Oder ein Kaltluftpfropfen? An das schöne Wort erinnere ich mich, aber nicht exakt. Da war doch mal was …? Muss nachher mal in mein Archiv einsteigen. Auch wegen anderer  Dinge, die für den „Sport-Stammtisch“ in Frage kommen.

Welche Schlüsse soll der Leser ziehen (siehe „Mailbox“)? Der Autor hält sich bedeckt, gibt nur Nebenfragen zu bedenken: Ein Feigling? Warum hat er N.N. nie auf die Sache angesprochen? Ein Maulheld? Hätte er, wäre er dabei gewesen, wirklich den Satz gesagt, den er hätte gesagt haben wollen? Schwingt bei dem Autor bei fast allem, das er schreibt, nicht immer auch die unausgesprochene Prämisse im Text mit, die kritisch auf ihn selbst verweist?

Na ja, mittlerweile vielleicht, hoffentlich. Der junge Volontär in seinem jungen Journalistsein stellte die Altenheim-Sonderseite unter die Schlagzeile: „Altenheime – Wartezimmer des Todes?“ … und war auch noch mächtig stolz darauf. Glaubte, ein sehr mitfühlender Mensch zu sein, freute sich aber über seine Schlagzeilen-Kreation, mit der er auf den Gefühlen anderer rumtrampelte. Lasst doch der Jugend ihren Lauf …?

Jetzt suche ich Ostereier für den „Sport-Stammtisch“. Tendenz: bunte Mischung, Sport nur als Vehikel für Dies & Das, das freut die liebste Zielgruppe. Bis dann.

 

 

Veröffentlicht von gw am 18. April 2014 .
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Mittwoch, 16. April, 17.40 Uhr

Gestern in der Stadt, die sich für die Landesgartenschau herausputzt. Bericht von C.: Vor einem bepflanzten Kübel stehen ein städtischer Angestellter sowie ein Mann und ein Junge, offenbar sein Sohn, offenbar Türken. Der Junge fragt den Deutschen, was das bedeutet. Der Angestellte sagt, das sei ein sich selbst versorgendes Biotop (oder so, ich hab vergessen, was C. gesagt hat, ist auch für diese Geschichte ohne Belang). Der Junge sieht den Vater fragend an, der erklärt es ihm, beide sprechen mit dem Angestellten in sehr gutem Deutsch. Dann wendet sich der Vater seinem Jungen zu, beide sprechen miteinander türkisch. Da kommt forschen Schrittes der alte N.N. vorbei, zünftig altdeutsch gekleidet,  und zischt im Vorübergehen: „Deutsch müsste man können.“

Schade, dass ich nicht dabei war. Ich hätte ihn laut und fröhlich begrüßt: „Hallo, Herr N.N., immer noch das alte Arschloch?!“

Rückblende. Frühe 70er Jahre. Ich bin junger Volontär im ersten Monat. Im Ressort von N.N., der aber in Urlaub ist. Sein Vertreter aus einem anderen Ressort, dem meine ersten kleinen Artikel gefallen haben, stellt mir eine schöne Aufgabe: Ich soll verschiedene Alten- und Pflegeheime in Gießen und Umgebung besuchen, mit Menschen dort sprechen und eine Seite darüber schreiben. Eine ganze Seite! Und eine ganze Woche Zeit dafür! Wunderbar (so etwas ist heute, wenn überhaupt, nur noch in den großen Zeitungen und Zeitschriften möglich). Ich mache mich an die Arbeit, spreche mit den Leuten. Auch mit Leitern und Pflegepersonal. In einem großen privaten Altenheim gruselt es mich: Alte Menschen, kranke, gesunde, demente, zusammengepfercht mit sehr viel Jüngeren, die offenbar psychisch stark gestört sind. Die Leiterin, eine sehr resolute Frau, die mit Personal und Bewohnern ebenso umgeht, fasst Vertrauen zu mir, vielleicht, weil ich als damaliger Kraftsportler wirkte wie ein gemütlicher, leicht doofer Teddybär. Sie klagt mir ihr Leid: Überlastung, zu wenig Personal, so dass „sogar die Putzfrauen Spritzen setzen müssen“. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen, das kommt in den Artikel. Der erscheint, und sofort ruft der Manager der KG an, zu der das Heim gehört. Scheisst mich zusammen, verlangt eine Gegendarstellung. Ich erkläre ihm: In einer Gegendarstellung muss die Wahrheit stehen, und die Wahrheit habe ich ja geschrieben. Er könnte ja mal versuchen, eine Gegendarstellung durchzusetzen, auf die Gefahr hin, dass ich die Sache mit den Putzfrauen beweise, was für sein Heim alles nur noch schlimmer mache. Ich böte ihm aber an, einen Leserbrief zu schreiben: Da kann er über mich herziehen, wie er will, schimpfen und mich der Lüge bezichtigen, ich würde alles unverändert abdrucken, das sei mein Verständnis von Fairness. Mein böser Hintergedanke: Wenn der Brief kommt, veröffentliche ich ihn zwar in der Tat unverändert, hänge aber einen redaktionellen Schwanz an, in dem ich von dem Telefonat berichte.

Was natürlich, in meiner Unwissenheit über redaktionelle Abläufe, sehr anmaßend gedacht war. Ich hörte dann nichts mehr von der Sache. N.N. kam aus dem Urlaub zurück. Und plötzlich stand der Leserbrief in der Zeitung, mit wüsten Beschimpfungen, ich sei ein Lügner und ein dummer Kerl dazu. Ohne Anmerkung, ohne dass N.N. mir etwas gesagt oder mich gar zum Sachverhalt befragt hätte.

 

„Hallo, Herr N.N., immer noch das alte Arschloch?!“

 

 

Veröffentlicht von gw am 16. April 2014 .
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Sonntag, 13. April, 6.55 Uhr

Dritte Verrichtung des Morgens: Im früher „Ticker“ genannten Agenturmaterial nach der NBA geguckt. Dallas schlägt Phoenix 101:98. Mehr als das nackte Ergebnis noch nicht bekannt, aber damit müsste Dallas durch sein. Freut mich, für Dirk Nowitzki und mich, denn ohne ihn hätten mich die Playoffs wenig bis nicht interessiert. So borniert bin ich.

Zweite Verrichtung während der ersten: In der Süddeutschen vom Freitag das „Geld“-Interview mit Eckhard Henscheid gelesen. Tolle Interview-Reihe sowieso, aber diese Folge ist ein Hochlicht. Unter anderen Umständen hätte ich mir vor Lachen in die Hose machen können, aber wegen der ersten Verrichtung bestand die Gefahr nicht. Henscheids Schlussbemerkung (über Löw) kommt in die OWW-Kolumne. Hier meine weiteren Favoriten: Über seine Arbeit als Werbetexter: „Nur einmal. Es waren drei Sprüche für neue Produkte der Firma Maggi: ‚Dein Lob ich knabbernd sing, o mio bello Pizzaring.‘ (…) Das dritte war eine Demonstrationsschlange mit der Zeile: ‚Leute, Leute, seid nicht bange, dies ist nur die Knabber-Schlange.‘ Das brachte das damals immense Honorar von 400 Mark.“ /  „Ich galt als der die deutschen Gerichte am meisten belästigende Nachkriegsautor. Die größeren Beträge musste ich an die Unternehmensberaterin Gertrud Höhler und den Heinrich-Böll-Sohn Rene für journalistisch-polemische Artikel zahlen.“ – Sie nannten Böll einen „steindummen, kenntnislosen, talentfreien Autor“.  – „Da musste ich nur die Anwalts- und Gerichtskosten übernehmen, aber ich hatte es bis vors Bundesverfassungsgericht getragen, weil ich testen wollte, inwieweit mir der völlig unterbelichtete Sohn  eines Nobelpreisträgers Vorschriften machen kann.“ /  Frau Höhler nannten Sie  eine „aufgescheuchte Schwerverrückte“ (…) – „Ich musste 20 000 Mark zahlen. Jedes Wort kostete also 5000 Mark.“ / Über Marcel Reich-Ranicki: SZ: „2013 leider gestorben“ – Henscheid: „Nicht leider (…), spät genug“. „Er war auch eigentlich kein Literaturkritiker, sondern ein Simulant. (…) Die Literatur, die reine Schönheit der Worte, hat ihn überhaupt nicht interessiert, zum letzten Mal vielleicht 1950. Es ging ihm nur um das Gemache drum herum, Sachen drehen, intrigieren.“

Da stellt sich natürlich die Frage, und die SZ stellt sie: Woher kommt eigentlich Ihr Zorn? – Henscheid sagt, manchmal sei es eine  „vorgetäuschte Erregung, als Stellvertreter für die Öffentlichkeit“, aber „hinzu kommt“ … und hier kommt für den Verrichtungs-Leser obige Gefahr sehr drängend hinzu …  „eine gewisse pädagogische Leidenschaft. Bei der Ex-Bischöfin Käßmann musste man zum Beispiel der Öffentlichkeit  zäh erklären, dass diese Frau einfach eine infantile Närrin ist, die meistens Frauen hereinlegt. Ein Monster.“ – Ist „Monster“ nicht ein bisschen viel? – „Nein. So ähnlich wie Frau Höhler, die zwölf Bücher mit dem einzigen Gedanken vollgemacht“ …. vollgemacht? … „hat, dass Leistung Lust macht und Lust Leistung, hat Frau Käßmann nichts anderes mitzuteilen, als dass man ‚den Gesprächsfaden  mit Gott nicht abreißen lassen darf‘, und zwar – es richtet sich an Frauen – in Konditoreien  bei einem guten Stück Kuchen. Eine Bischöfin, die so ein Zeug verkündet, die nenne ich schon Monster. Also gut: Monsterl.“

Und in „Ohne weitere Worte“ folgt, was Henscheid auf die Frage antwortet, ob Löw Weltmeister wird.

Für mich folgen Kaffee, Kuchen, die FAS, die Wochenend-SZ, der Agentur-Check und die Montagsthemen. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 13. April 2014 .
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Freitag, 11. April, 17.20 Uhr

Werkstattbericht. „Sport-Stammtisch“ mit mehr Mühe als normal geschrieben. Hoffentlich merkt man’s nicht. Warum es heute nicht richtig lief und manchmal wie von alleine: keine Ahnung, auch nach hundert Jahren Kolumnenschreiben nicht.

Im Stammtisch Kritik an Klopp-Artikel in der „Zeit“. Zu böse? Eigentlich sollte es nur sanft ironisch werden, aber wenn’s nicht läuft, dann holpert’s halt.

Zur Frage in der „Mailbox“ (bitte dort nachlesen): Ich weiß es nicht, lieber Herr Franz. Ich weiß aber, dass ich froh wäre, wenn meine jährlichen Geschäftsbilanzen knapp unter der Inflation im Gewinnbereich liegen würden.

Ich weiß auch nicht, warum nach der „Antisemitismus“-„Nach-Lese“ vor einer Woche (siehe „gw-Beiträge Kultur“) keinerlei Reaktionen kamen, weder von politisch-korrekter Seite noch von denen, deren Beifall mir unangenehm wäre, und leider auch nicht von jenen, auf deren Meinung ich Wert lege. Ich bilde mir wirklich nicht viel auf mein Kolumnenschreiben ein, aber Reaktionen gibt es so gut wie immer. Antisemitismus als Thema: Ein zu heißes Eisen, zumindest ein zu heikles?

Dass der Stammtisch nicht rund lief, liegt vielleicht auch an den zu vielen Themen, die ich mir vorgenommen hatte. Hier die Stichworte, die nicht durchgestrichen werden konnten:

Bundestrainer heißt (noch?) nicht Klopp, sondern Löw, sein Gegenmodell.

Was Barcelonas Tiki-Taka-Ballgeschiebe wirklich wert ist, sieht man, wenn Messi einen schlechten Tag erwischt.

Wichtigster BVB-„Neuzugang“ für die kommende Saison: Ilkay Gündogan; mit ihm fehlte zentral der Genialitäs-Unterschied, wie demnächst auch bei der WM.

Allianz Frauen Bundesliga: Hier im Blog heute erst- und danach letztmals geschrieben. Bei mir spielt nicht die Allianz-Liga in der Commerzbank-Arena um den Deutsche-Bank-Pokal; Quizfrage: In welchem deutschen Sport wurde erstmals eine Liga nach einem Sponsor benannt? War es Basketball, Bier, Veltins? Natürlich gilt der Verzicht nur für meine Kolumnen, aber wenigstens dort gönn‘ ich es mir; hab ja sonst nix; siehe Geschäftsbilanz; Spüre ich Leser-Trost? Danke. Schluss mit dem Quatsch.

Weiter mit dem nicht Durchgestrichenen: Beim Homm-Komplex nicht unterbringen können: Kölmel, Eintracht Braunschweig, Verlag 2001, Eintracht Frankfurt, Rainer Leben, abgetaucht? untergetaucht?, der ganze Kladderadatsch von damals.

Hopfner, Watzke, Lügen, Unwahrheit, Kreter, Glaubwürdigkeitsproblem

Schwächeln die Bayern? Mitte der Saison zeigten sie Fußball vom anderen Stern, jetzt „nur“ noch prima Fußball von dieser Welt.

Der Fußball, die Experten, die Schiedsrichter und das motivierte logische Denken.

Machata: Meine Meinung bei Olympia und jetzt der Freispruch.

Hopp, sein Hoffen, dass sich Hoffenheim ab ca. 2018 selbst finanzieren kann und mein Umkehrschluss dazu (aber mit dem cetero censeo, dass H. ein echter Mäzen ist und mir lieber als jeder Olig-arsch) (fällt mir jetzt auf: hat das schon jemand so verballhornt? Muss ich mal googeln; falls nicht, Copyright für mich)

 

Ganz schön viel Unerledigtes aus der Werkstatt im Stein(es)bruch. Einiges werde ich wohl noch aufpolieren. Bis dann.

 

 

Veröffentlicht von gw am 11. April 2014 .
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Sonntag, 6. April, 8.50 Uhr

Während der Kaffee-/Lesepause schon die ersten Mails zum Blog (siehe „Mailbox“). Noch finde ich nicht den richtigen Einstieg in die „Montagsthemen“ (das viele Material im „Bruch“), zumal ich nun noch unter dem Erwartungshaltungs-Druck zweier geschätzter Stamm-Leser stehe (übrigens beide aus sehr unterschiedlichen Warten, aber beide sehr klug und sehr belesen).

Zu den Brocken im Stein(es)bruch gehören auch, altes Thema mit neuem Blickwinkel,  die jungen Fußballprofis und ihre „Heimerziehung“, die eine Heimsuchung sein kann / ebenfalls ein altes Thema mit neuem Material: Wer an den Urknall glaubt, hat selbst nen Knall (Neues zur „Inflationstheorie“ und zu meinem alten Freund Andrei Linde; dazu auch was zu Mohamed El Naschie, dem Felix Krull der Szene) / Altes von mir zur neuen  Diskussion um „Die Neger“ von Genet / Die Mär vom „reichen“ Mainz im Vergleich zum „armen“ Frankfurt (mit „Kicker“-Material zur vergleichsweise miesen Transferbilanz der Eintracht; evtll. verquickt mit Rudi Völler und einem Vergleich mit Bernd Hölzenbein, mit Bedenken, da leider für beide Sympathen nicht schmeichelhaft, dazu noch ein bisschen Hopp und Löw … wie soll ich das bloß alles unterkriegen? Indem ich mich nicht unterkriegen lasse und ans Werk gehe, mit Mut zur Lücke und zur Komplettweglassung. Auf geht’s. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 6. April 2014 .
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