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Ohne weitere Worte (vom 23. April)

Er überraschte sofort mit seinem eleganten Deutsch. Dann allerdings (…) verblüffte er seine Zuhörer eher mit schwindenden Deutschkenntnissen. (…) Also hat Guardiola auch an der deutschen Sprache nicht versagt, er hat sie nur hinter sich gelassen. (Theaterkritiker Peter Kümmel in seiner Fußball-Kolumne in der Zeit)
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»Matthias hat eine große Nase«, sagte er lächelnd. Doch ehe man sich jetzt fragt, wozu in einer Kuscheloase eine große Nase gut sein sollte, muss man wohl auch dieses Bild übersetzen: Sammer habe halt einen guten Riecher für die Mannschaft, das hat Guardiola gemeint. (Süddeutsche Zeitung)
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Er fusioniert die Sprachen, wie er auch die bestehenden Stile des Fußballs, das taschenspielerische Tiki-Taka aus Spanien und das stur-solide Langpassspiel des Nordens, fusioniert. Der Redner Guardiola erinnert ein wenig an einen jungen Eisbären, der von einer schwankenden Eisscholle zur nächsten flieht – ungefähr so rettet sich der Trainer von einer Wortschatzlücke zur nächsten, von einer Sprache in die andere. (Kümmel/Zeit)
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Pep Guardiola ist nicht Gott. Sagt er. Und ich bin froh, dass er das klargestellt hat. (…) Selbst Gerhard Schröder, der Straßenfußballer unter den Altkanzlern, kokettiert: »Ich bin nicht Gott und die Agenda 2010 nicht die Zehn Gebote.« Und nur zur Sicherheit sei Ihnen versichert: Ich bin auch nicht Gott. (aus einer Kolumne von Bettina Weiguny in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Das Land wollte keine Minarette und keine zusätzlichen Ausländer, aber es übt auf seine Weise internationale Solidarität: Man hilft deutschen Sündern beim Umgang mit ihrem überzähligen Geld. Man integriert sportliche Ausländer aus ehemaligen Krisengebieten wie Shaqiri, Dzemaili und Mehmedi. (…) Und jetzt schützt man via Zertifikat fremde Wälder.  (Zeit über das »Bombenresultat« der Schweiz bei den Kyoto-Vorgaben)
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»Es ist immer noch relativ einfach in Deutschland, unbehelligt zu bleiben. So lange die Boris Beckers dieser Welt in jede Talkshow rennen (…), können Leute wie ich relativ ruhig leben.« (Bela B. von den »Ärzten« im taz-Interview über Prominenz)
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»Wir haben in Ungarn so eine Sitte, dass wir am Ostermontag die Frauen begießen, damit sie nicht verwelken.« (Eintracht-Legende Istvan Sztani, zitiert im Höchster Kreisblatt)
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In fünf Jahren täglichen Trainings habe ich es nun so weit gebracht, dass ich mit den Fußzehen alles vom Boden aufheben kann. Wäsche ohne weiteres, schwieriger schon Zeitungen oder meinen Kamm. Den Kamm schiebe ich dann bis an den Rand der Treppe, lasse ihn halb überstehen und greife sodann  mit den Zehen zu. Hierbei ist die große Zehe absolut unentbehrlich. Stelle mir vor, ich träte in einer Fernsehshow auf. (aus »Alkor – Tagebuch 1989« von Walter Kempowski)
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Manche haben in ihrem Zivildienst Spuren hinterlassen. Wie mein Schulkollege Stefan K. Der wurde OP-Helfer und brachte leider sein Orientierungsproblem mit. Dementsprechend fand er den Weg in die Pathologie nicht und lief mit einem frisch amputierten Bein durch die Empfangshalle des Krankenhauses. Er war anschließend von weiteren Botengängen komplett befreit. (aus der FR-Kolumne »Lieber Herr Thadeusz!«)
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Dass er sich gerne als Strichjunge verkleidet in Tavernen herumtrieb und Kamelfersen aß, mag man dem Caesaren verzeihen. Die Vergabe von Ehrenposten an Bewerber nach der Größe ihres Geschlechtsteils lässt schon eher zweifeln. (Spiegel über den römischen Kaiser Elagabal)
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Da erreicht uns soeben die Eilmeldung, dass Liliana M. (…) in New York wegen des Verdachts auf Kreditkartenbetrug vorübergehend festgenommen worden war. (…) Ihr Ex, also Lothar Matthäus persönlich, zeigte sich davon nicht sonderlich überrascht. (…) »Ich habe mich schon immer gefragt, von was sie lebt.« (FAS)

Baumhausbeichte - Novelle