Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Welche Schlüsse soll der Leser ziehen? (zum Blog)

Das ist eine schöne Geschichte, der es– wie einer ordentlich erzählten Kurzgeschichte – an nichts fehlt: die Motivik ist ebenso vorhanden wie der »Plot« (einen schön geflochtenen Kranz nennt es Fontane, wenn er die Machart, das Herstellen von Kurzgeschichten  bzw. Novellen erklären will). Nur: es fehlt das Ende, die Auflösung. Eine Kurzgeschichte – eine Novelle – braucht ein Ende, das eine Art Aussage, Lehre (Dichtung ist immer didaktisch, ich halte diese Auffassung gegen jeden Widerspruch aufrecht) braucht.

Dazu aber ist entscheidend zu wissen, warum die Geschichte erzählt wurde. Keiner Ihrer Leser/innen kann annehmen, dass Sie uns mitteilen  wollten, dass ein bekanntes Arschloch sich erneut als ein solches betätigt hat. Natürlich gibt es denkbare Intentionen, die Sie mit dieser Geschichte verbinden könnten: die Motivreihe »altdeutsch«, »Ressortleiter« im Jahre 1970, offenkundig äußerst wirtschaftsfreundlich, dummdumpf hinsichtlich anderer Kulturen mit den entsprechenden Vorurteilen deutet auf eine Geschichte hin, die entweder wie ein Märchen endet (NN wird durch die Eloquenz der beiden Ausländer aus einer misslichen Situation gerettet) oder tragisch mit  verdienter Strafe für NN (NN spricht nur unzureichend Hochdeutsch weil stark dialektal geprägt, die beiden, die ihn retten könnten, verstehen ihn nicht und müssen sagen:  »Deutsch müsste man können«). Warum aber haben Sie die Geschichte erzählt? Weil sie hingeschrieben werden wollte? Das kommt selten und dann auch nur bei den Figuren Thomas Manns vor. Welche Schlüsse soll der Leser ziehen?

Ich bleibe ratlos zurück, freue mich aber sehr über diese Geschichte. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild)

Baumhausbeichte - Novelle