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Uwe Lemke: Pelops

Bei dem Gesuchten handelt es sich zweifellos um Pelops, dem Namensgeber der griechischen Halbinsel Peloponnes. Dessen Vater Tantalus hatte den Knaben zerstückelt (dieses als Misshandlung zu bezeichnen, ist in der Tat eine Beschönigung) und gekocht den Göttern als Speise vorgesetzt, um deren Allwissenheit auf die Probe zu stellen. Da die Götter dies aber bemerkten, und die griechischen Götter sehr rachsüchtig waren (auch, weil Tantalus  Nektar und Ambrosia von den Göttern gestohlen hatte), wurde der Vater mit den Tantalusqualen bestraft: Bis zum Hals im Wasser stehend, welches sich senkt, sobald er versucht zutrinken und über sich Früchte hängend, welche durch Sturm nach oben gedrückt werden, sobald er sie pflücken will. Erschwerend kommt hinzu, das Tantalus durch den Genuss der Götterspeise und des Göttertranks unsterblich wurde und daher die Qualen ewig dauern.

Pelops hingegen wurde von den Göttern wiederbelebt.

Der Betrug des Pelops bestand darin, dass er in einem Wagenrennen, welches er als Freier der Hippodameia, der Tochter des Königs Oinomaos, gegen diesen bestreiten musste, geflügelte Pferde einsetzte, welche ihm Poseidon geschenkt hatte. Außerdem erhielt er Hilfe durch den Wagenlenker des Oinomaos, Myrtilos, welcher die Eisennägel am Wagen des Königs durch schwarzes Wachs ersetzte (Rückversicherung). Dadurch verlor der Wagen während des Rennens die Räder, und Oinomaos wurde zu Tode geschleift (Sportunfall?). Oinomaos kämpfte allerdings auch mit unfairen Mitteln, benutzte er doch Pferde, welche ihm sein Vater Ares geschenkt hatte. Deshalb konnte er es sich auch leisten, seine bisherigen Gegner vorausfahren zu lassen und noch dem Zeus einen Widder zu opfern. (Warum erinnert mich diese Geschichte an gw’s Lieblinsthema, welches er, selbstgewählt, nicht mehr aufgreifen darf?)

Myrtilos, welchem Pelops als Lohn die Hälfte des Königreiches versprochen hatte, wurde von diesem ins Meer gestürzt, als er seinen Anteil (und die Königstochter?) verlangte. Im Sterben verfluchte Myrtilos Pelops und seine Nachkommen. Dieser Fluch endet erst mit Orestes, aber das hat mit „Wer bin ich?“ eventuell nicht mehr allzuviel zu tun. (Uwe Lemke/Wöllstadt)

 

Baumhausbeichte - Novelle