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Dr. Roland Bitsch: Pelops

Nach dem Ausflug in die germanische Sagenwelt nun wohl ein solcher
in die griechische Mythologie. Bei der gesuchten Person kann es sich
nur um den Sagenhelden Pelops, Sohn des Tantalus
handeln. Für eine erfolgreiche Brautwerbung um die Königstochter
Hippodameia mußte Pelops zuvor seinen potentiellen Schwiegervater
Oinomaos im Wagenrennen besiegen, der bisher alle Rennen mit
vorherigen Kandidaten gewonnen hatte. Diese Überlegenheit war nur
möglich infolge der nur ihm verfügbaren windschnellen Pferde, die
ihm sein Vater, der Kriegsgott Ares, geschenkt hatte. Der von Pelops
bestochene Wagenlenker Myrtilos manipulierte den Wagen des Königs,
so daß dieser beim anschließenden Rennen zerbrach und Oinomaos zu
Tode kam. Damit war der Weg frei für Pelops zur ehelichen Verbindung
mit der Königstochter. Das mythische Wagenrennen soll auf jener
Halbinsel stattgefunden haben, die fortan den Namen des Siegers
trägt: Pelopis Näsos (Pelops Insel) = Peloponnes.

Pelops trat mit diesem schlimmen Betrugsmanöver in die Fußstapfen
seines Vaters. Tantalus hatte nämlich seinen Sohn als Kleinkind
geschlachtet (!) und den Göttern als Mahl vorgesetzt, um deren
Allwissenheit zu testen. Diese merkten jedoch die betrügerische
Untat, setzten die Körperteile wieder zusammen und erweckten den
kleinen Pelops erneut zum Leben. Tantalus wurde zur Strafe in die
Unterwelt verbannt und erleidet dort ewige Tantalusqualen. Pelops
wollte übrigens die Spuren des manipulierten Wagenrennens beseitigen
und hat den bestochenen Myrtilos ins Meer gestürzt, worauf dieser
das Geschlecht des Pelops, die  Peliden, für alle Zeiten verfluchte.

Wirft diese mythische Erzählung nicht ein bezeichnendes Licht auf
den von Grund an schäbigen bis kriminellen Charakter des Menschen,
der schon seit Urzeiten besteht und nur von einem dünnen Firnis
namens Kultur und Zivilisation überdeckt wird ? (Dr. Roland Bitsch/Gießen)

Baumhausbeichte - Novelle