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Sonntag, 13. April, 6.55 Uhr

Dritte Verrichtung des Morgens: Im früher “Ticker” genannten Agenturmaterial nach der NBA geguckt. Dallas schlägt Phoenix 101:98. Mehr als das nackte Ergebnis noch nicht bekannt, aber damit müsste Dallas durch sein. Freut mich, für Dirk Nowitzki und mich, denn ohne ihn hätten mich die Playoffs wenig bis nicht interessiert. So borniert bin ich.

Zweite Verrichtung während der ersten: In der Süddeutschen vom Freitag das “Geld”-Interview mit Eckhard Henscheid gelesen. Tolle Interview-Reihe sowieso, aber diese Folge ist ein Hochlicht. Unter anderen Umständen hätte ich mir vor Lachen in die Hose machen können, aber wegen der ersten Verrichtung bestand die Gefahr nicht. Henscheids Schlussbemerkung (über Löw) kommt in die OWW-Kolumne. Hier meine weiteren Favoriten: Über seine Arbeit als Werbetexter: “Nur einmal. Es waren drei Sprüche für neue Produkte der Firma Maggi: ‘Dein Lob ich knabbernd sing, o mio bello Pizzaring.’ (…) Das dritte war eine Demonstrationsschlange mit der Zeile: ‘Leute, Leute, seid nicht bange, dies ist nur die Knabber-Schlange.’ Das brachte das damals immense Honorar von 400 Mark.” /  ”Ich galt als der die deutschen Gerichte am meisten belästigende Nachkriegsautor. Die größeren Beträge musste ich an die Unternehmensberaterin Gertrud Höhler und den Heinrich-Böll-Sohn Rene für journalistisch-polemische Artikel zahlen.” – Sie nannten Böll einen “steindummen, kenntnislosen, talentfreien Autor”.  – “Da musste ich nur die Anwalts- und Gerichtskosten übernehmen, aber ich hatte es bis vors Bundesverfassungsgericht getragen, weil ich testen wollte, inwieweit mir der völlig unterbelichtete Sohn  eines Nobelpreisträgers Vorschriften machen kann.” /  Frau Höhler nannten Sie  eine “aufgescheuchte Schwerverrückte” (…) – “Ich musste 20 000 Mark zahlen. Jedes Wort kostete also 5000 Mark.” / Über Marcel Reich-Ranicki: SZ: “2013 leider gestorben” – Henscheid: “Nicht leider (…), spät genug”. “Er war auch eigentlich kein Literaturkritiker, sondern ein Simulant. (…) Die Literatur, die reine Schönheit der Worte, hat ihn überhaupt nicht interessiert, zum letzten Mal vielleicht 1950. Es ging ihm nur um das Gemache drum herum, Sachen drehen, intrigieren.”

Da stellt sich natürlich die Frage, und die SZ stellt sie: Woher kommt eigentlich Ihr Zorn? – Henscheid sagt, manchmal sei es eine  ”vorgetäuschte Erregung, als Stellvertreter für die Öffentlichkeit”, aber “hinzu kommt” … und hier kommt für den Verrichtungs-Leser obige Gefahr sehr drängend hinzu …  ”eine gewisse pädagogische Leidenschaft. Bei der Ex-Bischöfin Käßmann musste man zum Beispiel der Öffentlichkeit  zäh erklären, dass diese Frau einfach eine infantile Närrin ist, die meistens Frauen hereinlegt. Ein Monster.” – Ist “Monster” nicht ein bisschen viel? – “Nein. So ähnlich wie Frau Höhler, die zwölf Bücher mit dem einzigen Gedanken vollgemacht” …. vollgemacht? … “hat, dass Leistung Lust macht und Lust Leistung, hat Frau Käßmann nichts anderes mitzuteilen, als dass man ‘den Gesprächsfaden  mit Gott nicht abreißen lassen darf’, und zwar – es richtet sich an Frauen – in Konditoreien  bei einem guten Stück Kuchen. Eine Bischöfin, die so ein Zeug verkündet, die nenne ich schon Monster. Also gut: Monsterl.”

Und in “Ohne weitere Worte” folgt, was Henscheid auf die Frage antwortet, ob Löw Weltmeister wird.

Für mich folgen Kaffee, Kuchen, die FAS, die Wochenend-SZ, der Agentur-Check und die Montagsthemen. Bis dann.

Baumhausbeichte - Novelle