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Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Unsportlich und schlicht gemein

Ich verwandle meinen vorläufigen in einen endgültigen Protest gegen Ihre Auffassung, bei der Performance der Bayern         sei keine „Wettbewerbsverzerrung” im Spiel. Wobei ich mich sehr beiläufig frage, welche Interessen hier verfolgt werden. Ich bedecke mich mit der passiven Form, sonst kein guter Stil übrigens. Da Sie nachgewiesenermaßen keinerlei Interessen verfolgen als jene der reinen Humanität, verstehe ich Sie überhaupt nicht mehr. Ist nicht schlimm, zuweilen  klemmt es eben.

Ihr Parallelbeispiel ist keines, jedenfalls kein treffendes. Denn: die betroffenen ausgeschiedenen Läufer hätten ja, so sagen Sie selbst, das Potential und auch die Möglichkeit gehabt, schneller, so schnell wie es ihnen möglich war, zu laufen, wohl wissend, dass  es um die Zeit geht. Weder jedoch Mainz noch Nürnberg noch sonst jemand aus der Fußball-Bundesliga waren beteiligt, hatten also irgendeine Möglichkeit, das Ganze zu beeinflussen – im Unterschied zu Ihren 800 – Meter – Läufern. Auch das Beispiel Eintracht ist keines, denn hier hat wohl niemand erwarten können, dass die Eintracht dieses Spiel in München gewinnen kann. Ihre Beispiele zeigen also noch deutlicher als zuvor, dass hier grobe Unsportlichkeit im Spiel war. Mainz,         Nürnberg und andere sind der Gnade und Laune der Bayern ausgesetzt- dies ist einfach nur menschlich, sportlich und wirtschaftlich grausam. Es ist deshalb so infam, weil niemand etwas ändern kann, nicht eingreifen, sich selbst nicht         verhalten kann – im Unterschied eben zu Ihren Leichtathleten. Ein noch stärker krasses Beispiel war das Verhalten der Dortmunder am Ende der letzten Saison, als man höchst unsportlich Hoffenheim in die Relegation gerettet hat.

Ich schreibe all dies wohl wissend, dass wir in dieser Welt wahrlich aufwühlende Probleme haben: etwa die         Kriegstreiberei 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges durch Bundesregierung und Nato. Dazu heute aber nichts weiter. Wobei seltsamerweise die SPD heftig beteiligt ist – wie anders doch 1914, wenigstens bis zur erschlichenen         Bewilligung der Kriegskredite.     (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

Nur eine sachliche Erläuterung: Der Lauf-Vergleich ist aus meiner Leichtathleten-Sicht ein treffender. Würden die beiden Topfavoriten nicht hinterherzockeln und dann locker im Endspurt nach vorne laufen, sondern von Beginn an ihre Gegner ernst nehmen und aufs Tempo drücken, würden sie für die Unterlegenen die Rolle von “Hasen” spielen, und welche Steigerungsmöglichkeiten das für die “Gezogenen” hat, weiß man (die vier Zeitschnellsten des zweiten Laufes kämen jedenfalls nicht ins Finale). Ansonsten: keine Kritik an der Kritik, ich weiß, meine Meinung ist nur für wenige nachvollziehbar. Ist aber meine, und ich bleibe bei ihr.

Baumhausbeichte - Novelle