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Sonntag, 6. April, 6.35 Uhr

Bis vor eineinhalb Jahren begleitete mich am Sonntag um diese Zeit der HR in diesen Blog, auf der Fahrt in die Redaktion. Mit dabei war manchmal auch der ziemlich räudige Fuchs (nicht im HR, sondern am Wegrand kurz vor der Stadt; ihn hat sicher längst “das Zeitliche gesegnet”; müsste mal nachschauen, woher das Wort kommt). Sehr oft mein akustischer Wegbegleiter: Pater Anselm Grün, der meistzitierte Autor der “Inspirationen” des HR (gibt’s die Sendung überhaupt noch? Ich könnte ja mal das Radio einschalten, aber als Gewohnheitstier hörte und höre ich Radio nur im Auto, zu Hause stört es mich, vor allem im Arbeitszimmer). Aber heute früh war der Pater wieder mit mir, denn vor dem Blogschreiben “dschegge” ich immer erst mal die Nachrichtenlage in den Agenturen (diesmal die Top-Meldung: Auch Australier haben Funksignale geortet, die vom verschwundenen Flugzeug stammen könnten), und da begegnete er mir heute früh wieder, der Pater Anselm Grün, interviewt von dpa. Der Mann ist lebensberatender Bestsellerautor, damit muss er viel Geld verdient haben (oder das Kloster? Keine Ahnung, ob Mönche Geld aufs eigene Konto legen können oder auf das des Klosters legen müssen), aber er braucht kein Geld, sagt er  (Ich habe auch keine Privilegien gegenüber den anderen. Natürlich, wir kriegen das Essen. Wenn ich eine Seife brauch, gehe ich zum Hausmeister und so weiter. Aber ich kauf mir normalerweise gar nichts. Ich brauche kein Geld unterwegs). Unterwegs, das heißt bei Lesungen, und da reicht ihm ein Kaffee, den ihm der Veranstalter ausgibt. Bemerkenswert. Beneidenswert. Dazu müsste man glatt ein “Inspirationen”-Textchen schreiben, Tenor: Der reichste Mann der Welt ist der, der kein Geld benötigt und zum Hausmeister geht, wenn er Seife braucht (während ich diesen Satz schreibe, merke ich, dass ich mich dabei nicht zwischen Ironie und Bewunderung entscheiden kann).

Meine Textchen, außer diesem hier zum Warmschreiben, müssen noch geschrieben werden, für die “Montagsthemen”, und auch für andere Kolumnen bleibt noch einiges übrig, denn diesmal quält mich kein leerer Themenzettel, sondern die Qual der Wahl, der Auswahl: Bayern und die Wettbewerbsverzerrung (ist keine; warum, das habe ich wohl irgendwann schon einmal geschrieben, ich finde es aber nicht mehr. Wie ich die Leser kenne, wird es sicher mindestens einen geben, der den alten Text parat hat, mit dem neu zu schreibenden vergleicht und auf inhaltliche Deckungsgleichheit überprüft) ; dazu die Veh-Aussage, gekontert mit Vehs Abschenken in München; in den Zusammenhang auch noch Vehs Mitaugsburger erwähnen, die neue Trainernummereins der Stadt / Lewandowski: Auf Sky das Spiel live gesehen, was der Junge in der zweiten Halbzeit anstellte: unvergleichlich! Dass ihn jetzt auch andere (Reif und der als Co-Kommentator gute Effe) als Besten preisen, freut mich alten Besserwisser; dazu will ich nachreichen, was ich vor zwei Jahren zu L. geschrieben  hatte, als er noch als Chancentod galt / Überhaupt, das Nachhaken in alten eigenen Texten: Ist in Wirklichkeit keine Besserwisserei (glaube ich, hoffe ich; aber wer kennt sich selbst schon so gut?), denn ich hake ja auch bei Fehlschlüssen von mir nach; es gehört zu meinem journalistischen Stil, nicht nachher alles besser gewusst haben zu wollen, sondern mich mit eigenwilliger Meinung vorab angreifbar zu machen und das später zu überprüfen, so oder so. / Torjubel: Hand am Ohr, Zeigefinger an die Lippen, das nervt immer wieder; unser alter Freund und sehr alter Ex-Kollege Manni Merz (“sehr alt” bezieht sich auf das “Ex”, der namensgleiche Manfred Merz ist kein Ex, sondern Feuilleton-Chef; ach ja, ich vergesse es immer wieder: Der wahre Ex bin ja ich, der hobbyschreibende Rentner) hat mich auf eine witzige neue Version aufmerksam gemacht (Rollator).

Heute geht’s beim Warmschreiben und Rumhacken im Stein(es)bruch ziemlich durcheinander. Noch ein paar Bröckchen: Soll ich eine Eintracht-Vorschau in der FR verulken, die weltrekordviele Sprachklischees aufwies? / Florian Homm, der schon vor vielen Jahren in meinen Kolumnen auftauchte (Basketball-Juniorennationalspieler, Neckermann-Großneffe, Großmaul, Multimillionär), bevor er abtauchte: Sitzt im Knast in Pisa, hat MS, soll in die USA ausgeliefert werden, wo ihn 250 Jahre Knast erwarten: ausgleichende Gerechtigkeit? Nein, so gnadenlos bin ich nicht. Er tut mir leid. Außerdem: Es gibt keine ausgleichende Gerechtigkeit, wenn sie mal scheinbar zu erkennen  ist, ist’s bloß seltener Zufall. / Der Erste Weltkrieg: Dazu könnte ich, bei all den Gedenk-Texten zum “Startschuss” vor 100 Jahren, eine “Nachdruck”-Kolumne beisteuern. Hatte ich schon sehr lange nicht mehr. Diesmal böte sich ein Nachdruck aus der Serie “Von Olympia nach Athen -  Auf der Suche nach der Seele des Sports” an. Weil: Die vier Jahre lang zu Beginn des Jahrtausends jeweils im Monatsabstand gelaufene Serie war die aufwendigste (ach ja: aufwändigste, daran gewöhne ich mich einfach nicht), die ich je geschrieben habe, aber leider nicht die meistgelesene (nach den Leserreaktionen zu urteilen, die im Vergleich zu meinen anderen Kolumnen selten kamen). Ich erinnere mich an Serientexte über den Beginn des Ersten Weltkriegs, da schaue ich noch mal rein und bastele gegebenenfalls daraus einen “Nachdruck” zusammen. Jetzt aber wird’s Zeit für das Basteln der “Montagsthemen”.

 

 

Baumhausbeichte - Novelle