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Der? Die? Wer? (“Wer bin ich?” vom 3. April)

Eine Frau, die alle Männer sportlich besiegt hatte. Bis sie im wichtigsten Wettkampf ihres Lebens unterlag. Einem Mann. Reingelegt, auf unfairste Weise ausgetrickst. Und die Moral von der Geschicht? Betrug im Sport / Mein liewwe Jung / Der rächt sich spät / Am …
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… aber nicht, was an diesem Vierzeiler endreimig fehlt, wird gesucht, auch nicht die betrogene Verliererin, sondern einer, der gleich zu Wort kommen wird. Denn die ausgetrickste Frau haben wir schon vor gar nicht so langer Zeit gesucht und gefunden. Sie – beziehungsweise ihr Wettkampf – dient hier nicht nur zum Aufwärmen für die neue Runde, sondern auch als erster Tipp, um den heute gesuchten Sportbetrüger zu finden. Es gibt da einige Parallelen … »Papperlapapp« … oh, er mischt sich schon ein. Bitte sehr:
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»Betrug im Sport lohnt sich nicht? Das ist doch Quatsch. Das galt weder zu meiner Zeit noch zu eurer. Na ja, Ausnahmen bestätigen die Regel, wie damals, bei dieser starken Frau. Die Jungs waren aber auch zu einfältig! Ohne Rückversicherung zu betrügen, das musste ja ins Auge gehen. Ich packte die Sache viel cleverer an. Von meinem Gegner wusste ich, dass er zuvor alle seine Wettkämpfe deutlich gewonnen hatte. Ihm stand das weitaus bessere Material zur Verfügung (was ja auch eine Art Betrug ist), so dass er sich eine Renntaktik leisten konnte wie ein spurtstarker Langstreckenläufer, der hinter dem Feld her zockelt, ein, zwei Runden vor Schluss aber zu einem unwiderstehlichen Endspurt ansetzt. Auf diese Weise hatte er schon mehr als ein Dutzend Herausforderer besiegt, was deren Gesundheit gar nicht gut tat.
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Wie sollte ich diesen Kerl bloß bezwingen? Mit fairen Mitteln war ich chancenlos. Einfacher Betrug ohne Rückversicherung, das kann böse enden, siehe oben. Ich bestach daher nicht nur den wichtigsten Mann im Lager meines Gegners, sondern suchte und fand auch Beistand bei höheren Mächten. Von diesen beflügelt und durch eine Manipulation des Saboteurs im Endspurt begünstigt, gewann ich den Wettkampf eindeutig. Dass mein Gegner dabei einen tödlichen Sportunfall erlitt – was soll’s. Es ging schließlich um Leben und Tod, das wusste er, konnte sich aber nicht vorstellen, dass es um seinen Tod gehen und ich leben würde. Wer bin ich?«
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Tja. Ein unangenehmer Kerl, dieser Sportbetrüger, den wir heute suchen. Wie wird man zu solch einer fiesen Type? Angeboren oder anerzogen, darüber streiten sich ja heute noch die Gelehrten. Bei unserem Gesuchten dürfte beides unheilvoll zusammenkommen, das Erbgut des sadistischen Vaters, ebenfalls ein Betrüger vor dem Herrn, und dessen Misshandlung des Sohnes – wobei »Misshandlung« ein Euphemismus, ein sehr beschönigender Ausdruck für das ist, was er seinem kleinen Jungen antat.
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Immerhin, der Vater scheiterte bei seinem Betrugsversuch, was Folgen hatte, die wir heute noch sprichwörtlich kennen. Der Sohn dagegen feierte nach seinem gelungenen Betrug weitere Erfolge, zwischendurch eliminierte er den Saboteur, sicher ist sicher. Er wurde unsterblich, denn nach ihm ist ein Gebiet benannt, der … die … das verrate ich nicht, denn das ist schon verräterisch genug. (Einsendeschluss: 8.April)
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle