Archiv für April 2014

Rück-Blog (vom 30. April)

»Sport, Gott & die Welt« begleitet und ergänzt im Internet die Zeitungs-Kolumnen von »gw«, die dort zusammen mit einem Blog und Leserbriefen nachlesbar sind. Da manche – sogar nicht wenige! – unserer »Anstoß«-Leser (noch?) nicht im Internet aktiv sind, veröffentlichen wir in dieser Kolumne ab und an Auszüge, diesmal aus dem Blog der letzten vier Wochen.

*****

Sonntag, 30. März: Wer gehört in die Hall of Fame des deutschen Sports? Wer sind die besten, die größten deutschen Sportler aller Zeiten? Im Grunde ein beliebiges Thema, hat außerdem mit Rankings zu tun, deren Inflation ich schon oft veräppelt habe, aber es juckt mich, weil ich damit schön provozieren könnte, und zwar nicht der Provokation willen, sondern aus tiefstem sportlichen Herzen. Das liegt nicht an meiner Nummer eins, Dirk Nowitzki, denn der wäre zwar nicht die Nummer eins der deutschen Mehrheit, würde aber von ihr akzeptiert. Meine Nummer zwei, knapp hinter Nowitzki, vor Boris Becker, wäre der Empörungsgrund: Jan Ullrich.

*

Dienstag, 1. April: Das Datum gibt wieder einmal Anlass, das Rentnerdasein zu genießen. Zwar hatte ich mich auch in den Jahren zuvor von Aprilscherzen jeglicher Art ferngehalten, doch auch die Verweigerungshaltung in der Ecke des Spielverderbers war nervig. Diese Zwanghaftigkeit, an jeder Ecke des Blattes einen Aprilscherz anzubringen! Ob der Aprilscherz eine Gemeinsamkeit mit dem Fasching hat? Datums-Humor? Jetzt kann dieser Scherzkelch endlich unbeachtet an mir vorübergehen.

*

Sonntag, 6. April: Das Nachhaken in alten eigenen Texten: Ist in Wirklichkeit keine Besserwisserei (glaube ich, hoffe ich; aber wer kennt sich selbst schon so gut?), denn ich hake ja auch bei Fehlschlüssen von mir nach; es gehört zu meinem journalistischen Stil, nicht nachher alles besser gewusst haben zu wollen, sondern mich vorab angreifbar zu machen und das später zu überprüfen, so oder so.

*

Freitag, 11. April: Werkstattbericht. »Sport-Stammtisch« mit mehr Mühe als normal geschrieben. Liegt vielleicht auch an den zu vielen Themen, die ich mir vorgenommen hatte. Hier die Stichworte, die nicht durchgestrichen werden konnten: Bundestrainer heißt (noch?) nicht Klopp, sondern Löw, sein Gegenmodell. / Was Barcelonas Tiki-Taka-Ballgeschiebe wirklich wert ist, sieht man, wenn Messi einen schlechten Tag erwischt. / Wichtigster BVB-»Neuzugang« für die kommende Saison: Ilkay Gündogan; mit ihm fehlte zentral der Genialitäts-Unterschied, wie demnächst auch bei der WM. / Allianz Frauen Bundesliga: Hier im Blog heute erst- und damit letztmals geschrieben. Bei mir spielt nicht die Allianz-Liga in der Commerzbank-Arena um den Deutsche-Bank-Pokal. Natürlich gilt der Verzicht nur für meine Kolumnen, aber wenigstens dort gönn’ ich es mir. / Quizfrage: In welchem deutschen Sport wurde erstmals eine Liga nach einem Sponsor benannt? War es Basketball, Bier, Veltins?

*

Ostermontag, 21. April: Osterspaziergang Flörsheimer Warte. Sehr beliebt in der Frankfurter Gegend, bei Spaziergängern wie Radfahrern. Ein Thema für sich. Wie sie mich wegklingeln wollen und fluchen, wenn ich hartleibig, da schwerhörig nicht sofort Platz mache. Früher kamen die Flugzeuge im Landeanflug dort geschätzte ein, zwei Kilometer weiter hinten runter, jetzt, wegen der neuen Landebahn, kann ich sie fast vom Himmel greifen.

*

Sonntag, 27. April: Es gießt wie aus Kübeln, was mich auch an erste Englisch-Schulstunden erinnert: »It’s raining cats and dogs.« Früheste Englisch-Erinnerung aber: »Bunny«, das Kaninchen im Sexta-Schulbuch. Mit schönen bunten Zeichnungen. Allererste Lektion: »Bunny has a narrow escape.« Finde ich immer noch ganz schön schwierig für den Einstieg ins Englische

*

Montag, 28. April: Gestern vom Anruf meines alten Mathe-Lehrers aus der Mittelstufe berichtet. »40 Jahre ist das her!«, schrieb ich, »H., damals ein junger Studienrat, ist jetzt 80. Komisch, und ich bin immer noch 14. Wie relativ die Zeit doch ist.« Stimmt. Denn mein Rechenvermögen entspricht keinem Vierzehn-, sondern einem Vierjährigen. Diese zehn abzuziehenden Jahre muss ich dann auf die 40 draufschlagen, denn es ist schon 50 Jahre her, dass ich in der Mittelstufe war. Ich erwähne dies nur, um den schon aufkeimenden Gerüchten entgegenzutreten, ich hätte sehr wohl richtig gezählt, sei aber zehn Mal hängengeblieben. (gw)

*

(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 29. April 2014 .
Abgelegt unter: gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

Montag, 28. April, 16.10 Uhr

Gestern in den “Montagsthemen” vom Anruf meines alten Mathe-Lehrers aus der Mittelstufe berichtet. “40 Jahre ist das her!”, schrieb ich, “H., damals ein junger Studienrat, ist jetzt 80. Komisch, und ich bin immer noch 14. Wie relativ die Zeit doch ist.” Stimmt. Denn mein Rechenvermögen entspricht keinem Vierzehn-, sondern einem Vierjährigen. Diese zehn abzuziehenden Jahre muss ich dann auf die 40 draufschlagen, denn es ist schon 50 Jahre her, dass ich in der Mittelstufe war. Ich erwähne dies nur, um den schon aufkeimenden Gerüchten entgegenzutreten, ich hätte sehr wohl richtig gezählt, sei aber zehn Mal hängengeblieben.

Und ich erwähne es auch, weil es ein hübscher Abschluss des Rück-Blogs ist, übermorgen im Blatt.

Veröffentlicht von gw am 28. April 2014 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert

Ohne weitere Worte (vom 29. April)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Erhellendes oder sonstwie Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.

*****

Sie drangen ein ins Stadion (…) mit dem gleichen Fleiß, mit der gleichen Geduld, mit der Räuber einen Tunnel buddeln. Schaufel auf Schaufel, Pass auf Pass. Ballkontakt auf Ballkontakt. Ein emsiges, eintöniges Unterfangen. Am Strafraum aber stellten sie fest: Sie hatten ihr Handwerkszeug vergessen, um zum Tor zu gelangen. Wie die Räuber, die nach tagelangem Schaufeln am Tresor ankommen und begreifen müssen: Alles fehlt, kein Bohrer, kein Brecheisen, kein Dynamit, um das Ding zu knacken. (…) Die Bayern traten auf wie Trickdiebe ohne Tricks. Wie Räuber ohne Dietrich. (Süddeutsche Zeitung)

*

Die Mannschaft, die in der aktuellen Champions League im Schnitt mehr als doppelt so viel Ballbesitz hatte wie ihre Gegner – sie ist die einzige, gegen die im Halbfinale bisher ein Tor fiel. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

*

Die Bayern verlieren gegen Real Madrid, und ganz Deutschland diskutiert. Weniger über das Spiel, sondern über den größten Fußballdenker unter unserem Himmel. Sky-Experte Franz Beckenbauer trägt jetzt Bart! Natürlich nicht so ein Hipster-Gestrüpp wie der Chef der ihm treu ergebenen Bild-Zeitung. (…) Die wangenfreie Oberlippen-Kinn-Kombination gilt bei Kennern als »Henriquatre«, in Anlehnung an einen großen französischen König, was dem aktuellen Träger allerdings vollkommen wurscht sein dürfte, wie so vieles andere auch. (Süddeutsche Zeitung)

*

»Nehmen Sie den Hoeneß-Prozess. Ein ganz toller Fall von Rechtsstaatlichkeit. Ein kurzer Prozess trotz kurzfristiger Veränderung der Sachlage verhindert gerade  die Klärung dessen, was er zu klären gehabt hätte, nämlich: Woher kam das ganze Spielgeld?« (Bazon Brock, Kunsttheoretiker, im FAS-Interview)

*

»Ich interessiere mich für Menschen am Rande der Gesellschaft, die die Regeln kennen, aber mit ihnen spielen und sie dabei hie und da umgehen. Das war auch das Erste, was ich gedacht habe, als ich von der Geschichte mit Uli Hoeneß hörte. Ich habe sofort Sympathie für ihn empfunden. Weil er gespielt hat, weil er zu weit gegangen ist. Faszinierend. (…) Die Gefängnisstrafe finde ich übertrieben. Da sollten wir lieber sagen: Lieber Mensch, versprich, dass du das nie mehr machst. Und jetzt trinken wir ein Bier.« (der holländische Schriftsteller Leon de Winter im SZ-Interview)

*

Jeden Monat bezahlt der Staat (das sind übrigens wir alle) 40 Millionen Euro für das, was dort nicht geschieht. Die gesamte von Uli Hoeneß hinterzogene Steuersumme von 28,5 Millionen Euro würde gerade drei Wochen lang reichen, um die Tatsache zu finanzieren, dass in Berlin ein Flughafen nicht in Betrieb genommen werden kann. (Axel Hacke in seiner Kolumne »Das Beste aus aller Welt« im SZ-Magazin)

*

»Mir wurde eine Stadt voller Schlaglöcher hinterlassen, mit einem Schulsystem, das am Ende ist, und mit dramatisch angestiegener Armutsrate. Hinzu kommen 14 Milliarden Euro Altschulden, zum Teil noch aus der Zeit, als Rom sich um die Olympischen Spiele 1960 bewarb.« (Roms Bürgermeister Ignazio Marino, zitiert im Spiegel)

*

Der größte Fleischkonzern Deutschlands ist dabei, sein Engagement in Russland auszuweiten. Eineinhalb Millionen Schweine sollen demnach bald in Tönnies’ Auftrag dort in 18 Anlagen geschlachtet werden. Schweinesysteme arrangieren sich eben am besten mit Schweinesystemen. (taz)

*

»Wrestling. (…) Vieles am modernen Sport, erst recht am Boxsport, orientiert sich längst daran, nur dass die Fußballfans treuherziger, letztlich doofer als das Wrestling-Publikum sind und sich noch den Bären echter Feindschaften und hasserfüllter Matches aufbinden lassen. Aber das Foulspiel zum Schein, das übertrieben schmerzverzerrte Grimassieren auf dem Rasen, das genau ist Wrestling. (Zeit)

*

»Die Wahrheit ist das Synonym für Irrsinn. (…) Wer sich im Besitz der Wahrheit glaubt, ist ein psychopathischer Fall (Brock/FAS)

*

»Amerika ist das einzige Land, in dem ein großer Teil der Bevölkerung glaubt, Wrestling sei echt, aber die Mondlandung gefälscht.« (Late-Night-Moderator David Letterman, zitiert im SZ-Magazin) (gw)

*

(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«   Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 28. April 2014 .
Abgelegt unter: gw-Beiträge Anstoß | Kommentare deaktiviert

Sonntag, 27. April, 10.10 Uhr

Nachtrag. Ich hätte es eigentlich an Walther Roebers Mail merken müssen: Die WZ-Beilage ist wohl schon ebenfalls am Samstag erschienen. Oder? Nachprüfen kann ich es hier oben auf dem Berg nicht, der entsprechende Abzweig im Tunnel fehlt. Erschienen offenbar ohne meinen Beitrag für die Gießener Beilage. Von dem hatte die WZ wahrscheinlich nichts gewusst bzw. war zu spät für deren Redaktionsschluss. Jedenfalls habe ich alleine für die Verwirrung gesorgt, indem ich den blöden, ignoranten Fehler gemacht habe, für den ich früher Kollegen ausgeschimpft habe, wenn er ihnen unterlief. Bei mir bin ich milder. Ich lasse mich nicht gerne ausschimpfen. Der Fehler: Als (Gießener) Redakteur im “Mantel” (dem überregionalen Teil aller unserer Zeitungsausgaben) kurzsichtig und nachlässig zu vergessen, dass wir für alle schreiben und nicht nur für die GAZ.

Nur für den Fall, dass die Ironie nicht angekommen ist (aber das halte ich bei den “Anstoß”- und Bloglesern für ausgeschlossen, daher ist mir der Hinweis auch peinlich, weil es immer peinlich ist, wenn man glaubt, darauf hinweisen zu müssen, wenn Ironie Ironie ist): Ich habe als Chef nie geschimpft, außer mit mir selbst. Die meisten Chefs machen es umgekehrt. Aber ich war ja nie ein richtiger Chef. Hat nur niemand gemerkt. Zum Glück.

Und das muss jetzt aber für heute wirklich genügen.

Veröffentlicht von gw am 27. April 2014 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert

Sonntag, 27. April, 9.50 Uhr

Rekord: Noch keine zehn Uhr, und schon alles erledigt. Dank seniler Bettflucht und Stein(es)bruch. Auch die “alte” Kolumne steht online, wie angedacht unter “gw-Beiträge Kultur” (dort bitte klicken), obwohl “Kultur” nicht der angemessene Ort für meinen “halux valgus” ist. Aber wo sonst?

Die zweithöchste Macht über mir hat meinen “progressiven Alttag” leicht gekürzt, vor allem die Stelle mit der Alternative zur Zigarre (huch, online ist sie ja noch da?!).

Nur die zweithöchste Macht? Ja. Aber die höchste irdische. Die andere, es gibt sie. Ich bin sicher.  Nur: Wer? Wie? Wo? Was? Warum?

Viele glauben, dass sie wissen. Viele wissen, dass sie glauben.

Ich weiß, dass ich nicht weiß, und ich weiß nicht, was ich glauben soll.

Weiß Gott!

 

Veröffentlicht von gw am 27. April 2014 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert

Baumhausbeichte - Novelle