Archiv für April 2014

Montag, 28. April, 16.10 Uhr

Gestern in den „Montagsthemen“ vom Anruf meines alten Mathe-Lehrers aus der Mittelstufe berichtet. „40 Jahre ist das her!“, schrieb ich, „H., damals ein junger Studienrat, ist jetzt 80. Komisch, und ich bin immer noch 14. Wie relativ die Zeit doch ist.“ Stimmt. Denn mein Rechenvermögen entspricht keinem Vierzehn-, sondern einem Vierjährigen. Diese zehn abzuziehenden Jahre muss ich dann auf die 40 draufschlagen, denn es ist schon 50 Jahre her, dass ich in der Mittelstufe war. Ich erwähne dies nur, um den schon aufkeimenden Gerüchten entgegenzutreten, ich hätte sehr wohl richtig gezählt, sei aber zehn Mal hängengeblieben.

Und ich erwähne es auch, weil es ein hübscher Abschluss des Rück-Blogs ist, übermorgen im Blatt.

Veröffentlicht von gw am 28. April 2014 .
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Sonntag, 27. April, 10.10 Uhr

Nachtrag. Ich hätte es eigentlich an Walther Roebers Mail merken müssen: Die WZ-Beilage ist wohl schon ebenfalls am Samstag erschienen. Oder? Nachprüfen kann ich es hier oben auf dem Berg nicht, der entsprechende Abzweig im Tunnel fehlt. Erschienen offenbar ohne meinen Beitrag für die Gießener Beilage. Von dem hatte die WZ wahrscheinlich nichts gewusst bzw. war zu spät für deren Redaktionsschluss. Jedenfalls habe ich alleine für die Verwirrung gesorgt, indem ich den blöden, ignoranten Fehler gemacht habe, für den ich früher Kollegen ausgeschimpft habe, wenn er ihnen unterlief. Bei mir bin ich milder. Ich lasse mich nicht gerne ausschimpfen. Der Fehler: Als (Gießener) Redakteur im „Mantel“ (dem überregionalen Teil aller unserer Zeitungsausgaben) kurzsichtig und nachlässig zu vergessen, dass wir für alle schreiben und nicht nur für die GAZ.

Nur für den Fall, dass die Ironie nicht angekommen ist (aber das halte ich bei den „Anstoß“- und Bloglesern für ausgeschlossen, daher ist mir der Hinweis auch peinlich, weil es immer peinlich ist, wenn man glaubt, darauf hinweisen zu müssen, wenn Ironie Ironie ist): Ich habe als Chef nie geschimpft, außer mit mir selbst. Die meisten Chefs machen es umgekehrt. Aber ich war ja nie ein richtiger Chef. Hat nur niemand gemerkt. Zum Glück.

Und das muss jetzt aber für heute wirklich genügen.

Veröffentlicht von gw am 27. April 2014 .
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Sonntag, 27. April, 9.50 Uhr

Rekord: Noch keine zehn Uhr, und schon alles erledigt. Dank seniler Bettflucht und Stein(es)bruch. Auch die „alte“ Kolumne steht online, wie angedacht unter „gw-Beiträge Kultur“ (dort bitte klicken), obwohl „Kultur“ nicht der angemessene Ort für meinen „halux valgus“ ist. Aber wo sonst?

Die zweithöchste Macht über mir hat meinen „progressiven Alttag“ leicht gekürzt, vor allem die Stelle mit der Alternative zur Zigarre (huch, online ist sie ja noch da?!).

Nur die zweithöchste Macht? Ja. Aber die höchste irdische. Die andere, es gibt sie. Ich bin sicher.  Nur: Wer? Wie? Wo? Was? Warum?

Viele glauben, dass sie wissen. Viele wissen, dass sie glauben.

Ich weiß, dass ich nicht weiß, und ich weiß nicht, was ich glauben soll.

Weiß Gott!

 

Veröffentlicht von gw am 27. April 2014 .
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Sonntag, 27. April, 5.30 Uhr

Vom prasselnden Regen geweckt. Sorgen um meine letzte Bastelarbeit, das Hochbeet. Aus Verschalungsbrettern zusammengenagelt und schwedenrot angestrichen. Der zart und keck sprießende Ruccola und das Blattsalat-Band (oder ist Ruccola auch ein Blattsalat?), ob sie das Prasseln heil überstehen? Es gießt wie aus Kübeln, was mich auch an erste Englisch-Schulstunden erinnert: „It’s raining cats and dogs.“ Früheste Englisch-Erinnerung aber: „Bunny“, das Kaninchen im Sexta-Schulbuch. Mit schönen bunten Zeichnungen. Allererste Lektion: „Bunny has a narrow escape.“ Finde ich immer noch ganz schön schwierig für den Einstieg ins Englische.

Gestern ein Anruf von Herrn H. Ob mir sein Name etwas sage? Mir fallen nur zwei ein: Ein ehemaliger Profifußballer aus dem Mittelhessischen (Matthias H.) – und mein alter Mathelehrer aus der Mittelstufe. Und der ist’s. Schöne Überraschung, ja Verblüffung. 40 Jahre ist das her! H. war damals ein junger Studienrat, jetzt ist er 80. Komisch, und ich bin immer noch 14. Wie relativ die Zeit doch ist. Herrn H. hatte unsere Klasse und er uns nur ein Jahr lang, und dennoch erinnert er sich an mich. Eigentlich sogar nur an mich, sagt er. Meinen Weg habe er verfolgt, als Sportler und als Schreiber. Warum er sich ausgerechnet an mich erinnert? Weil ich der Beste, Tollste, Klügste war? Schön wär’s. Nein, weil ich meinen großen Körper immer so überzwerch aus der Bank gehievt habe, wenn ich drankam (ja, liebe Schüler, damals stand man noch auf!). Das aber erinnerte mich an eine meiner ersten sportlichen Leistungen, vielleicht die größte überhaupt: Fast die ganze Schulzeit verbrachte ich im Liegen: Füße im Ranzenfach der Bank vor mir verhakt, Oberschenkel von unten an die eigene Bank gepresst, Schultern und Kopf auf die Bank des Hintermanns gestützt, alles mit dem Hintern auf dem Stuhl austariert, fast senkrecht auf der Spitze von dessen Kufen (gibt’s solche Kufen an den Stuhlbeinen noch?) balancierend. War sehr gemütlich, sogar ein Nickerchen zwischendurch war möglich. Liebe Kinder, gebt fein acht: Früher war alles besser, waren wir einfach besser – oder könnt ihr das auch?

O nein, bitte nicht! Ich will nicht dran schuld sein! Was blendeten die Wrestler bei ihren Stunts immer ein? „Don’t try this at home.“ Und auch nicht at school.

Wrestling. In der „Gesellschaftskritik“-Kolumne des „Zeit“-Magazins schreibt Jens Jessen über Wrestling (anlässlich des Todes vom „Ultimate Warrior“), dass dort alles „nur fingiert“ sei: „Vieles am modernen Sport, erst recht am Boxsport, orientiert sich längst daran, nur dass die Fußballfans treuherziger, letztlich doofer als das Wrestling-Publikum sind und sich noch den Bären echter Feindschaften und hasserfüllter Matches aufbinden lassen. Aber das Foulspiel zum Schein, das übertrieben schmerzverzerrte Grimassieren auf dem Rasen, das genau ist Wrestling. Ultimate Warrior ist nicht tot, er lebt in der Champions League fort.“

Stimmt natürlich, weiß ja mittlerweile fast jeder. Aber als ich vor … Moment, ich speichere ab und muss mal im Archiv nachschauen …

Bin wieder da. Also: … als ich vor zwanzig Jahren schrieb, Wrestling sei athletischer Turniertanz und die „Kämpfe“ abgesprochene, bis ins Detail choreographierte Comic Strips, wollten das die Wrestling-Fans nicht glauben, einige protestierten empört und ungläubig. Im Archiv finde ich jetzt neben diesen frühen auch meine Abschlussgeschichte zum Wrestling:

Es war einmal eine lebende Comic-Strip-Serie, die Kinder und Erwachsene, eher einfach Gestrickte und intellektuell Angehauchte gleichermaßen entzückte: die bunte Welt des Wrestlings der 90er Jahre. Hulk Hogan, Sting, Bret Hart, Randy Savage, Ric Flair, der Undertaker und wie sie alle hießen verbreiteten den Charme von Donald-Duck-Geschichten, gezeichnet von Carl Barks und getextet von Dr. Erika Fuchs. Es war die Hoch-Zeit des verspielten, selbstironischen Wrestlings (vulgo: Catchen), das im Lauf der späteren Jahre versimpelt ist – nicht mehr Donald und Dagobert, sondern nur noch Fix und Foxi. Wrestling damals: Bis ins kleinste Detail inszeniert, geprobt und dargestellt. Wie bei einem Spitzen-Tanzpaar wusste jeder, mit welcher Bewegung er sich der Bewegung des Partners anpassen musste. Wenn man sich diesen perfekt choreographierten Turniertanz muskulöser Stuntmen anschaute, wenn man dann noch den ständig wiederholten Warnhinweis auf dem Bildschirm sah (»Don’t try this at home«), dann konnte man seine helle Freude an diesem Spektakel haben – aus der ironischen Distanz. Mittlerweile bleibt nur Distanz, denn das moderne Wrestling ist öde und phantasiearm geworden. Kein Esprit mehr, nur noch Trash. Vielleicht begann der Untergang mit einem Absturz: Als Owen Hart, einer der Stars der Szene, im Mai 1998 im grellbunten Kostüm des »Blue Blazers«, einer Art Vogel, von einer 30 Meter hohen Stahlkonstruktion in den Ring stürzte. Der Karabinerhaken des Seils an seinem Gürtel hatte sich gelöst. Hart war sofort tot. Frenetischer Jubel erfüllte die Arena, während der leblose Körper im federgeschmückten Strampelanzug weggeschafft wurde. Das Publikum glaubte, der Sturz sei Teil der Show. Owens Bruder, Bret »Hitman« Hart, selbst Star-Wrestler, sagte später: »Ich bin mir sicher, dass er zehn Meter vor dem Aufprall dachte: Hier falle ich, in diesem blödsinnigen Outfit, vor all diesen Leuten, die sich einen Scheiß um mich scheren, und das war es dann.« Das war es dann auch mit dem Wrestling. Es bleibt die Nostalgie um den Hulkster oder um »Mean Jean«, jenen legendären Reporter im Ring (selbst ein Star der Szene), der mit seiner wunderbar empört-entgeisterten Mimik auch hier das Schlusswort spricht: »I can’t believe it.«

Während des Schreibens merke ich, dass dieser (meinetwegen auch dieses) Blog heute zum echten Stein(es)bruch für die Montagsthemen taugt. Mal sehen. Da müsste dann noch Klitschko rein, mit dem Maidan-Bruder in der Ecke. Und mit Michael Buffer als Ringsprecher? Weiß nicht, ich schaue mir die Fallobst-Spektakel nicht an. Buffer begann seine Karriere übrigens ebenfalls beim Wrestling.

Nicht in die „Montagsthemen“ kommt, was mir die Liebste gestern erzählt hat, als sie von der Eröffnung der Landesgartenschau zurück kam. Dort hatte ein kleines Grüppchen dagegen demonstriert, einer daraus kam auf sie zu, die in einem Grüppchen von Kollegen stand, und sagt sinngemäß: Kolumnen von „gw“ lese er gerne, obwohl er, „gw“,  manchmal ziemlich überheblich sei. Sie darauf: „Das sage ich ihm auch immer.“ Er: Ich verzeihe ihm aber, sogar, obwohl er sich als Anti-Kommunist geoutet hat.

Diese Vergebung ist sehr großherzig, da sie von einem echten und seit Jahrzehnten unbeirrbaren Kommunisten kommt: Michael Beltz, Bruder des großen Matthias, früher ein be- und geliebter Begleiter meiner Kolumnen, jetzt als Hesse im Himmel ihr Schutzheiliger.

Ob Michael Beltz (ich kenne ihn nur aus dem einen und anderen sehr angenehmen Telefonat) das „Senioren-Journal“ gelesen hat, für das meine allerliebste Zielgruppe zuständig ist? Im Online-„Stammtisch“ habe ich am Freitag darauf hingewiesen, dass ich in der am Samstag beiliegenden Zeitungsausgabe einen Beitrag über meinen „progressiven Alttag“ (mit zwei „t“ statt zwei „l“) geschrieben habe. Tags darauf fragte Walther Roeber an:

Ist das Senioren-Journal eine jeweils regional eigene Ausgabe in WZ / GAZ /AZ? In der WZ-Beilage von heute habe ich nichts von Ihnen gefunden… Schade!

Für Nur-Online-Leser aus ferner Welt, die unsere Zeitungen nicht kennen sollten (was nur in wirklich fernsten Welten entschuldbar ist): WZ = Wetterauer Zeitung, GAZ = Gießener Allgemeine Zeitung, AZ = Alsfelder Allgemeine Zeitung. Meine Antwort an unseren geschätzten Stammleser und ständigen Kolumnen-Begleiter: Das Senioren-Journal der GAZ ist heute erschienen, das der WZ kommt nächste Woche, ob meine Kolumne dabei sein wird, weiß ich nicht. In der WZ-Zeitungsausgabe sollte der hinweisende Absatz gestrichen werden, ich hoffe, es wurde auch gemacht. Die „Alttag“-Kolumne werde ich auch online stellen, wahrscheinlich in „gw-Beiträge Kultur“.

Ach ja, das könnte ich eigentlich sofort machen. Danach die „Montagsthemen“. Hier nur noch meine Antwort zur Mail von Arno Baumgärtel (siehe „Mailbox“): „Ich habe mir beim Schreiben darüber ebenfalls Gedanken gemacht, mich dann aber –
schwankend – für die „Bauernfußballregel“ entschieden, da ich eher vom
„Bauernfußball“ ausging als von der „Bauernregel“, also von einer Regel
für den Bauernfußball. Aber Ihr Einwand ist ganz sicher berechtigt.“

Und willkommen. Wie auch andere Einwände und sonstige Anmerkungen zu Blog und Kolumne. Ich weiß, dass ich viel falsch mache. Bin doch erst 14.

 

Und jetzt: Knicks, Kaffee, Kuchen, FAS, SZ und die Montagsthemen. Bis dann.

Veröffentlicht von gw am 27. April 2014 .
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Ostermontag, 21. April, 6.30 Uhr

Gescheitert. Nach Wochen eifrigsten Bemühens habe ich ungefähr auf Seite 700 des tausendseitigen „Distelfink“-Bestsellers von Donna Tard aufgegeben. Muss ja nicht am Buch liegen. Schade jedenfalls, hatte mich darauf gefreut. Mich würde mal interessieren, ob jemand das Buch mit Spannung, Interesse und Gewinn zu Ende gelesen hat.

Lese zweigleisig weiter, eine Geschichte der Religionen und ein 1989-Tagebuch von Kempowski („Alkor“). Das Religions-Buch nur in kleinen Häppchen, da anstrengend. Trotz großem Latinum und mehrjährigem Griechisch-Bemühen (oder müsste das alles im Genitiv stehen?)  kenne ich diverse Fremdwörter nicht und kann sie auch nicht herleiten, wie sonst meistens bei mir unbekannten Wörtern. Kempowski ist ein echter Schrat. Manchmal irre komisch, aber ich vermute, da ist oft unfreiwillige Komik dabei. Schratig eben. Als nächstes Buch wartet das neue von Markaris (in dem Griechenland die Drachme wieder eingeführt hat).

Ich schreibe über die Lektüre aus Hilflosigkeit dem Blog und den „Montagsthemen“ gegenüber. Einfach irgendwas schreiben, zum Aufwärmen, als Warmschreiben für die Kolumne, über die allmähliche Verfertigung der Wörter über Worte zu Gedanken zu kommen, die im Blog den Steinbruch für die Kolumne liefern könnten. Klappt heute früh nicht.

Was steht noch auf dem Zettel, übrig geblieben vom Freitag? Peloponnes, Hopp/Logik, Klopp/Löw … nicht viel. Jetzt drängt sich das Damoklesschwert in die Zeilen, als schiefes Bild für die Abstiegslage. Noch ein Reindränger: Fußball und Verballhornung. Ver-Ball-hornung. Verbal-Hornung. Mal reifen lassen. Ist ja noch Zeit.

Gestern Osterspaziergang Flörsheimer Warte. Sehr beliebt in der Frankfurter Gegend, bei Spaziergängern wie Radfahrern. Ein Thema für sich. Wie sie mich wegklingeln wollen und fluchen, wenn ich hartleibig, da schwerhörig nicht sofort Platz mache. Früher kamen die Flugzeuge im Landeanflug dort geschätzte ein, zwei Kilometer weiter hinten runter, jetzt, wegen der neuen Landebahn, kann ich sie fast vom Himmel greifen.

Eine Premiere naht: Meine erste Wie-ich-alt-werde-Kolumne für das „Senioren-Journal“, unter der redaktionellen Leitung einer mir sehr Nahestehenden (Knicks!). Ist schon geschrieben, sozusagen ehrenamtlich, wie auch das gesamte echte Redaktionsteam rein ehrenamtlich arbeitet. Ich staune bei jeder neuen Ausgabe, wie viele schöne Geschichten im Journal stehen.

Noch nicht geschrieben: die „Nach-Lese“ fürs Feuilleton (übernächster Samstag). Schwanke noch zwischen den Themen „Hunde“ und „Big Bang“.

Ebenfalls auf dem Programm: eine „Wer bin ich?“-Sommerrunde, verquickt mit „Sportgeschichte/n“. Liebe WBI-Leute, da kommt was auf Euch zu!

Neben mir auf dem Tisch: Zeit, Spiegel, FAS und die Wochenend-Ausgaben von SZ, FAZ, FR, Welt und taz. Wann soll ich das alles lesen?

Jetzt.

Kaffee kommt.

Knicks.

Bis später.

 

Veröffentlicht von gw am 21. April 2014 .
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