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Montagsthemen (vom 31. März)

Wie in der NBA: Für die Top-Teams beginnt die Saison erst mit den Playoffs, zuvor ist nur Warmspielen angesagt, das mit Conference-, Divisions- oder eben Landesmeister-Titeln endet. Wie gut die national phänomenalen Bayern – und ihr himmelhochgelobter Trainer – wirklich sind, das muss sich noch zeigen. In den kommenden Finalspielen.
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Das 3:3 gegen Hoffenheim spielt dabei keine Rolle. So viele Tore gegen die Bayern schoss zwar zuletzt … Manchester. Allerdings City, nicht United. Aber immerhin. Am Samstag spielte jedoch nur eine bessere B-Elf, zudem auf Menschenmaß geschrumpft durch den menschlich unvermeidlichen Konzentrationsverlust nach der »Conference«-Titelfeier.
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Wie die Bayern, so auch der BVB. Sein Vorteil: Im nationalen Vorgeplänkel haben die Dortmunder so viel verdaddelt, dass sie fast schon als Kanonenfutter gelten. Doch die Champions League kommt ihnen entgegen, dort können sie so spielen, wie ihre diversen Überraschungs-Besieger in der Bundesliga.
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Handicap der Bayern: Kaum habe ich, spät, jedenfalls später als echte Fachleute, die überragenden Qualitäten von Thiago erkannt und gewürdigt, da fällt der junge Spanier wieder langfristig aus. In der Hinrunde Riss des Syndesmosebandes, jetzt reißt das Innenband im Knie. Verletzungen von der Art, die seltener durch brutale Fouls als durch Überlastung provoziert werden. War ja kürzlich erst ein »Anstoß«-Thema: Durch das immer früher beginnende Hochleistungstraining kommen Fußballer mit 30 nicht mehr in die besten, sondern in ihre letzten Jahre, manche haben sie dann sogar schon hinter sich.
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Gilt auch für andere Sportler. Wie für Jacko Gill, das Kugelstoß-Wunderkind, das mit 16 die Fünf-Kilo-Kugel unfassbare 24,45 Meter weit stieß. Ich habe in dieser Kolumne schon mehrmals auf ihn und sein irrwitziges Training hingewiesen, zuletzt am Samstag vor dem Duell mit Tom Walsh bei den neuseeländischen Meisterschaften. Walsh war alles andere als ein Wunderkind, wurde langsam aufgebaut und gewann mit rund einem Meter Vorsprung vor dem nun 20-jährigen Gill, dessen 19,73 Meter mit der Männerkugel aus einer zu frühen Weltsensation einen Allerweltssportler machen. 19,73 Meter, das ist die Preisklasse eines mir gut bekannten Ex-Stoßers. Mit 16 stieß er die Fünf-Kilo-Kugel knapp über 14 Meter.
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Aber das nur am Rande. Zurück zum Fußball. Die Frankfurter Eintracht: Zum wiederholten Mal spielte sie den besseren Fußball als ihr Gegner und verlor dennoch. Rechnet man alle vermeidbaren Punktverluste zusammen, stünde sie irgendwo oben neben Leverkusen. Aber in der Bundesliga entscheiden Punkte und kein Konjunktiv.
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Apropos Konjunktiv. Gestern meldete dpa: »Die Objekte, die am Samstag aus dem Meer geborgen worden waren, stellten sich als gewöhnliches Treibgut heraus. Diese waren die ersten geborgenen Objekte, die zu der am 8. März verschwundenen Maschine hätten gehören können.« – »Hätten gehören können«, welch eine aparte Formulierung. Sie könnte zu spöttischen Vergleichen reizen, wie viele Objekte man noch bergen könnte, die zu der Maschine hätten gehören können – wenn nicht der Gedanke an die letzten Stunden der Menschen an Bord jeden Spott verböten.
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In Malaysia legte die Formel 1 eine Schweigeminute für die Opfer ein. Auch hier böte sich der Spott an, die neuen Motoren alleine garantierten  schon sehr ausgedehnte Schweigeminuten. Doch ich muss dabei wieder an Michael Schumacher denken. Schon Ende Januar schrieb ich, das Schweigen der behandelnden Ärzte werde von Tag zu Tag lauter und bedrohlicher. Es ist ein dröhnendes Schweigen geworden.
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Themawechsel. Der Skandal von Freiburg. Nein, nicht die irre Wutrede des Nürnberger Trainers über seinen angeblich irren Kollegen, das kann man eher unter dem Stichwort »schlechter Verlierer« ablegen. Sondern: Laut Polizei schleuderten Nürnberger »Fans« mit Nägeln und Schrauben gefüllte Flaschen auf Freiburger Anhänger. In ersten Meldungen hieß es: »Die Polizei trennte die Gruppen. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht mitgeteilt.«
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Ich hoffe, als nähere Einzelheit wird noch mitgeteilt, dass das gezielte Werfen von mit Nägeln und Schrauben gefüllten Flaschen auf Menschen den Tatbestand des Mordversuchs beinhaltet und entsprechend geahndet wird. Ich fürchte aber, es wird beim »Du-Du! Das macht man nicht!« bleiben. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle