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E-Mail für mich (Anstoß vom 27. März)

Im Internet sind nicht nur meine  Kolumnen und Blogs zu lesen (siehe »Sport, Gott & die Welt«), sondern auch viele der bemerkenswertesten Leser-Zuschriften. Heute zitiere ich aus März-Mails an mich, aus Platzgründen mit vielen Auslassungen. Die Mails sind in voller Länge in der Rubrik »Mailbox«  von »Sport, Gott & die Welt«) nachzulesen, reinklicken lohnt sich. Unsere Leser haben viel zu sagen.
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Zur Torlinientechnik: »Gott sei Dank abgelehnt!«, freut sich Kay Velte aus Wetzlar, »ich finde, das Spiel lebt ganz entscheidend von diesen Situationen. Und ich setze sogar noch einen drauf: Ich bin der festen Überzeugung, dass dem Spiel insgesamt auch weniger Fernsehkameras gut tun würden, denn dass wir mittlerweile mit Superslomo aus unterschiedlichen Blickwinkeln fünf- sechsmal die selbe Szene präsentiert bekommen um vorrangig den Schiris eine etwaige Fehlentscheidung nachzuweisen, hat mit ›Fairplay‹ nichts zu tun.« – Ganz anders argumentiert Walther Roeber (Bad Nauheim): »Da haben DFL und die darin vereinten Vereine ein Eigentor geschossen, das nicht einmal eine Zeitlupe oder gar eine Torkamera braucht. Zurück in die Steinzeit, am Besten nur mit einem ›allmächtigen‹ Halbgott in Bunt, der dann die Wahrheit gepachtet hat.« – Meine Meinung? Am Samstag im »Sport-Stammtisch«.
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Auslöser der neuerlichen Hilfsmittel-Debatte war Stefan Kießlings »Phantom-Tor« in Hoffenheim. Reimar Dahler sieht seitdem höhere Mächte walten: »Es gibt den ›Fußball-Gott‹ und seine positiven Einflüsse auf eine gewisse Sportgerechtigkeit. Seit einigen Wochen besucht er die Bundesliga. Er sitzt, natürlich unerkannt, sehr gerne im Stadion in Leverkusen, um sich die Mannschaft anzusehen, die ein gemogeltes Tor gerne ›mitgenommen‹ hat. Dafür hat sie jetzt viele Heimspiele verloren, der Fußball-Gott wirkt schon auf seine ›Pappenheimer‹ ein.«
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Nicht jeder freut sich über den Märzmeister. Helmut Cichorius jedenfalls nicht. Ihm ist »der Spaß am Fußball vergangen ob dieser gnadenlosen Dominanz des FC Bayern. Das hat was mit den Änderungen im Verteilerschlüssel der Fernsehgelder zu tun (seit einigen Jahren gestaffelt nach Tabellenplatz), und der absehbaren langfristigen Auswirkung auf Vereine, die keine andere Möglichkeit der Präsentation haben als die Bühne Bundesliga. Man mag ja über Heribert Bruchhagen denken, was und wie man will, aber das hat er warnend vorhergesagt.«
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Manchen der Zuschriften kann ich auch mit längeren Zitaten nicht mal ansatzweise gerecht werden, so dem »Gebet für etliche Politiker und auch andere Meinungsbildner« von Pfarrer Paul-Ulrich Lenz. Auch was Dr. Hans-Ulrich Hauschild (Gießen) über eine »schweigende« Anmerkung von mir schreibt und mich dabei lobend mit Thomas Morus vergleicht (aber oh, das Schafott!), sollte ungekürzt gelesen werden. Es geht dabei um das Thema Hoeneß, das auch Dr. Sylvia Börgens (Wölfersheim) aufgreift: »Welche Stücke für das staunende Publikum gegeben werden, während hinter den Kulissen ganz andere ablaufen, können wir nur ahnen.« Zum Medien-Hype: »Sind wir Deutschen denn wirklich so dumm und sensationslüstern? Sind wir noch ganz knusper?? Der Bürgerkrieg in Syrien und das Leid der Bevölkerung dort? Kein Thema. Gab es mal eine Aufregung um Sebastian Edathy? Wäre unter anderen Umständen länger hochgehalten worden. Und Michael Schumacher kämpft um seine Genesung genauso einsam wie all die anderen Menschen, die in die Alpenkliniken mit Schädel-Hirn-Trauma eingeliefert worden sind. Dafür bekommen wir demnächst umfangreiche Berichterstattung über die Haftanstalt Landsberg.«
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»Wer guckt sonntags am frühesten Morgen außer Formel-1-Fans Fernsehen?«, fragte ich in den »Montagsthemen«, »dennoch haben um diese Zeit auch andere Sendungen signifikante Marktanteile. Wieso bloß?« Das war als hypothetische Frage zum Unsinn der Quotenermittlung gedacht, aber (der Ex-Gießener) Thomas Koch aus Wiesbaden gibt eine verblüffende Antwort: »Schauen Sie sich doch mal sonntagmorgens das Fernsehprogramm für Kinder an, deren Eltern gerne noch ein bisschen schlafen wollen, dann finden Sie schon einen großen Teil Ihrer fehlenden Prozente.« – Aha! Daran habe ich in der Tat nicht gedacht.
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In einer anderen »Montagsthemen«-Kolumne spielten Subjekt-Objekt-Verschiebungen eine Rolle, ein altes Hobby von mir. Horst Wiegard fand ein hübsches Exemplar dazu: »Zu den Montagsthemen passt die Meldung aus der FR von gestern, die zeigt, über welche Macht die Medien (oder nur der Spiegel?) heute verfügen: ›Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel ließ Edathy wissen, dass er einem Untersuchungsausschuss des Bundestages ›selbstverständlich‹ zur Verfügung stehen werde.«
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Kritik an uns, aber vor allem an den von uns übernommenen Agenturmeldungen: »Was da während Olympia teilweise wieder ein Schund verzapft wurde, ging auf keine Kuhhaut mehr. Man fragt sich wirklich, was diese Leute eigentlich für einen Beruf erlernt haben«, ärgert sich Andreas Kautz. Dazu noch einmal »Mailbox«-Leser Walther Roeber: »Dem Beitrag von Hr. Kautz kann ich nur zustimmen. Es gilt nicht nur für den Sportteil, sondern ganz allgemein wird offenbar weder korrekturgelesen, noch ist Beherrschung der deutschen Sprache ein Kriterium, um ›Journalist‹ zu werden.« – Beide Leser meinen nicht mich, ich nehme die Kritik aber stellvertretend an, zumal ich fast täglich auf meine Fehlbarkeit hingewiesen werde: Wenn der Leser »gw« über Fehler stolpert, die der Schreiber »gw« tags zuvor übersehen hatte.
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So, da könnte ich zum Ausgleich ja mal ein Lob einstreuen: »Meine Gattin und ich sind regelmäßige Leser Ihrer Kolumnen und immer wieder begeistert, normalerweise halte ich mich mit Mails zurück, aber heute wollte ich einfach einen Kommentar loswerden: Ihre heutigen Ausführungen zum Thema ›Antisemitismus-Diagnose‹ … ganz, ganz stark!!!« (Dietmar Harbach/Gießen). – Die Ausführungen sind bisher nur im Blog zu lesen, werden aber demnächst im Rahmen dieses heiklen Themas an anderer Stelle im Blatt (»Nach-Lese«) auftauchen.
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Einer ist schon aufgetaucht und lässt einen anderen alten Bekannten ebenfalls wieder auftauchen: Der Wöllstädter Schriftsteller Otto A. Böhmer, unseren Lesern auch als Mitkolumnist früherer Jahre bekannt, meldete sich zu meiner Freude nach langer Zeit wieder einmal zu Wort, unter anderem zur Frankfurter Trainersuche, und mit seinem verblüffenden Vorschlag endet die heutige Ausgabe von »E-Mail für mich«: »Man könnte auch den überaus rüstigen Heynckes von seiner Ranch weglocken – mit dem Hinweis, dass er als Welttrainer ja noch einen Makel hat, der in seiner Frankfurter Zeit liegt, und es nun die einmalige Chance gibt, späte Wiedergutmachung zu betreiben. Kleiner Scherz.«
Nur ein Scherz? Warum eigentlich …?  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt«  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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