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Sonntag, 23. März, 6.35 Uhr

Ein Katzenkampf holt mich aus dem Schlaf. Zerfleischen die sich? Den Tönen nach müssen die Katzen schon halb tot sein. Sie schreien, heulen, quietschen in den höchsten und schlimmsten, den grausligsten Tönen. Raus aus dem Bett, ans Fenster. Zwei schwarze Katzen in der Dämmerung, sie sitzen sich gegenüber, Kopf an Kopf. Schreien sich an. Eine von beiden ist eine von unseren beiden. Der große faule Julius. Die andere, eine schwarzgraue, ist mir unbekannt. Sie schreien weiter, die Schwänze peitschen. Nur die Schwänze, beide Körper ansonsten wie erstarrt, Nase an Nase. Ich laufe runter, öffne die Tür. Die Katzen sehen mich. Die unbekannte geht langsam weg, Julius kommt langsam gravitätisch anstolziert. Nichts passiert. Waren nur Drohgebärden. Vielleicht nicht mal das, vielleicht nur eine angeregte Unterhaltung.

Und Honecker hat doch recht, hätte recht gehabt, wenn er nur ein bisschen realitätsnäher formuliert hätte:  Den FC Bayern in seinem Lauf halten weder Mainz noch ManU auf. Wohl wahr, denn der Fußball hat seine eigenen Gesetze, nicht die des Kommunismus. Den hielten nicht Ochs und Esel auf, sondern er sich selbst. Was den FC Bayern aufhalten könnte, wird nicht aufgearbeitet. Alles Stochern im Schweizer Bankennebel wird denselben nicht lichten. Auch der “Stern” hat den kapitalen Fisch nicht an der Angel, präsentiert mit Vronisihrnfreund und der Hannover-Connection inklusive Mirko Slomka nur vergleichsweise irrelevanten Beifang. Sie hatten natürlich keine Ahnung, dass die Fonds, in die sie investierten, unter dem “bösen Verdacht” stehen, “den Fiskus auszunehmen. Indem die Finanzbehörden angeblich getäuscht und so dazu verleitet werden sollten, mehr Kapitalertragssteuer zu erstatten, als zuvor überhaupt bezahlt worden waren” (“Süddeutsche Zeitung”). Jetzt haben sie den Salat. Und kein Tischlein-deck-dich.

Kein Thema für die Montagskolumne. Zu wenig Durchblick. Nicht nur ich, offenbar alle, die sich damit beschäftigen. Nein, nicht alle, die sich damit beschäftigen, nur alle, die darüber berichten. Ich halte mich lieber an andere Skandale. Die “HörZu” preist in ihrem Top- und Flop-Ranking den Sportstudio-Moderator Jochen Breyer für seinen “ungewohnten Mut: So wagte er es etwa, berechtigte Kritik an Fußballlegende Rudi Völler für dessen frauenfeindlichen Spruch zu üben. Vorbildlich.” Da ich in senilstörrischem Trotz die Spätsendung nicht mehr sehe, weiß ich nicht, worum es ging. Aber für so etwas ist ja das Internet gut. Dort lese ich, dass Völler zu einem Zweikampf beim Aufwärmen, bei dem Roberto Hilbert weggegrätscht wurde, beschwichtigend gesagt hat, “wir sind schließlich nicht beim Frauenfußball”. Das also ist schon “frauenfeindlich”?! Breyers “Wagemut”: Er kommentierte den Spruch als “Völlers Beitrag zum Weltfrauentag”. Wie ungeheuer mutig!

Weitere Themen auf dem Zettel: Baumfällen fördert die Testosteronproduktion  vermutlich stärker als Doping mit männlichen Sexualhormonen, in jedem Fall aber stärker als Fußballspielen. Den Beweis dazu lieferten Speichelproben von baumfällenden Eingeborenen  im Amazonas-Dschungel. Könnte ein Montagsthemchen werden, plus Trainingshinweis für kommende Bayern-Gegner: Nicht so viele Fußballspielchen a la “5 gegen 2″, sondern Bäume fällen. Wenn die Eintracht-Profis den Stadtwald roden, gewinnen sie noch die Champions League. Tätäää!

Auch auf dem Zettel: Statistik-Quatsch in der Gewaltforschung (als Schlenker nach Völlers Frauenfeindlichkeit) / “restlose Aufklärung”, die keine ist, aber abgeschrieben und vermeldet wird / neues Jacko-Gill-Trainingsvideo. Aber nun erst mal Pause. Knicks und Kuchen.

 

Baumhausbeichte - Novelle